Sonntag, 8. Januar 2012
special k.
am freitag versammelte sich die silvesterrunde zuzüglich einiger anderer menschen, die ich teils vom sehen aus dem club kenne, anlässlich des geburtstages der k.-ex. die k.-ex hatte k. beauftragt, für mich heikle esserin extra zu kochen (ohne fleisch, ohne allzu viel laktose und ohne knoblauch), was mich unglaublich rührte. dafür hatte ich mit mr. shyguy für ein größeres geschenk zusammengelegt und hatte s/m-shops abgeklappert, um genau das zu bekommen, von dem ich wusste, dass die k.-ex es sich schon länger wünschte.

gegen neun startete das gelage. nachdem wir uns mit dem dinner eine grundlage geschaffen hatten, floss der alkohol in strömen. k. hatte nicht nur mein spezielles essen gekocht, sondern der k.-ex auch noch mein momentanes recht teures lieblingsgetränk verraten, dass nun im kühlschrank für mich bereit stand. ich umarmte die beiden und dankte ihnen für diese besondere aufmerksamkeit. dann saß ich zwischen mr. shyguy und h., die nette bekannte, die auch an silvester anwesend war, geklemmt und genoss die wärme und die freundlichkeiten.

was mir auffiel, war, dass das objekt fehlte. schließlich gehörte es immer noch zu diesem kreis und hatte ein verhältnis mit der k.-ex.
ich fragte die k.-ex.
"mit dem objekt ist es aus", sagte sie. "meine tür bleibt für diesen menschen zu."
wie sich herausstellte, hatte die k.-ex einen teil des geldes, das sie dem objekt geliehen hatte, noch immer nicht zurückbekommen. sie hatte ihm daraufhin gedroht, die letzten reste seines hab und guts verpfänden zu lassen.
"schlaft ihr nicht mehr miteinander", fragte ich.
"nee. das hat für mich jetzt echt den reiz verloren. er kann sich bei mir nicht mit sex freikaufen. außerdem denk ich, der hat eh schon wieder eine neue."
"und was ist mit der objektgespielin?"
"die fickt er nicht mal mehr. behauptet er zumindest."
"ach, der mann lügt doch, wenn er den mund aufmacht", sagte ich.
"man muss dazu sagen, dass die gespielin auch nicht so blöd ist wie wir. die sucht ihm keine wohnungen und die leiht ihm auch keine kohle."

ich lernte zwei weitere menschen kennen, die der k.-ex sehr am herzen liegen. den mann kannte ich bereits vom vorbeihuschen, weil er auch mit dem objekt befreundet war. seine frau hatte ich noch nie bewusst gesehen, während sie behauptete, mich vom sehen aus dem club zu kennen, aus der zeit, als ich mit k. zusammen war. ich guckte und guckte, denn es war eine der schönsten frauen, die ich je gesehen hatte, die, wie sich herausstellte, die gleichen essgewohnheiten hatte wie ich. wir verbrachten die nächsten stunden zusammen und erzählten uns die absurdesten geschichten zum thema als-ich-einmal-gezwungen-war-fleisch/wurst-zu-essen.

dann fragte mich die schöne, ob ich zufällig lsd dabei hätte. ich erklärte, dass mir halluzinogene drogen todesangst bereiten und ich deshalb noch nie welche genommen hatte. sie erzählte mir, dass sie wohl öfter pilze nähme und gab eine lustige geschichte von ihrem mann zum besten, der sich einmal auf einem trip mitten auf eine tanzfläche gesetzt hatte und nicht mehr wegekommen war, da er glaubte, seine hände beziehungsweise finger seien wie wurzeln mit dem boden verwachsen.
"du verstehst, dass ich niemals irgendwo als menschlicher baum enden möchte", lachte ich.
"naja, ich nehme auch nie so viel, dass ich komplett die kontrolle verliere."
"aber das ist doch eine unheimliche gratwanderung... zwischen gut und nicht mehr gut."
"klar", strahlte die schöne.
ich guckte nur. angstfreie menschen machen mir immer ein bisschen angst, stellte ich fest.

gegen drei, als wir schon reichlich betrunken waren, beschlossen wir, noch aufzubrechen und spontan auf irgendeine party zu gehen. das vergnügen währte allerdings nur kurz, da die k.-ex die mischung von alkohol und drogen liebte und sich zwei fette lines reingedonnert hatte. daraufhin gab es ein kleines techtelmechtel mit der security, mit dem ergebnis, dass wir alle vor die tür gesetzt wurden.
während wir auf taxis warteten, stand ich neben k. k. guckte zu seiner ex, verdrehte genervt die augen und meinte dann zu mir:
"du verstehst, warum wir nicht mehr zusammen sind."
"dir ist das zu überdreht, hm?"
"das heute ist noch harmlos."
"ah", sagte ich und fragte nicht weiter.
k. legte den arm um mich.
"du bist auch komplett wahnsinnig und kompliziert, aber immer vernünftig... da liebe ich so an dir."
"ich mag dich auch immer noch", lächelte ich.
dann schlüpften wir in das ankommende taxi.

k., die k.-ex, mr. shyguy, die schöne und ihr mann und ich fuhren alle wieder zurück in die wohnung der k.-ex. mr. shyguy und der mann der schönen zogen sich auf die couch zurück, um zu schlafen, während ich mit dem rest in der küche saß und noch ein bisschen aufräumte.
als die k.-ex im bad verschwunden war und k. gläser in einen schrank räumte, fand er einen joint.
"genau das richtige zum einschlafen", fand er und zündete das ding an. beim ersten zug hustete er ein wenig, nach dem zweiten flüsterte er:
"teufelszeug. ich muss mich ablegen."
und schwupps war k. im schlafzimmer verschwunden.
die schöne und ich guckten uns verwundert an. dann machte ich den fehler und nahm ebenfalls einen zug.

es kam mir vor, als hätte ich feuer inhaliert. innerhalb von sekunden legte sich mein hirn in dicke watte.
"was ist denn?", fragte die schöne und packte mich am ärmel.
"das ist KEIN gras", flüsterte ich.
jetzt war die schöne neugierig geworden und nahm mir die tüte aus der hand.
"olala", sagte sie nur.
"das ist kein gras, oder?"
"nee. aber was ist das dann?"
"dope", sagte ich. "ganz heftiges dope, denk ich."
"meinsssu", verdreht die schöne die augen.
"komm", sagte ich. arm in arm wankten wir ins schlafzimmer und krochen zu k. unter die decke. k. murmelte im schlaf und zog mich an sich, während sich die schöne in meinen freien arm kuschelte.

als ich am mittag des nächsten tages aufwachte, zog ein duft von gebratenem gemüse und pilzen durch die wohnung. ich wollte aufstehen, was gar nicht so einfach war, da ich in die arme und beine der beiden anderen verschlungen war. beim versuch mich zu befreien weckte ich meine mitschläfer.
k. grinste, gab mir einen guten-morgen-kuss und seufzte:
"das ist ja ein männertraum hier... meine beiden lieblingsfrauen."
die schöne kicherte und fragte dann nach einer zahnbürste.

geduscht und mit geputzten zähnen begaben wir uns schließlich in die küche, wo der mann der schönen und mr. shyguy die reste des vergangenen abends in ein feudales brunch verwandelt hatten. die k.-ex kam von draußen herein und brachte eine tüte mit brötchen.
"ich hab einfach durchgemacht", lachte sie. "war ja eh kein schlafplatz mehr frei."
als sie den aschenbecher vom tisch nehmen wollte, entdecke sie die reste des joints vom vorabend.
"habt ihr DEN etwa geraucht?" fragte sie entsetzt.
k. nickte.
"das war der hammer. ich hatte das gefühl, eine eisenbahn rast durch meinen kopf. danach war alles ganz stumpf. ich hab mich hingelegt und ich war sofort weg."
die schöne und ich bestätigten das.
die k.-ex kicherte.
"den hat mein nachbar gedreht. das war eine spezielle mischung. er hat mir den geschenkt und meinte, ich soll den bloß niemals alleine rauchen."
"die warnung macht sinn", sagte k.
"das war dope, oder", fragte ich.
"ja", sagte die k.-ex.
"boah, ich fühl mich wie fukushima", sagte ich.
"dann esst mal was ordentliches", sagte die k.-ex.

nach dem köstlichen brunch ging es uns besser.
"sehen wir uns später", fragte mich k., als ich in meine jacke schlüpfte und gehen wollte.
"ich weiß nicht, ob ich heute in den club gehe", meinte ich. "ich fühl mich ein bisschen durchgefeiert."
"naja, falls du doch gehst, komm vorher bei mir vorbei."
"okay."
k. guckte mich an und ich spürte die spannung in seinem blick. die sache mit k. blieb ein schmaler grat zwischen freundschaft und attraktion.

zuhause blinkte der anrufbeantworter. die lederjacke hatte mir drei nachrichten hinterlassen. mein herz machte einen warmen hüpfer. ich gab mir noch eine halbe stunde, dann rief ich zurück und sagte der lederjacke, wie gern ich sie hatte.

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Freitag, 6. Januar 2012
the people against christian wulff
die mehrheit möchte nicht, dass wulff zurücktritt, dessen weinerlicher zurschaustellung totaler politischer inkompetenz sei dank.

merkel sagt gar nix, sondern grinst mal wieder ihr dämliches teflon-lächeln.

es gibt immer noch keinen bürgerkrieg.

ich schäme mich für dieses land und dessen hochhalten von unwerten wie lügen, korruption und markerschütternder dummheit.

will man da noch deutscher sein?!

deutschland, i fucking hate you!!

edit:
heute morgen hieß es ja, die mehrheit der bevölkerung wolle, dass wulff im amt bleibt. hier die zahlen von heute abend (quelle gmx.net):



mehr als 13.000 menschen können doch nicht irren!!

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Dienstag, 3. Januar 2012
lovely new year
gestern fand endlich, endlich das lang geplante next date mit der lederjacke statt.

wir trafen uns diesmal nicht erst zu nachtschlafender zeit.
"ich will nicht auf party", sagte die lederjacke. "ich hab die letzten tage so viel getrunken, ich würde gern was ruhiges machen."
"was schwebt dir denn vor?"
"ach, wir könnten spazieren gehen... und dann essen... und dann vielleicht ins kino?"
was ich an der lederjacke so schätzte, war diese normalität. wenn ich jemanden kennenlernen möchte, schaffe ich mir eine basis, indem ich was mit dem anderen unternehme. zwar ist party immer noch ein wichtiges element meines exzessiven lebens, aber zum beschnuppern finde ich andere gelegenheiten schöner. das hatte ich beispielsweise am objekt oder auch bei k. immer ein wenig vermisst: diese menschen gingen hauptsächlich feiern. k. hatte ich beinahe ausschließlich auf parties getroffen, das objekt von parties abgesehen fast immer zuhause, wo wir uns die köpfe wegfickten.

aus dem spaziergang wurde dann leider doch nichts, weil sich die lederjacke verspätete und es wieder zu regnen begonnen hatte. die lederjacke ist leidergottes noch verpeilter als ich und benötigt für mini-entscheidungen wie "fahre ich mit dem bus oder mit dem rad?" eine halbe stunde.
wir trafen uns also direkt zum essen. wir gingen zum thai, um uns einen glutamatschock zu holen. am tisch saßen wir uns gegenüber und wussten zunächst vor lauter verlegenheit kaum, wohin gucken. die lederjacke gab sich distanziert. ich war verwirrt, hoffte aber, dass sich das im laufe des abends geben würde.

beim essen disutierten wir über die weltwirtschaftskrise, die verwaltung von armut in deutschland und den sinn und zweck eines studiums, das zu nichts führt. das war ein wenig anstrengend, da unsere meinungen in weltanschaulichen fragen auseinander gehen. die lederjacke ist ein eingefleischter idealist, der seine position bis zum letzten blutstropfen verteidigen würde, während ich dazu neige, dialektisch vorzugehen und mir dabei auch lösungen vorstellen kann, die meinen idealen teilweise widersprechen, sofern sie pragmatisch sind.

nachdem der blutzuckerspiegel wieder auf normalnull war, taute die lederjacke schließlich ein wenig auf.
"wollen wir nicht doch noch ausgehen?" fragte sie.
"können wir gerne."
eine knappe stunde später saßen wir in der bahn richtung altona, wo wir auf eine 80er-party gehen wollten.
"wie ist das so, da ist doch montags bestimmt nix los", fragte die lederjacke.
"naja, viel ist nicht los, aber ich war da auch nur einmal letzten sommer... es war nett. nette musik und nette leute", erwiderte ich.

am ort des geschehens angekommen, meinte die lederjacke:
"mist, ich hab schon wieder lust, mir die kante zu geben."
das war nicht unbedingt ein kompliment, fand ich, aber ich wollte nicht so streng sein. außerdem würde sich der alkohol positiv auf die immer noch etwas verkrampfte stimmung auswirken, war ich mir sicher.
und siehe da: nach zwei bier wurde die lederjacke dann endlich munterer, lachte mehr und legte irgendwann den arm um mich. noch immer etwas zaghaft, wenn man bedenkt, dass wir schon geknutscht hatten, aber okay.
ich meinerseits bewies unabhängigkeit und ging immer mal wieder länger tanzen. ich wollte der lederjacke freiraum geben und zugleich zeigen, dass ich nicht drauf stand, den ganzen abend händchenhaltend in einer ecke zu verbringen. das funktionierte - entgegen anderer erfahrungen - mit der lederjacke prima.

mit steigendem alkoholpegel wurden wir immer ausgelassener. wir blieben bis zum ende der party.
dann wollte ich mich verabschieden.
und endlich, endlich fragte die lederjacke:
"möchtest du wirklich nach hause? willst du nicht bei mir übernachten?"

eine halbe stunde später saß ich bei der lederjacke auf dem bett. die lederjacke bewohnte ein winziges zimmer in einer chaotischen wg. meine karge wohnung erschien mir im vergleich wie eine nobel-butze. aber dafür lebte die lederjacke natürlich in der schickeren gegend.
"die anderen sind nicht da, wir haben also sturmfrei", grinste die lederjacke und ließ sich mit zwei gläsern rum neben mich sinken.
und endlich, endlich kam der kuss, auf den ich schon den ganzen abend gewartet hatte.

die lederjacke roch gut und fühlte sich ebenso gut an, jung und fest und warm. und das beste: es befanden sich kondome im haushalt. auch das objekt hatte stets gewisse vorräte beherbegt, aber zwischen haben und nutzen befand sich langer und holpriger weg zahlreicher disputationen. zudem schienen sich gummis, intimpiercings und animalisches hardcore-ficken irgendwie schlecht zu vertragen. die lederjacke hingegen blieb in jeder lage gentleman, und ich musste ein wenig an den dritten mann denken, der beim sex gerne innehielt, sich zurückzog und sagte: "ich will nicht, dass es geil ist, ich will, dass es schön ist."
nach dem akt schliefen wir aneinandergeschmiegt ein. ich hatte entgegen sonstiger gewohnheiten keine fluchttendenzen und wünschte mich nicht nachhause.

wir erwachten erst irgendwann am späten mittag. es regnete. das machte uns nichts, wir gingen trotzdem raus und schlenderten mit wirren köpfen durch die gegend, setzten uns in cafés und inspizierten die auslage in den schaufenstern der läden. ab und an blieben wir stehen, um uns anzusehen und zu lächeln. die stunden verstrichen unbemerkt und als ich endlich in der u-bahn nachhause saß, stellte ich fest, dass wir 24 stunden am stück zusammen gewesen waren.

alles in allem also nicht schlecht für ein drittes date. die ersten drei tage 2012 fallen demnach schon mal in die kategorie "vielversprechend".

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Montag, 2. Januar 2012
[help!]
ich vermisse seit bereits längerer zeit meinen kalender hier. das ist verdammt unpraktisch, weil ich einträge nicht mehr rückwärts durchsuchen kann.

im layout ist der kalender allerdings noch drin.




any ideas?

edit: problem gelöst. wer eine ahnung hat, wie ich den kalender kleiner kriege, ist allerdings mit seinem guten rat herzlich willkommen.

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Sonntag, 1. Januar 2012
es knallen lassen
1. kapitel: befreiende erkenntnis

das alte jahr begann sich am nachmittag des 31.12. von seiner nettesten seite zu zeigen. und zwar als ich erfuhr, dass die lederjacke nun doch nicht der psychopathische exfreund einer bekannten ist. bisher hatte ich die lederjackengeschichte aufgrund der besagten warnung immer mit vorsichtigem abstand betrachtet und nur auf die erste schote gewartet, die mein vertrauen zerstören würde.
wie zum beweis rief die lederjacke zehn minuten nach erhalt der wichtigen information an, um mir ein tolles silvester zu wünschen, da wir nicht zusammen feiern würden. ich sagte ihr, dass ich glücklich sei, sie kennengelernt zu haben. die lederjacke war gerührt.

2. kapitel: wie es gut anfing und gut weiterging

silvester ist bei mir immer ein sehr empfindliches datum. der letzte jahreswechsel war zwar verrückt, aber insgesamt nicht allzu erquicklich gewesen. die treuen leser unter ihnen erinnern sich vielleicht noch die verquere horror-story mit objekt, objektfreundin und der odyssee auf dem eis. es war ein tag, den ich mir trotz des hohen abenteuerfaktors so schnell nicht wieder wünschte. daher hatte ich mich entschieden, diesmal mit k., der k.-ex, mr. shyguy und noch zwei, drei anderen bekannten auf eine richtig große wohnungsparty bei unbekannten menschen zu gehen und anschließend in einen club weiterzuziehen.

k. rief mich am abend an und erbot sich, mich an der holstenstraße abzuholen. das fand ich toll, da ich böllertechnisch ein kleiner schisser bin und an silvester in steter angst lebe, von einem knallfrosch tödlich getroffen in flammen aufzugehen.
als ich die brechend volle bahn verließ, sah ich k. schon im nieselregen stehen und winken.
"na?" sagte er.
"na?" sagte ich, "schon in feierstimmung?"
"silvester wird stark überbewertet", stellte k. trocken fest und guckte über die straße, wo menschen in die neue flora strömten.
"welche beknackten vollspießer rennen denn bitteschön silvester in ein
blödes musical?!"
"solche, die sonst auch auf so nen seichten scheiß stehen?"
k. lachte, ärmelte mich unter und zog mich weiter durch den regen.

3. kapitel: vom futtern und füttern

wir klingelten irgendwo, ich weiß nicht mehr wo. es öffnete eine bekannte, die ich schon mal in meinem stamm-club gesehen hatte. im hintergrund stand ein mann.
"das ist c., mein ex-freund und jetzt mitbewohner", stellte sie uns vor.
sie schob uns in die küche, wo es sekt, bier, kaffee und allerlei leckereien gab. um den küchentisch herum saßen bereits die k.-ex und mr. shyguy. ich nahm in der ecke platz und lehnte mich zurück. da rumpelte etwas hinter mir. erschreckt fuhr ich auf.
"oh, jetzt sind sie aber aufgewacht", lachte die bekannte.
ich drehte mich um und sah, dass ich vor einem käfig mit chinchillas saß.
"oh, die sind ja süß", rief ich.
"wir können sie rauslassen, wir haben so ein gitter, das wir immer in die küchentür stellen", schlug die bekannte vor.
"boah nee, ich mag keine viecher zwischen meinen füßen rumwuseln haben", sagte k. und schenkte sich einen wodka nach. auch die bekannte sah ein, dass freilaufende tiere bei steigendem alkoholpegel vielleicht keine gute idee waren. man kennt ja die bedauernswerten missgeschicke mit hamstern, die unter teppiche geraten und so.

c., dem meine begeisterung für die kleinen grauen fellknäule nicht entgangen war, fragte mich dann, ob ich sie füttern wolle. während sich der rest betrank und die ersten lines gelegt wurden, saß ich mit kleinen scheiben trockenfutter in der hand da und betrachtete fasziniert die mümmelnden chinchillas. wenn ich tiere um mich habe, brauche ich nichts auf dieser welt.

4. kapitel: zur richtigen zeit am richtigen platz im richtigen leben

gegen halb zehn zogen wir dann weiter auf die große privatparty. zwischendurch rief ich den wahnsinnigen doc an, der gerade in der stadt war und lud ihn ein, auch zu kommen. dann saßen wir alle zwischen menschen, die wir größtenteils nicht kannten und amüsierten uns prächtig. ich unterhielt mich irgendwann in der küche weiter mit der bekannten und ihrem mitbewohner. dabei stellte ich fest, dass ich die bekannte immer sympathischer fand. wir versprachen einander als guten vorsatz, uns im neuen jahr zu treffen. abgesehen davon hatten es mir ihre kleinen haustiere angetan und verdrängten kurzzeitig sogar meine immer noch unverwirklichten katzen-anschaffungspläne.

um mitternacht verteilte die gastgeberin sekt. ich hatte mich zwischenzeitlich an den wodka gehalten und spürte schon den ersten schluck der blubbergetränks. aber dann waren da all die arme, in die ich fallen durfte: k., die k-ex, die bekannte und ihr mitbewohner-ex, mr. shyguy, der wahnsinnige doc und noch vier, fünf unglaublich freundliche quasi-fremde. anstatt das übliche gute neue jahr zu wünschen, sagten wir uns, wir sehr wir uns freuten, einander zu kennen. ich spürte, dass es ehrlich gemeint war und diese zuneigung und freundschaft erfüllte mich von den zehenspitzen bis unter die schädeldecke mit einem großen, hell strahlenden glück.

5. kapitel: das glück der anderen

gegen eins verließen wir die privatparty und machten wir uns auf den weg in einen club. wir nahmen zwei taxis und eierten im schneckentempo durch die straßen. hamburg war von dichtem nebel verschluckt. an einer übersehenen roten ampel hatten wir beinahe einen unfall. mit einem gewaltigen schrecken in den knochen betraten wir schließlich den club.

k. peilte gleich die toilette zwecks nachlegen an und fragte, ob ich mitkommen wolle. ich überlegte und verneinte. mir war warm und wohl. ich traf weitere bekannte gesichter und verteilte umarmungen und gute wünsche. ich bekam viele getränke ausgegeben und sank schließlich reichlich betrunken im raucherraum neben k.
"weißt du, heute kann ich genau das zeigen, was für mich der sinn des lebens ist", lallte ich.
"was denn", fragte k. ziemlich benommen.
"liebe", nuschelte ich. "universelle liebe. ich liebe diese menschen da."
"hast du was genommen?"
"nee. das ist die nüchternste erkenntnis meines lebens", stammelte ich. "auch, wenn es wie dummes tussengeschwätz klingt."
"nee, das ist schön", fand k., "ich hab keinen sinn des lebens."
"echt nich?"
"nee, ich häng nicht so am leben."
"ich merks", sagte ich. "du konsumierst gerade ziemlich viel."
"ich weiß", sagte k., "aber es ist mir irgendwie egal."
"mir nicht", sagte ich und dachte auch an das objekt, "ich will nicht, dass du stirbst."
k. sah mich lange an und sagte nichts. dann zog er mich zum tresen und orderte noch zwei tequila.

gegen halb vier merkte ich, dass ich nicht mehr richtig laufen konnte. das kam nur bedingt vom alkohol, sondern rührte auch daher, dass ich seit acht stunden in meinen neuen schuhen steckte. ich saß am rand einer tanzfläche zwischen mr. shyguy und den wahnsinnigen doc gekuschelt. der wahnsinnige doc hatte vorhin ebenfalls getanzt, was er sonst nie tat. er hatte dabei die augen geschlossen und ein entspanntes lächeln auf dem gesicht gehabt und ich hoffte sehr, dass er glücklich war. denn dies ist das einzige, was noch schöner als das eigene glück ist: die menschen, die man mag, beim glücklichsein zu erleben.

6. kapitel: finale

kurz vor sechs beschlossen k. und ich aufzubrechen. die anderen waren bereits los.
"lass uns doch noch frühstücken gehen", schlug k. vor. "ich bin noch total wach."
"ich eigentlich auch", sagte ich. "aber ich will nicht mehr so weit gehen, ich kann einfach nicht mehr."
also schleppten wir uns nebenan zum bahnhofsbäcker.
dort saßen wir, tranken kaffee, aßen frische brötchen und beobachteten die passanten - betrunkene, streitende, umschlungen gehende, küssende, pöbelnde, lachende und weinende menschen.
k. lächelte.
"ach morphine-hase, nächstes wochenende wird bestimmt super."
"warum das denn?"
"weil da kein silvester ist. keine böller und keine scheinheiligkeiten."
"ich bin nicht scheinheilig."
"du doch nicht."
k. drückte mich, dann veraschiedeten wir uns. k. wankte zur s-bahn, ich, inzwischen wieder munter und gehfähig, tippelte zur u-bahn. eine halbe stunde später war ich dann endlich zuhause.

gegen halb acht lag ich im bett und ertappte mich dabei, wie ich noch immer lächelte. unter meiner haut kribbelten sanft geborgenheit, friede und warme freude, sodass ich nicht gleich einschlafen konnte, obwohl ich vollkommen erschöpft war. als ich schließlich doch einschlummerte, träumte ich von mümmelnden chinchillas und u-bahn-fahrten.


ihnen allen ein frohes und gesundes 2012!

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