Montag, 10. Oktober 2011
laut gehen
heute abend feiern wir wohnungsabriss-party. der nachbar-dealer ist auch eingeladen.

das objekt hat eben angerufen. im moment ist es dabei, die rauchmelder abzukleben. seems to be promise.

die objektgespielin kommt auch. ich hoffe, wir bringen den abend ohne eifersuchtsdramen über die bühne. das objekt hat ganz unverblümt einen flotten dreier vorgeschlagen. ich habe ganz unverblümt geantwortet, dass seine tante nur leider überhaupt nicht mein fall ist. zumindest nicht nüchtern.

es bleibt also wie immer alles spannend.

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Samstag, 8. Oktober 2011
asylum unter hochspannung
am donnerstag flüchtet das objekt aus seiner halb leeren, verwüsteten wohnung zu mir, bevor es dann an diesem wochenende für die nächsten wochen zu einem freund zieht.

"es mag ja krank klingen... natürlich bin ich traurig und fertig mit den nerven, aber irgendwas in mir ist gerade auch einfach nur fasziniert von dieser entwicklung."
das objekt steht im raum mit nichts als einem handtuch, das es um die hüften geschlungen trägt. die dusche war die erste anlaufstation, nachdem es gestanden hatte, dass es sei drei tagen im eigenen dreck lebt, weil es keinen bock mehr auf fließend kaltwasser hatte. das objekt ist ein eben ein echter warmduscher, das hatte ich schon immer gewusst und sage es ihm nun auch auf den kopf zu, was zu einer kleinen rangelei führt, bei der ich schließlich auf dem boden lande, das objekt über mir.

wir bleiben für einige sekunden einfach liegen, körper auf körper, und das objekt lässt seinen kopf neben meinen sinken. dann spanne ich alle muskeln an und nutze den überraschungsmoment, um mich aufzurichten.
das objekt steht auf und schlüpft schweigend in hose und t-shirt und fragt dann, ob es mal mein internet benutzen dürfe, weil es e-mails checken wolle.
"ich muss post bekommen haben von zwei freunden von mir... wir haben mal fotos gemacht."

wie sich herausstellt, hat sich das objekt vor ein paar jahren als aktmodell verdingt. im anhang des e-mails finden sich dann tatsächlich auch eine unzahl gezippter fotos.
"komm mal, guck mal..." das objekt zieht mich zu sich heran.
neben einigen diabolisch-schönen portraitaufnahmen
gibt es zahlreiche künstlerische aktaufnahmen, die meisten gesichtslos, verfremdet und stark bearbeitet. es handelt sich nicht direkt um pornografie, wie ich zunächst vermutet hatte, auch wenn einige der bilder auf masturbation anspielen. andere bilder zeigen das objekt geschminkt, halb verhüllt und mit großen weißen flügeln an den schultern.
"wow, die sind schön", finde ich.
"die wurden auch ausgestellt und teils sogar verkauft."
"und, hast du geld bekommen?"
das objekt schüttelt den kopf.
"da hab ich auch gar nicht nach gefragt, ehrlich gesagt."
"wie kamst du zu der ehre?"
"ich hab die beiden künstler auf einer schwulen-party kennen gelernt."
ich frage absichtlich nicht nach, wie sich dieses kennenlernen konkret abgespielt hat, vermute aber, dass reichlich alkohol, poppers und andere hilfreichen accessoires im spiel waren.

"welche findest du am besten?"
ich deute auf zwei der bilder, auf denen das objekt als engel verkleidet ist sowie auf ein portrait, auf dem es seinen unverkennbar postkoitalen gesichtsausdruck hat.
"willst du die haben?"
die frage erschreckt mich und verwundert mich.
"nein", sage ich dann, "das zeigt nicht den menschen, den ich kenne."
das objekt versteckt die nase in meine achselhöhle:
"oh mann... du bist immer so..."
"wie?"
"geradeheraus."
"so bin ich."

schlafenszeit. ich biete dem objekt die chance auf ein einzelschlafzimmer in meinem arbeitszimmer, doch erwartungsgemäß lehnt es dankend ab. da ich es genieße, mal nicht alleine in meiner wohnung zu sein, fackle ich nicht lange und wir bauen aus meinen einzelmatratzen ein doppelbett.
dann liegen wir nebeneinander und sind hellwach.
"ich kann nicht schlafen", spricht das objekt als erstes aus, was uns beide bewegt.
"warum?"
"ich mach mir so viele gedanken."
"wir haben doch schon alles durchgesprochen. alles wird gut, hab geduld."
"und ich hab so schmerzen."
"was für schmerzen?"
"kopfschmerzen. und nackenschmerzen."
"du bist angespannt. dreh dich mal."
ich taste mich am hals vorwärts und spüre die verspannungen wie glasmurmeln am seitlichen nacken. das objekt zuckt, als ich zudrücke.
"wenn dir schwindelig wird, musste du es bitte sagen, mein physiotherapeut sagt immer, das kann passieren, dass man am hals auch mal ein blutgefäß erwischt."
"nein, es hat nur weh getan."

ich löse vier, fünf knochenharte verspannungen und das objekt ist ganz angetan.
"du bist ja richtig begabt."
"jetzt kann ich aber nicht mehr, meine hände tun weh."
das objekt zieht mich zu sich heran und umschließt meine hände mit seinen fingern. es küsst meine stirn und sagt:
"schlaf jetzt."
dann schlummern wir hand in hand ein.

am nächsten morgen muss ich zur arbeit, während das objekt noch ausschlafen kann. es ist also zum ersten mal alleine in meiner wohnung. ich frage mich, ob ich ihm vertrauen kann, staple ein paar sachen übereinander und versuche mir zu merken, wie sie lagen. dann verlasse ich das haus.

als ich am nachmittag wieder komme, ist das matratzenlager abgebaut und alles wieder ordentlich an seinem platz. meine künstlich drapierten stapel scheinen unangetastet. das objekt ist also kein schnüffler. stattdessen hat es mein bett gebaut und ringums kissen platziert. in der mitte liegt meine rote wolledecke, die so gefaltet ist, dass ein einzelnes schwarzes herz nach oben zeigt. ich muss lächeln und merke, dass ich mich ein bisschen zu sehr freue. vor allem, als ich kurze zeit später bemerke, dass mein zweitschlüssel nicht mehr an seinem platz neben der tür baumelt. zur entschuldigung und erklärung gibt es einen brief dazu, die situation, blabla und die erinnerung an mein angebot vom letzten winter, als ich dem objekt aus eigener motivation meinen schlüssel anvertraute und meinte, theoretisch sei es ja auch nicht verkehrt, wenn jemand den schlüssel zu meiner aktuellen wohnung hat, da ich ihn hier keinem der nachbarn geben wollte.

trotz der harmonie und nähe, die wir infolge der wohnungsmisere haben, gibt es also mal wieder ein echtes objekt-hühnchen zu rupfen. am montag werde ich das messer wetzen. mal sehen, wie es sich dann wieder aus der affaire zieht.

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Donnerstag, 6. Oktober 2011
about mice and men
im supermarkt. ich bin sehr müde und überarbeitet. ich stehe bei den brötchen und gucke paralysiert, weil ich mich nicht entscheiden kann, welches ich will. da schweift mein blick ab und ich sehe eine kleine maus unters kühlregal huschen.

vermutlich gucke ich noch mal verwirrter, denn direkt nebenan an der fleischertheke beugt sich der verkäufer über die auslage und fragt:
"kann ich ihnen helfen? in zwei minuten kann ich ihnen ganz frische brötchen anbieten."
ich schüttle noch immer irritiert den kopf und sage dann mit einem möglichst freundlichen lächeln:
"entschuldigung, ich war gerade etwas erstaunt... kann es sein, dass sie eine kleine maus hier haben?"

der fleischerthekenmann starrt mich entgeistert an und ich kann die gedanken sehen, die sich durch seine stirn pressen: achtung, irren-alarm. die alte da hat nicht alle tassen im schrank. die sieht weiße mäuse im supermarkt.

ich ahne nicht, was ich mit meiner äußerung angerichtet habe. denn schon mischt sich eine frau ein, die neben mir steht:
"hier gibt es MÄUSE?"
sämtliche kunden in hörweite stellen sichtbar die lauscher auf.
der fleischerthekenmann beschwichtigt: "ich glaube nicht, dass es hier mäuse gibt, mit sowas hatten wir hier noch nie probleme!"
hinter mir sagt eine alte schabracke laut zu ihrem general-ähnlichem begleiter: "hörst du, die frau hat eine maus hier gesehen! das ist doch widerlich!"
alle kunden in der näheren umgebung glotzen. zwei von ihnen packen ihre sachen aus dem korb in die regale zurück und verlassen eilig den laden. die anderen tuscheln und hasten richtung kasse.

der fleischerthekenmann schaut mich an, als sähe er mich gern in dünnen scheibchen neben seiner anderen wurst in der auslage liegen.
mir ist die ganze geschichte inzwischen mordspeinlich und ich bekomme zweifel an meinem eigenen verstand.
"hören sie, vielleicht bin ich nur gerade etwas gestresst... ich komme eben aus dem büro und bin sehr müde... da bekomme ich schon manchmal so ein komisches flackern vor den augen!"
meine gehaspelte entschuldigung scheint beim fleischerthekenmann die irrenhaus-these eher noch zu erhärten. bevor er den sicherheitsdienst rufen kann, sehe ich zu, dass ich ebenfalls richtung kasse komme.

ich fürchte, ich kann die nächsten wochen da keinesfalls mehr einkaufen. es interessiert mich allerdings immer noch, ob ich recht hatte oder ob ich inzwischen stressbedingt halluziniere.

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Montag, 3. Oktober 2011
auszeit
"komm, wir machen was schönes!"
"was denn?"
"egal. komm da raus aus deiner feiertagsmelancholie. ich hab das auto von meinem freund. wir fahren ein bisschen rum und machen was nettes."

das objekt ist immer für eine überraschung gut. also streife ich meine feiertags-pisslaune ab und begebe mich vorsichtig nach draußen. ich bekomme einen lux-schock von der unerwarteten sonne und dem unerwarteten anblick eines schwarzen zweisitzers vor der tür.

das objekt lehnt lässt an der seite des wagens, sonnenbebrillt, zippe, und klimpert mit den schlüsseln.
"was ist los, ist der wohlstand ausgebrochen?"
"hab mein gehalt überwiesen bekommen!"
"dann schmeiß es bitte nicht gleich aus dem fenster."
das objekt packt mich bei den schultern und meint: "ich schmeiß es nicht aus dem fenster, ich möchte einen schönen tag mit dir. keine probleme. einfach nur den letzten spätsommertag mitnehmen und das, was eben gerade geht. du musst auch mal raus deinem menschenlosen rapunzelturm."

als ich meinen arsch auf den beifahrerseit gewuchtet habe, klappt das objekt das verdeck herunter. anschließend geht es mit überhöhter geschwindigkeit ab durch die city.
"und, wohin willst du?"
"egal, nur raus hier. ins grüne, wo es keine schnöselmenschen gibt!"
eine halbe stunde später stehen wir irgendwo im nordwesten hamburgs im grünen.
"ich hab keine ahnung, wo wir sind, aber es ist alles da, soweit ich sehe: bäume, büsche... wiese... und stechmücken", grinst das objekt.
dann gehen wir spazieren, arm in arm wie ein altes ehepaar. ich fühle mich wohl, nicht mehr. wie eine schwester. es fliegen keine funken. es ist einfach nur gut, wie es ist.

dann sitzen wir auf einer bank. das objekt hat mir eine flasche sekt gekauft, obwohl ich so eine tussen-plörre normalerweise nicht mag. für sich selbst hat das objekt nur eine apfelsaftschorle mitgebracht.
"wenn ich jetzt was trinken würde, so in der situation... da würde ich mich wahrscheinlich totsaufen. also trink und lass bitte nichts übrig."
natürlich schaffe ich keine flasche sekt, also schütten wir den rest in die hecke.
"davon werden jetzt die ameisen und so besoffen", meint das objekt. "anarchie im ameisenstaat. rien ne va plus! das ende eines totalitären regimes!"
"und das am tag der deutschen einheit!"
"na und, passt doch - du wessi, ich ossi."

irgendwann schaut das objekt auf die uhr.
"was sagt dein hunger? wollen wir was essen?"
"oh gerne. was kochst du?"
"gar nichts."
"wie, nichts? also das, was ich koche, willst du bestimmt nicht essen."
das objekt macht eine ausladende geste: "wir gehen essen, ausnahmsweise. und du bist eingeladen, als kleines dankeschön für deine hilfe in der letzten zeit."
wir gehen zu einem kleinen, feinen franzosen in die schanze und essen galettes mit ziegenkäse, scampi und lachs.

"und nun?" fragt das objekt, als es tatsächlich ganz alleine gezahlt hat.
"wollen wir noch was machen? ich hab das auto noch bis mitternacht, dann verwandelt es sich zurück in einen kürbis."
"und du dich in einen frosch, haha."
"wir könnten schwimmen gehen", schlug das objekt vor.
"die schwimmbäder machen gleich zu."
"schwimmbad ist ja auch langweilig."
"im see isses zu kalt, da erkälten wir uns", setze ich mein veto.
"du bist immer soooo vernünftig", seufzt das objekt, "du wärst ne super mutti."
"solange du nicht das kind bist, auf das ich dann aufpassen muss."

am ende fahren wir wie in guten alten zeiten zur videothek und holen einen film und lümmeln dann in der noch-wohnung des objekts herum, bis das objekt den kürbis zurückgeben und ich nach hause muss.
"war ein schöner tag", finde ich, als ich in jacke und schuhe schlüpfe.
"es hätte keine bessere möglichkeit gegeben, so einen scheißfeiertag zu verbringen", erwidert das objekt ud drückt mich zum abschied. dann stimmt es falsch und schief die nationahymne an und schubst mich aus der wohnung, bevor es die tür nochmal aufreißt, mich packt und auf den mund küsst.
"sorry, das hatte ich vergessen."
um schlimmeres zu verhindern, drehe ich mich um, eile die treppe hinunter und bin schwuppdiwupps draußen, bevor das objekt weitere verführungsmanöver landen kann. schließlich bin ich eine frau mit prinzipien.
neuerdings.
bis auf weiteres.

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Samstag, 1. Oktober 2011
stromausfall
energielevel bei null. das betrifft den körper, die seele, den geist, aber nicht nur. das "nicht nur" liegt an vattenfall (jawohl, ich beziehe atom-strom, denn ich glaube auch nicht an glückliche kühe), die online-rechnungen ausstellen, die ich nie angucke. jetzt kam die (postalische) mahnung mit allerletzter zahlungsaufforderung und stromabdreh-drohung. doof, dass am montag feiertag ist und die agentur ohnehin immer gern vergisst, meinen mikro-lohn zu überweisen.

auch sonst fühle ich mich ein wenig ausgelutscht. daran ist neben beruflichem stress das objekt schuld. es hat in mir seine lieblings-kaffeekränzchen-tante gefunden. als hätte wer den hahn aufgedreht, labert es, während es sonst gern den großen geheimnisvollen spielte. wir fangen beim thema obdachlosigkeit in spe an und hören bei als-ich-unfreiwillig-vater wurde auf. das objekt ist dabei weiterhin clean, was mich stark überrascht. dafür ist es erstaunlich gut drauf. ähnlich wie beim letzten entzug beginnt es, in allem einen wink des schicksals zu sehen.

so sitzen wir beispielsweise am mittwoch abend am tisch und essen kartoffeln und rest-nudeln, die das objekt auf arbeit geklaut hat. plötzlich geht das licht aus: lampe im arsch.
objekt: "siehst du, auch die lampe!! auch die lampe!! das sind alles zeichen, dass ich hier ausziehen soll."
ich rolle die augen.
objekt: "doch, doch, das macht alles zusammengenommen sinn!"
ich: "vielleicht ist das licht ausgegangen, weil wir jetzt armen klinik-insassen das abendessen wegfressen. wir sind deshalb geswitchbumst worden und stehen gleich hypnotisiert auf, um nasse finger in steckdosen zu halten."
das objekt lässt sich nicht von seiner theorie abbringen. es berichtet von der ausgefallenen warmwassertherme.
"das ist auch ein zeichen. hier ist alles kaputt, ich bin kaputt, ich muss zurück zu den wurzeln! ich dusche jetzt immer eiskalt, so wie zu großvaters zeiten."
ich verkneife mir einen bösen spruch über die ddr-vergangenheit des objekts und esse weiter nudeln mit einer sauce, die aussieht wie nasser rindenmulch, aber wahnsinnig köstlich und extravagant schmeckt. was das betrifft, ist das objekt noch immer das alte.
"was ist in der sauce drin?" frage ich.
"ente."
"haben wir weihnachten?"
"ist nur die basis."
"ja und sonst so?"
das objekt grinst.
"das willst du eh nicht wissen."
ich vermute das schlimmste - hasenherzen, gänsestopfleber oder kutteln - und halte die klappe.

als wir fertig sind, sind noch kartoffeln übrig. das objekt hat eine idee. es zerdrückt die exakt quadratisch geschnitzten kartoffelstückchen zu brei und füllt damit ein tuch. daraus wird ein wickel gegen meine nackenschmerzen.
die wärme ist köstlich, ich fühle mich umsorgt und geborgen wie früher, was bewirkt, dass ich mir weitere objekt-ergüsse anhöre.
als wir auf die uhr sehen, ist es zwei uhr nachts.
"ich muss nach hause, in fünf stunden muss ich wieder aufstehen und zur arbeit", sage ich.
"bleib doch", bietet mir das objekt an.
"vergiss es, wir ficken nicht", platze ich heraus.
"du kannst auch im kinderzimmer schlafen", sagte das objekt, "so, wie du dich wohlfühlst. aber es wäre doch blödsinn, jetzt noch eine dreiviertelstunde durch die nacht zu fahren."
"okay, dann schlafe ich im kinderzimmer."

das objekt holt bereitwillig decken und kissen und bezieht das bett frisch.
"ist dir ka-halt", ruft es ins bad.
"jetzt schon", sage ich und meine damit das fehlende warmwasser.
zwei minuten später, als ich meine kontaktlinsen aus den augen friemele, stürmt das objekt ins bad.
"ich hab dir eine wärmflasche gemacht!"
ich hole luft.
"sag mal, kannst du mir einen gefallen tun?"
"was denn", eifert das objekt.
"kiff doch bitte noch einen fetten joint. oder nimm ein paar schlaftabletten. aber tu irgendwas, was dich von einem kind mit zappelphillip-syndrom wieder in den faulen, zerstreuten und semiautistischen menschen zurückverwandelt, als den ich dich kennengelernt habe."
das objekt grinst friedlich und küsst meine wange.

eine halbe stunde später liege ich eingemummelt in zwei decken mit wärmflasche an den füßen ud kuschelkissen auf dem bauch im kinderbett.
"gute nacht", sagt das objekt liebevoll und knipst das licht aus.
ich schließe die augen.
dann nähern sich die objektschritte wieder der tür.
"duuhuu, morphine..."
"nein", sage ich.
"ich möchte aber noch was fragen!"
"WAS", blaffe ich.
das objekt setzt sich an die bettkante. es folgt der nächste monolog, der in der frage gipfelt, ob ich glaube, dass das objekt auch die arbeit verlieren wird.
"was weiß ich", sage ich.
"soll ich mal mit meiner chefin reden, was meinst du?"
"würde ich nicht machen. wie sieht das denn aus, wenn ein 36-jähriger vater nicht klarkommt. am ende schicken dir die das jugendamt vorbei, die machen vielleicht noch einen drogentest bei dir und das wars dann."
"du hast recht."
"ich weiß", sage ich. "gute nacht."
das objekt zögert.
"gehts dir gut?"
"mir ging es nie besser, vor allem, weil du nun diesen raum verlassen und ich gleich schlafen werde."
"ich finde das ja strange. wir sind noch nie getrennt eingeschlafen."
da ich keine pistole bei mir trage, die ich zücken könnte, drängt sich das objekt mit in das bettchen.
"nur, bis du eingeschlafen bist", bettelt es. "ich möchte dich so gern festhalten und wissen, dass du gut schläfst und nicht schlecht träumst..."
"jaja. halt die klappe und komm."

zwei sekunden später bin ich eingeschlafen. gefühlte drei minuten später werde ich wieder wach, weil sich das objekt umdreht und im schlaf redet. ich schüttle es durch, bis es aufwacht.
"oh, tut mir leid", sagt es, "ich habe was geträumt."
als ich nichts sage, bestürmt mich das objekt:
"willst du gar nicht wissen, was?! du kannst doch so gut träume deuten."
"nein."
"aber es ist wirklich spannend! und du kommst auch drin vor!"
"morgen."
"okay. ich erzähle es dir beim frühstück."
"meinetwegen."
dann endlich ist ruhe.

als ich das nächste mal aufwache, ist es hell. im flur pfeift das objekt fröhlich vor sich hin. bevor ich richtig wach bin, bekomme ich cappucchino und toast ans bett.
"warum bist du denn schon wach, du hast doch erst spätdienst, denk ich."
"ich bin schon seit sechs wach und da dachte ich, ich mach dir frühstück."
ich will "nett" sagen und "danke", komme aber nicht wirklich dazu, weil das objekt beginnt, mir seinen strangen traum zu erzählen.
"kann ich nix zu sagen", erwidere ich kauend.
"echt nicht?"
"nein."
"wirklich??"
"so", sage ich, schiebe den teller und das objekt gleich mit weg, "ich muss mich fertig machen fürs büro."

als ich mich endlich auf den weg zur s-bahn mache, merke ich, dass ich zum ersten mal erleichtert bin, dem objekt zu entkommen. und das nach einer nacht ohne sex. und ich frage mich: bin ich nun geheilt?

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