Mittwoch, 7. September 2011
am ende des regenbogens
wartet nichts weiter.
vielleicht ein maulwurfshügel.

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Montag, 5. September 2011
es wal einmal
wenn eine eine reise tut, dann kann sie was erleben. is ja klar.

um dem objekt zu entfliehen und um mir überhaupt mal wieder was gutes zu tun und weil mir ein bestimmter blogger mal wieder was gutes tun und dabei unter anderem unbedingt beweisen wollte, was für ein genialer koch (=lover) er ist, war ich dieses wochenende in einem kleinen ort bei einem etwas größeren ort am meer. das war nun eigentlich schon das zweite mal. denn: was wahr ist, muss gesagt werden, was gut ist, muss getan werden - und was gut war, muss wiederholt werden!

da der besagte blogger es unbedingt einmal schriftlich will: ja, das essen war grandios lecker! ich mag es ja gerne scharf und fleischlos (fleisch, das ich in den mund nehme, sollte menschlicher natur sein und noch leben). d.h. meinen nahrungssonderwünschen wurde zu 100 % folge geleistet, auch wenn der blogger sonst eher seine dominante seite betont. sicherlich brennt das essen zweimal, aber gut, wie gesagt, nur analverkehr mag ich dann nicht, vor allem nicht am ende des verdauungsvorgangs, denn ich mag auch keine züchtigungsgeilen männer mit schild mit der aufschrift "damentoilette" ummen hals, wie sie sonst des öfteren in den von mir frequentierten lokalitäten auftauchen.

soweit, so prima. dann allerdings fielen mir einige merkwürdigkeiten auf, die nicht ganz in das von besagtem blogger gezeichnete selbstbild - tougher, cooler ladykiller mit vorliebe für harte elektronische musik - passten.

1. die weihnachtstasse mit dem rentier
ich fragte mich: ist mein gastgeber etwa ein freund von kirchlichen feiertagen und neigt dazu, zur weihnachtzeit heimlich plätzchen und stollen zu backen und abends besinnlich in den selbstgeschmückten adventskranz/weihnachtsbaum zu glubschen? er versuchte mich von dieser these abzubringen, indem er als abendgestaltung das gemeinsame gucken von horrorfilmen vorschlug, aber so leicht kann man(n) mich nicht täuschen!

2. das rosa duschgel und die damendeos im bad
der blogger behauptete, die gehörten seiner freundin. zur tarnung lud er eine gemeinsame gute bekannte von uns ein und spielte mir ein pärchenleben vor - aber so leicht kann man(n) mich nicht täuschen!

3. die ringelstrümpfe, die damenunterwäsche und das schwarze kleid in der wäsche
weil ich ja so ein sozialer mensch bin, helfe ich auch mal beim wäscheaufhängen, wenn ich den gastgeber schon alleine den frühstückstisch wieder abräumen lasse. der blogger behauptete zunächst wieder, die damenbekleidung gehöre allesamt der bekannten, mit der er einen auf pärchen machte - doch so leicht kann man(n) mich nicht täuschen!

endlich sah mein gastgeber ein, dass die beweislast zu drückend wurde und gestand mir schließlich seine geheime feminine seite. er zeigte mir sogar seine lackstiefel, die er offenbar trägt, wenn er auf männerfang geht.

ich muss ja sagen: ich habe das alles bereits bei meinem ersten besuch geahnt. und zwar, als mir die kleinen blauen wale auf dem klopapier auffielen. passend dazu wollte ich dem blogger heute eine rosa plüsch-krake schenken, doch er lehnte dankend ab. ich versuchte es dann mit einem tiger-täschchen, aber das hatte er schon in seinem besitz.
auf diese weise konnte ich mich gar nicht richtig für die gastfreundschaft bedanken. trotzdem hoffe ich, dass besagter blogger nächsten samstag zum konzert nach hh kommt und auch seine nette imaginäre freundin mitbringt. ich muss allerdings darauf hinweisen, dass mein klopapier keinerlei tiermotive aufweist. vielleicht möchte er sich ja eine rolle von zuhause einpacken. mein klopapier ist außerdem nicht so kuschelweich und daher auch nicht so gut für brennt-zweimal-gerichte geeignet.
nunja, das alles kann er sich ja mal durch den kopf gehen lassen!

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Samstag, 3. September 2011
don´t touch
als ich den berg talwärts radle, entdecke ich plötzlich das objekt an meiner seite.
"hey, lass uns doch zusammen fahren!"
das objekt strahlt mich aus blauen, moment mal, blauen? augen an.
ich zögere und sage dann:
"na gut."
nach ein paar metern verlieren sich unsere wege und ich stehe mit zwei tanzenden mädchen in pinkfarbenen gymnastikanzügen am straßenrand.

aufgewacht.

gestern noch bis spät auf party gewesen. das objekt war nicht da, aber der dritte und die drittefreundin.
während die drittefreudin ebenfalls nicht gut auf das objekt zu sprechen ist, macht sich der dritte sorgen. offenbar hat das objekt jeglichen kontakt zur außenwelt abgebrochen.
"ich kenn das ja, dass der mal für zwei oder drei wochen verschwindet... und dann muss ich wieder hinfahren und ihn aus dem loch ziehen. aber diesmal... er hat sich ja wirklich von ALLEN leuten zurückgezogen."
"der ist bestimmt mal wieder dauerstoned", meint die drittefreundin abschätzig.
"kann sein... ich habe den eindruck, dass da mehr ist..." der dritte legt die stirn in denkerfalten und blickt in die unbestimmte ferne.

an unserer seite steht die objektgespielin. sie leidet bereits seit drei monaten unter objekdistanz. das wusste ich nicht. sie tut mir ein bisschen leid. andererseits weiß ich genug von ihr, dass sie auch kein kind von traurigkeit ist und dem objektfrieden ohnehin immer misstraut hatte, zumindest, solange die objektexfreundin noch hin und wieder auf der bildfläche aufgetaucht war. damit war sie zumindest schon mal eine ecke schlauer als ich, und das kratzte an meinem ego. mit der objektexfreundin waren es also schon zwei deutlich jüngere frauen, die scheinbar über den dingen standen und mir was voraus hatten. verdammt, es wurde zeit, dass ich härter wurde.

natürlich wollen alle wissen, wie ich als allerbeste objektfreundin die situation empfinde.
"keine ahnung, es tut mir einfach weh..."
"klar, ihr hattet ja so viel zeit zusammen", meint die drittefreundin. "über ein jahr, oder?"
"anderthalb."
"aber ich denke mal, er wartet jetzt drauf, dass ich wieder den anfang mache. so nach dem motto: die doofe morphine ist ja so gutmütig und geduldig und so eine loyalitäts- und verbindlichkeitsverfechterin, die wird sich schon melden, spätestens, wenn sie einen fick braucht."
von der objektgespielin erfahren wir, dass sie das objekt zuletzt nur noch zum aufräumen, putzen und als babysitterin in die wohnung geholt hatte.
"ich mag ja den kleinen auch, aber irgendwo kommt man sich dann schon verarscht vor."
ich bekomme noch ein bisschen mehr mitleid und bin froh, dass ich zwar auch mal im haushalt geholfen, aber nie die rolle der dauerputzfrau und des kindermädchens übernommen hatte.

wir stehen betreten zusammen.
"komischer abend", sagt die drittefreundin. "total miese stimmung, und alles nur wegen dem blöden objekt. der arsch soll sich mal gehackt legen!"
"das kannst du so nicht sagen", widerspricht der dritte, und dann streiten der dritte und die drittefreundin kurz und heftig.
"also den beziehungsfrieden solltet ihr dem objekt jetzt nicht auch noch opfern", trenne ich die streithähne schließlich.

der wahre krieg bricht dann zwei zentimeter hinter meiner rechten schulter aus, als betrunkene asoziale beginnen, mit bierflaschen auf die türsteher einzudreschen. ruckzuck rückt die ganze security an und es gibt eine prügelei vom feinsten. der blutüberströmte, von der bierflasche getroffene security-mann geht richtig ab und tritt den am boden liegenden flaschenschmeißer mit seinen kampfstiefeln in bauch und rücken.

wir glotzen gebannt. der dritte hat seinen arme schützend um uns mädels gelegt, was sehr süß ist.
dann greift endlich die polizei ein, die heute schon einige festnahmen auf den transenstrich zu verzeichnen hatte, wie ich im vorbeilatschen mitbekommen hatte.
"ich will nach hause", sage ich. "außerdem hab ich angst um mein fahrrad."
"wo stehst du denn?"
"über der kreuzung, in dem wohngebiet da. ich bin ja nicht irre und stelle mein rad auf dem kiez ab!"
"gute idee", findet die drittefreundin.
"dann schlaf mal schön und mach dir nicht so viele gedanken."
auch der dritte und die objekt(ex)gespielin umarmen mich.

dann drehe ich der szene den rücken zu. vorne an der ecke schlägern sich die nächsten besoffenen, wieder rückt die bullerei ab - noch einmal fliegen flaschen und auch steine. ich versuche mich krampfhaft zu erinnern, ob wir mal ein flaschenverbot auf dem kiez hatten. falls ja, funktioniert das ja offenbar prima. im biernebel schließe ich mein rad auf - gottseidank ist es noch heil, nachdem man mir schon mehrfach die reifen zerstochen hatte - und fahre richtung norden.
hallo bett.

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Donnerstag, 1. September 2011
altona forever
heute nach feierabend schenkte mir meine chefin einen ein und berichtete von ihrem anstehenden date, zu dem sie gleich gehen würde, obwohl sie einen freund hat, der dummerweise allerdings schon verheiratet ist.
"warum, mach doch, ist doch gut, wenn du offen bleibst", meinte ich.
"ja, und ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht, warum ich so an b. hänge... wo der mich doch sowieso nur als geliebte hinhält und sich nicht von seiner ollen trennt", meinte meine chefin düster.
"was ist das denn für ein date?" fragte ich. "ich meine, was wollt ihr machen?"
"der kocht", sagte meine chefin und es klang wie ein todesurteil.
"oh", sagte ich, "männer, die gut kochen können, ficken in der regel auch gut."
meine chefin prustete los.
"steile these!"
"ich spreche aus erfahrung!" erwiderte ich.
"erzähl!"
"da gibt´s nichts zu erzählen. die männer, die ich kennenlernen durfte und die richtig gut und abwechslungsreich kochen konnten, waren eben nunmal auch sonst sehr sinnlich. also so die entdecker-typen. die schnuppern und schmecken und tasten sich vorwärts, anstatt ihn einfach nur reinzustecken oder sich hinzusetzen und sich einen von dir blasen zu lassen."
"klingst, als denkst du da wen spezielles."
"klar." und ehe ich mich versah, erzählte ich auszugsweise die objektgeschichte.
"der mann kocht wie alfons schuhbeck und fickt wie ein gott."
"na solange er nicht wie alfons schuhbeck fickt", kreischte meine chefin und schenkte noch einen nach.
"nee", kicherte ich, "aber weißte, so mit leidenschaft. so mit body and soul. ich meine, hey, da gab es typen, mit denen war ich richtig zusammen und die laberten mich voll vonwegen liebe, aber das was die gemacht haben, war eher so eine art selbstbefriedigung. nicht, dass das nicht auch gut war, hin und wieder. aber wenn das die welt ist, weißte, die erde... dann ist das, was ich woanders bekommen habe, das universum. so mit supernova und alles verschlingenden schwarzen löchern. explodierende und eruptierende energien eben."
"du bist immer so poetisch, sogar, wenn du betrunken bist", fand meine chefin. dann hakte sie nach:
"und warum hast du nix mehr mit dem typen?"
"wir reden nicht mehr miteinander, weil er so ein unzuverlässiger arsch ist."
"aber das ist doch blödsinn. warum habt ihr nicht eueren spaß und lasst das mit der zuverlässigkeit außen vor?"
"weil ich den menschen verdammt noch mal liebe."
meine chefin kriegte große augen.
"das hätte ich dir gar nicht zugetraut!"
"was?"
"dass du jemanden so ins herz geschlossen hast. du wirkst immer so... undurchsichtig... so kühl... so in deiner eigenen welt eben."
wir schwiegen eine weile, dann fragte meine chefin:
"wo wohnt der denn?"
"in altona."
"nee, die straße meine ich!"
ich sagte es ihr.
meine chefin packte schwankend ihre autoschlüssel.
"los, wir fahren da jetzt hin."
"du spinnst."
"nee, das ist mein voller ernst. wenn du den liebst, musst du um den kämpfen! mann! einfach machen anstatt sich so zu quälen!"

einfach machen war das stamm-rezept meiner chefin für sämtliche lebenslagen. vermutlich auch der grund für die nicht mehr nachvollziehbaren ups and downs der agentur.
ich nahm ihr die autoschlüssel aus der hand.
"du kneifst", warf mir meine chefin vor.
"der würde wahrscheinlich nicht mal aufmachen", vermutete ich.
"ach komm."
"und kannst nicht mehr fahren, du hast was getrunken."
"ach kacke... und wie komme ich jetzt meinem date?"
"taxi?"

nachdem meine chefin draußen war, räumte ich die agentur ein wenig auf, spülte das dreckige geschirr und atmete tief durch. dann schwang ich mich auf mein fahrrad und drehte eine runde durch die stadt bis altona. ließ die objekt-erinnerungen auf mich einströmen, die ich dort an so viele orte hatte und versuchte, meinen frieden damit zu schließen.

und vielleicht würde ich eines tages hierher zurückkehren und dieses pflaster in neuen stiefeln erobern.

altona forever.

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Sonntag, 28. August 2011
kabale ohne liebe
mr. shyguy ist inzwischen einer meiner engsten freunde. nicht zuletzt, nachdem ich ihm neulich einen one-night-stand vermittelt habe, der wohl recht nett gewesen sein muss. zumindest befreite er mr. shyguy vorübergehend sogar von seiner krankhaften schüchternheit, was sonst nicht mal raue mengen alkohol und das gute/verruchte objektseitige zureden geschafft hatten.

mr. shyguy ist zugleich jedoch zweitbester objektfreund und mit dem objekt im gleichen dorf aufgewachsen. seit der objekt-ignore-krise hat sich mr. shyguy allerdings auf meine seite geschlagen und übermittelt mir insider-infos.

nach der gestrigen schlimmen nacht hatte ich mr. shyguy angerufen und ein bisschen mit dessen im hintergrund wuselnden, dringend pipi-müssenden hund um die wette gejault.
mr. shyguy schnappte sich die töle und nahm mich mit auf seinen spaziergang. ich berichtete von der objekt-eiszeit, die gestern neue tiefstwerte zwischenmenschlichen permafrostes erreicht hatte.
"ich versteh das nicht, warum der so arschig ist", meinte mr. shyguy am ende meines monologs.
"der hasst mich und das passt gut, weil ich hasse ihn jetzt endlich auch", erwiderte ich feuerspeiend.
"glaub mir, das ist nicht so." dann gestand mir mr. shyguy, dass das objekt ihn auf mich angesetzt hatte. mr. shyguy sollte den vermittler spielen.
ich staunte nicht schlecht.
"anderseits frag ich mich natürlich nun, was diese bitte soll, wenn er sich alles so versaut, indem er dich so behandelt."
"ich kann nicht mehr ausgehen, wenn das so weitergeht. ehrlich, jeder clubbesuch ist nur noch eine nervliche achterbahnfahrt."
"ach komm!"
"kannst du nicht...?"
ich musste den satz nicht zu ende sprechen, mr. shyguy hatte seinen auftrag schon verstanden.
"wenn das objekt heute abend da ist, red ich mal mit ihm. und du hübsch dich mal auf."
"aye, aye."

ich wählte mein bodenlanges spitzenkleid, entschärfte das sündige dekolleté ein wenig mittels bolero und wartete auf mr. shyguy, der mich abholen würde. gegen eins klingelte es an der haustür, dann stand mr. shyguy in meiner wohnung.
"na, immer noch in selbstmord-stimmung", begrüßte er mich.
"nee. ich freu mich inzwischen sogar ein bisschen auf den abend." neben mr. shyguy hatten sich noch ein, zwei andere nette bekannte angekündigt, sodass ich notfalls zumindest ausreichend gesprächspartner haben würde, die mich ablenken konnten.

als wir gerade vor dem club einparkten, rauschte ein sexy hinterteil auf einem fahrrad an uns vorbei. während wir ausstiegen, schwang sich das objekt mit raubtier-eleganz aus dem sattel und betrat vor uns den club. doof, wenn jemand, den man hasst, immer noch so überoptimale optische reize bietet.

drinnen begrüßte mr. shyguy zunächst das objekt, während ich sicherheitsabstand hielt und wartete, bis mr. shyguy mit der hallo-zeremonie fertig war. dann gingen wir ins nebenzimmer, erstmal was trinken und eine rauchen. als ich mich dort pflanzte, spürte ich einen blick von rechts - und da war der architekt!

ich freute mich von herzen und rutschte begeistert einige sessel weiter, bis ich den architekten in die arme nehmen konnte.
er strahlte mich an:
"ich freu mich so, dass du da bist."
"ich freu mich auch, dass du da bist. das ist ja ewig her."
der architekt guckte mich herzzerfetzend offenherzig an und nahm mich gleich nochmal in die arme.
"du siehst toll aus", fand er, und ich kicherte geschmeichelt.

als ich wieder aus der umarmung auftauchte, bemerkte ich, dass sich mr. shyguy und das objekt genau gegenüber niedergelassen hatten. das objekt warf seinem erzfeind einen vernichtenden blick zu. den architekten schien das nicht weiter zu stören und begann, sich ungeniert mit mir zu unterhalten. ich jubilierte heimlich. besser hätte es das schicksal gar nicht arrangieren können.

unterhaltungen mit dem architekten machen immer ungemein spaß. der architekt hat seltsame themen und kann den zuhörer unheimlich fordern. er springt von tagespolitik ins emotional-psychologische und zurück zu baurechtlichen fragestellungen. es sind gespräche, in denen man mitwachsen muss und darf und dabei ganz viel input und geistige impulse erhält. trotzdem hatte ich heute mein zweites ohr in den raum gerichtet und schnappte fetzen aus der unterhaltung zwischen dem objekt und mr. shyguy auf.

mr. shyguy bewies mut und herz und ging das objekt ziemlich aggressiv an, was ich der tonlage entnahm. dann hielt das objekt einen längeren monolog, von den ich nur einzelne worte wie "warten", "verzweifelt" und "liebe" aufschnappte. es geriet zeitweise stark ins stottern, was ich aus der vermehrten gestik ableiten konnte. zum schluss saß das objekt zusammengekauert da und verbarg das gesicht in den händen. mr. shyguy hatte die hand auf seiner schulter und redete immer noch leise und eindringlich auf es ein. das objekt schüttelte mehrmals den kopf, stand dann auf und ging wie ein angeschossener bär aus dem raum. was auch immer mr. shyguy gesagt hatte, ich applaudierte innerlich.

dann gab mir mr. shyguy einen wink, ihm nach draußen zu folgen. er lehnte sich an die tür und wirkte mitgenommen.
"du musst dir keine sorgen machen."
"wie meinst du das?"
"du hast dein ziel voll erreicht."
"mein ziel?"
"na, ihn fertigzumachen. der weiß ja gar nicht mehr, wohin er das ei legen soll."
"na hör mal. da ist er selber schuld, und das aktuelle verhalten trägt auch nichts zur besserung bei."
"das weiß er. er hat den eindruck, dass die sache vollkommen eskaliert und ihm aus den händen gleitet. es beschäftigt ihn ständig und es wird ihm immer unangenehmer."
"herrje. das ist aber jetzt kein gnadengesuch?"
"nein, er weiß schon, dass er an der reihe ist, wenn sich noch irgendwas zum guten bewegen soll."
"na gottseidank."
"es geht ihm aber wirklich schlecht dabei, das solltest du wissen."
"vielleicht tut er bloß so, weil er ahnt, dass du es mir erzählst und weil er drauf spekuliert, dass ich dann aus mitleid einknicke."
"das glaube ich nicht. ganz ehrlich nicht. das sag ich auch nicht, weil ich sein freund bin."
ich glaubte mr. shyguy, obwohl ich bisweilen argwöhnte, dass er das objekt zu sehr mochte, um sich nicht von dessen taktieren und manipulieren einlullen zu lassen.
ich umarmte mr. shyguy.
"danke für alles."
"dafür nicht. ist ja schließlich auch in meinem interesse, dass man irgendwann auch mal wieder was unbeschwert zusammen unternehmen kann."

ich ging zurück zum architekten und unterhielt mich weiter gut, bis ich müde wurde und die schmerzen mit unerwarteter heftigkeit durchbrachen. ich verabschiedete mich rasch vom architekten und suchte dann mr. shyguy, der meinen mantel im auto hatte.

mr. shyguy stand mit dem objekt da und unterhielt sich. ich musste also warten, bis das objekt weg war. ich drehte eine runde, dann entfernte sich das objekt richtung toilette. jetzt aber flott.
mr. shyguy war ein wenig traurig, dass ich nach hause wollte, verstand aber natürlich, dass man mit migräneartigen kopfschmerzen ungern im club herumsteht. er händigte mir den autoschlüssel aus. dann rauschte ich nach draußen.

vor dem eingang stieß ich mit jemandem zusammen. es war das objekt, das aus der herrentoilette gekommen war. oh nein.

ich bleib in schreckstarre stehen und auch das objekt hielt inne. unsere augen trafen sich. dem objekt wich die wenige farbe aus dem gesicht. es wurde aschfahl, während die augenringe scharf und dunkel hervortraten. der blick war grün und schön wie immer, so tief und traurig wie der ozean. die lippen öffneten sich und ich glaubte, die worte sehen zu können, die sich da in der kehle stauten, während außen alles stumm blieb.

drei, vier, vielleicht fünf sekunden währte der moment. dann riss ich mich los und rannte richtung parkplatz. nachdem ich meinen mantel hatte, rief ich mr. shyguy an.
"gibt´s probleme", fragte dieser überrascht.
"es klingt jetzt doof, aber: kannst du bitte deinen schlüssel holen kommen?"
mr. shyguy, der gute, fackelte nicht lange und kam nach draußen. ich streckte ihm den schlüssel hin.
"was ist denn los, du bist ja ganz grün um die nase", grinste mr. shyguy.
"ich hab gerade das objekt getroffen."
"und, hat es was gesagt?"
"nein. es hat nur geguckt."
"und?"
"und jetzt glaub ich dir."
"bist du deshalb nicht mehr rein gekommen?"
"ja."
mr. shyguy seufzte.
"im grunde ist die sache albern. ihr bedeutet einander so viel, und ihr seid euch so ähnlich... wie eine seele in zwei körpern... ihr gehört einfach zusammen."
"ich will aber nicht zusammengehören. außerdem bin ich jetzt mit jemand anderes zusammen."
"das ist doch nicht dein ernst."
"nein. aber ich versuche, es ernst zu meinen. es muss doch mal vorangehen."
"wenn du meinst."
"ich geh jetzt."
"pass auf dich auf."
"mach ich."
mr. shyguy umärmelte mich fest und ich spürte, dass ich in ihm einen echten freund hatte.

und dann ging ich, weil ich auf mich aufpassen und nicht zurücklaufen und dem objekt verzeihen wollte.

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