Sonntag, 10. Juli 2011
overload reloaded
nach abenden wie diesen, nach tagen wie diesem, frage ich mich, woher ich die kraft nehme, das alles auszuhalten. jedenfalls: wieder mal nach hause gegangen mit dem eindruck: das muss ich mir nicht geben.

im grunde müsste ich einmal alle brücken abbrechen.

meine gedanken kreisen immer nur um das falsche, weil spannend, weil emotionskarussell. das richtige, das geradlinige, wird ausgeschlossen, weil langweilig.
überhaupt ist mir viel langweilig. neben der langeweile hat sich wieder das alte heimweh-gefühl eingestellt.
den abend über hatte die chemie das ruder übernommen. stunden später: katzenjammer.

noch ein bisschen im selbstmitleid suhlen, noch ein bisschen weinen. morgen dann arbeiten. sinnvolles tun. plant a tree oder so ähnlich.

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Freitag, 8. Juli 2011
all by myself
nach einem halben jahr ist die küche endlich fertig. wir haben heute:

- ein regal aufgebaut. dabei ist das eine längsteil zerbrochen. war wohl vom transport schon angeditscht, aber man sollte vielleicht beim zusammenschrauben den akkuschrauber auch nicht auf die höchste stufe stellen. das aufstellen hat aber trotzdem geklappt. statik funktioniert auch auf drei standbeinen.

- eine jalousie angebracht. die jalousie habe ich in winterhude während einem umzugs mitgehen lassen, weil gerade keiner guckte und das ding einfach die perfekte größe für mein fenster hat. nachteil: es ist eine holzjalousie. also so ein ding mit ordentlich gewicht. für jedes ende der jalousie braucht man vier schrauben und entsprechend dazu vier dübel. also insgesamt acht gleiche schrauben und acht dübel.
in meiner werkzeugkiste fand ich nur vier unterschiedliche, aber halbwegs passende schrauben sowie vier nicht dazu passende dübel. ich bohrte insgesamt sieben löcher in die decke (treffsicheres augenmaß muss ich noch üben, aber halten sie mal beim anzeichnen ein kiloschweres massivholzding in der einen hand, in der anderen einen bleifstift und strecken sie sich dabei leiterlos in acht-zentimeter-absatz-schuhen gen decke), wobei jede menge getrockneter kuhmist in meine wohnung rieselte. nichtsdestoweniger hält das dilettantische konstrukt bereits seit einigen stunden - powerknete sei dank.

was soll ich sagen? es sieht nett aus. professionell, wenn man nicht weiß, wie´s gemacht wurde.
i am the queen of the universe.

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Donnerstag, 7. Juli 2011
flimmertipp
"the tree" mit der göttlichen charlotte gainsbourg. seichter, populär-metaphysischer plot à la m. night shyamalan mit nicht allzu gänsehautinduzierendem spannungsbogen (es war vielleicht falsch, am vortag "saw VII" zu sehen), dafür aber mit einer großartigen bildsprache und einem soundtrack von grégoire hetzel, der das ohr in bann schlägt.

kann man sozusagen mit geschlossenen augen genießen. außer charlotte, die muss man angucken, immerzu. die frau wird schlichtweg nicht älter (botox? auch du, charlotte?).

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Mittwoch, 6. Juli 2011
lerchenfeld, 26,3 grad am mittag
ein schüler (dritte oder vierte klasse, schätzungsweise) zum anderen:
"das gute an meinem papa ist, dass der mir ganz viel erklären kann."
der andere darauf:
"das gute an meinen eltern ist, dass die nie da sind."

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Sonntag, 3. Juli 2011
the lion´s speech
als ich die objektwohnung betrete, ist alles aufgeräumt und sauber. das objekt selbst stolz wie bolle, den inneren schweinehund überwunden zu haben. es steht noch in jeans und t-shirt da, ist gerade von der spätschicht nach hause gekommen.
"morphine", sagt es zur begrüßung und nimmt mich in die arme. dann greift es hinter sich in die große tasche und zieht eine flasche weißwein heraus.
"hell, so wie du es magst."
ich setze mich an den küchentisch, den rosen und kerzen zieren. das objekt entkorkt die flasche und reicht sie mir.
"ich hab mir gedanken gemacht", setzt es an.
"warum?" frage ich zurück.
das objekt beginnt leicht zu stottern, sammelt sich dann aber und sagt:
"ich habe festgestellt, dass es mir wichtig ist, wie es dir geht und dass ich ein schlechtes gewissen habe, wenn ich mich mal nicht melde oder ich den eindruck habe, dass ich mich wie ein arschloch verhalte, weil es gerade das ist, was ich will... und gleichzeitig weiß ich, dass du alles weißt und mich verstehst, auch wenn ich es nicht erklärt habe. und ich weiß nie... wie ist das für dich, wie nimmst du mich wahr?"
"naja, arschloch sein ist ja definitionssache. arschlochsein ist vielleicht einfach nur ichsein. also im grunde das beste, was du mir antun kannst, weil es bedeutet, dass du mir vertraust."
"fühlst du dich dann nicht verlassen oder nicht gewertschätzt?"
"in den phasen, in denen du wochenlang abwesend bist, mach ich natürlich schon sorgen."
"inwiefern sorgen?"
"zunächst mal darum, wie es dir geht. ich weiß ja, dass du genau wie ich diese einbrüche hast. nur, dass du verschwindest und dich ausschweigst, während ich schreie und blute, im übertragenen sinne gesprochen. aber ich weiß, der schmerz ist derselbe und ich weiß, wie weh du dir da tust, da in deiner ego-isohaft."
"und auf uns bezogen?"
"naja, das natürlich auch. ich habe viele menschen verloren, indem die einfach plötzlich was anderes gemacht haben, woanders neu angefangen haben oder wen kennengelernt haben. ich habe mal eine beste freundin an einen mann verloren, das hat mich monatelang beschäftigt, das war schlimmer als jedes beziehungsende."
"du befürchtest, dass es uns in diesen phasen dann nicht trägt? dass es schwankt und brechen könnte?"
ich zucke die achseln.
"ich fände es halt schade. du bist der mensch in dieser stadt, der mich am besten kennt und der am meisten von mir weiß."
ein stolzes und glückseliges lächeln erhellt die ernste objektmine.
"meinst du, weil du es mir erzählen kannst oder eher, weil du es mir nicht erzählen musst und dich trotzdem verstanden weißt?"
ich muss nicht lange überlegen.
"beides."
das objekt strahlt.
"dito, madame. genauso geht es mir mit dir. du bist... mutter erde für mich. da kann ich kraft draus ziehen und an müden tagen wieder wachsen. gleichzeitig..."
"was?"
"gleichzeitig hab ich den eindruck, dass du das intensivieren möchtest. und merkwürdigerweise will ich das auch... und ich muss mich so unheimlich zurückhalten, es nicht zu wollen."
"weil du dir nicht traust?"
"ja. ich habe in festen beziehungen so viel vermisst... und ich habe diese beiden jobs und meinen sohn und so entsetzlich wenig zeit... und ich merke, ich brauche auch zeit für mich... und ich genieße es so, dass ich auch mal was mit meinen jungs machen kann..."

noch bevor ich zu einer antwort ansetzen kann, klingelt es an der haustür. draußen steht ein fernseher auf zwei beinen.
"hey, wir wollen doch fußball gucken!"
es ist der objektnachbar, der seine flimmerkiste anschleppt, weil das objekt ja so fernsehlos ist wie ich. der nachbar hingegen hat gerade keine drogen mehr und deshalb beim objekt auf den busch geklopft.

das objekt guckt betreten, denn es hat seinen nachbarn und den gemeinsamen fussballabend ganz vergessen.
"wäre das irgendwie okay für dich, mit fußball zu gucken?" fragt es mich schuldbewusst.
"da hab ich überhaupt kein problem damit."
dem objekt fallen sichtbar zwei tonnen steine vom herzen.
der nachbar baut erst den fernseher auf, dann einen joint. ich lehne dankend ab, wohl eingedenk des partiellen kontrollverlustes vom vergangenen freitag, und halte mich an den wein.

nach ende der übertragung springt das objekt dann unter die dusche und macht sich ausgehfertig. mit einer halben flasche rum, zwei bieren, ein paar schlucken wein und drei, vier gemeinschaftsjoints im blut lässt es sich dann die autoschlüssel seines nachbarn aushändigen.
"es regnet, wir fahren."
"sicher, dass du noch fahren kannst?" wage ich einzuwenden.
"du meinst, ob ich schon fahren kann?" grinste das objekt zurück. dann küsst es mich. es schmeckt nach rum, sex und mehr.
"vertrau mich. ich bringe uns da sicher hin."

das objekt hält sein versprechen. es manövriert uns sogar in eine mikro-parklücke, ohne die anderen autos zu streifen. dann greift es sich den schirm zwischen meinen füßen, steigt aus, eilt zur beifahrertür und hält sie mir auf. erst, als wir den club betreten, verpufft die magie und alles ist wie immer: die objektgespielin ist da, die musik mittelprächtig und komische alte geier seibern in mein dekolleté.
ich gehe früh nach hause, mit dem gefühl, ein sehr wertvolles geschenk erhalten zu haben, das ich dennoch nicht behalten kann.

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