Samstag, 25. Juni 2011
klappe zu/auf, die -xte
den ganzen freitag nur darauf gewartet, dass der freitag vergeht. arbeiten, einkaufen, saubermachen.

dann endlich klingelte das telefon und das objekt war dran, wo ich doch eigentlich k. erwartet hätte.
das objekt war noch auf arbeit, müde, aber in the mood für einen gemeinsamen abend. wir verabredeten uns für in einer stunde beim objekt in a. eventuell sollte noch ein freund kommen.
"gehst du dann heute später noch weg?" fragte ich das objekt.
"kommt drauf an, wie viel kraft ich noch habe."
kommt drauf an, wie viele drogen noch in haus waren, übersetzte ich.
"und du?"
"ich weiß auch noch nicht", sagte ich und fühlte meiner stimmung nach, die wie ein zartes spinnennetz in einer ständig auf- und zuschwingenden tür unter einer art flexibler spannung stand. "auf jeden fall brauche ich eine kleine realitätsflucht."
"darf´s auch ein bisschen mehr sein? dann fahr ich noch zur tanke, nachhher."

gegen elf uhr abends kreuzte ich beim objekt auf. es stand noch in jeans und pulli im flur.
"ich bin gerade aus der klinik gekommen", seufzte es.
"überstunden?"
"notfall. einer unserer alkis hatte einen diabetischen schock und ich war ganz alleine mit dem und hatte keine ahnung von der ganzen krankenvorgeschichte. ich hab ihn dann zum glück stabil gekriegt, aber das war echt knapp."
"oh wow. ich glaube, ich wäre durchgedreht."
das objekt schüttelte nur den kopf und schob mich in die küche. feierlich hielt es mir die augen zu und holte etwas aus der tasche.
"und jetzt bitte schnuppern!"
zwischen küchendämpfen roch es zart nach frisch gemähtem heu.
"das ist das beste, was man kriegen kann. eine ganz leichte sorte, die auf unheimlich schöne art und weise die pforten zum unbewussten öffnet."
"also genau das, was ich heute brauchen werde, willst du mir damit sagen."
"genau. und jetzt würde ich zur tanke fahren und uns einen wein holen. was magst du haben?"
"keinen rotwein jedenfalls."
"mir wäre heute nach rose."
"in ordnung. bloß nichts rotes, das würde mir jetzt alles kaputtmachen."
als wir unser kleingeld zusammengeworfen und das objekt sämtliche hosen auf verstreckte groschen ausgeschüttelt hatte, kamen wir zusammen auf sage und schreibe mehr als 25 euro. der abend war gerettet.

während das objekt unterwegs war, schaute ich mich in der küche um, die mal wieder echten objektstyle hatte: unaufgeräumt mit bergen von dreckigem geschirr, das sich über herd und spüle stapelte. weingläser waren auch aus. ich durchwühlte die geschirrstapel nach zweien und wurde fündig. dann sah ich mich nach spüli um. keines da.
ich rief das objekt an.
"lass mal nen euro übrig und kauf noch spüli. du hast keines mehr."
"du spülst doch jetzt nicht etwa bei mir ab!"
"wir brauchen aber gläser."
"wir können auch aus der flasche trinken."
"faulpelz. los, bring spüli mit und nachher machen wir gemeinsam die küche klar schiff."
"aber es ist freitag nacht!"
"eben drum. morgen ist wochenende, dein lütter kommt und dann wollt ihr spielen und du wirst wieder nicht aufräumen und putzen."

zehn minuten später stand das objekt auf der matte mit einer flasche wein, einer flasche wodka und spüli. es reichte mir das spüli und drückte wein und wodka an seine breite brust.
"das ist deins, und das ist meins", grinste es frech.
ich zuckte cool mit den achseln und ließ wasser ins becken.
"hör sofort auf damit", sagte das objekt, "das ist mir jetzt wirklich peinlich. du bist mein gast und nicht meine putzfrau."
"jetzt hab ich schon angefangen."
das objekt schaute mir einige sekunden zu.
"allein, wie du das glas nimmst..."
"was ist damit?"
"du bist so... achtsam, so gründlich... so fein."
dann schob es mich von der spüle weg und nahm mir den lappen aus der hand.
"du machst da drüben weiter", befehligte es mich augenzwinkernd und deutete auf tabak und kräutersammlung. "ich erwarte einen schönen, kerzengeraden joint, der konisch zuläuft und der nicht krümelt."

eine halbe stunde später sah die küche halbwegs ordentlich aus. das objekt hatte sogar den herd geschrubbt, ohne dass ich motivierende worte gesprochen hatte.
"mission erfüllt", bilanzierte ich.
"ja, ich bin fertig", sagte das objekt stolz.
"nee", sagte ich, "ich habe meine mission erfüllt. ich hab den anfang gemacht, weißt du? der anfang, das ist das, was du nicht kannst. aber dann... sieh dir den blitzblanken herd an. du bist genauso gründlich und achtsam wie ich."
das objekt nickte bedächtlich.
"du bist ganz schön clever."
"ich kenn mich halt. und da du in vielerlei hinsicht genau so bist wie ich, muss ich nicht mal groß nachdenken."

dann saßen wir zusammen und rauchten und tranken.
"was ist nun mit party?" fragte mich das objekt.
"ich weiß nicht", sagte ich. "ich bin eigentlich eher für nicht-party." das dope hatte mir die socken ausgezogen, ich schwebte unter einer ich-käseglocke von erinnerungen und emotionen und fühlte mich unkommunikativ und unfeierlich.
"hm", sagte das objekt. "eigentlich spräche nichts dagegen, hier zu bleiben, sich die köpfe wegzuvögeln und nachher zusammen einzuschlafen."
"aber?"
"anderseits habe ich mich die ganze woche auf diese party gefreut."
"dann geh doch. wenn ich gleich keinen bock habe, kann ich doch auch einfach nach hause fahren."
so, und jetzt kam es.
das objekt sah mich fragend an:
"was ist das bloß für eine liebe, deine liebe?!"
ich guckte groß.
"du lässt mich einfach", fuhr das objekt fort. "und du lässt mich so, dass ich das annehmen kann, dass ich mich frei fühle. obwohl dir nach etwas ganz anderem ist, oder?"
es schaute mich durchdringend an. ich zuckte die achseln und guckte an die tapete:
"liebe ist nunmal so. liebe ist, wenn der andere einem mindestens so wichtig ist wie man sich selbst. entsagen, nennt man das, glaub ich."
"ich habe noch nie jemanden erlebt, der so liebt wie du."

über was sprechen wir hier eigentlich, fragte ich mich an dieser stelle. von der theorie des liebens, von mir als psychologischem sonderfall oder von dieser merkwürdigen freundschaft/beziehung?
das objekt schaute mich wieder ernst an:
"morphine, wonach ist dir wirklich?"
glücklicherweise war ich stoned und zugleich schlau genug, dass ich wusste, dass ich jetzt nur das falsche sagen konnte. also hielt ich die klappe, während mich das objekt abwartend ansah.
"weißt du, manchmal muss man auch mal stellung beziehen", sagte es.
was wollte das objekt bloß von mir? dass ich auf die knie falle und ihm einen heiratsantrag machte? oder meinte es das ganz allgemein und ich zermarterte mir gerade vollkommen sinnlos das gehirn?
also schwieg ich weiter und konzentrierte mich auf die strickmuster im objekt-pulli, während meine gedanken ins weltall flogen. das objekt schien immer noch auf eine antwort zu warten.
nach einigen minuten erhob es sich dann.
"ich geh mal ins bad."

kurz darauf tanzte das objekt halbnackt durch die wohnung und fragte mich, was es anziehen solle.
"und die haare? offen oder zusammen?"
"mir egal", sagte ich.
"hey! bezieh doch mal stellung", scherzte das objekt. "oder ist es dir egal, wie ich rumlaufe?"
"dann lass sie doch mal offen."
"sieht das nicht zu pennermäßig aus?"
das objekt hatte leichte naturlocken, die, ähnlich wie meine, sich bei feuchtem wetter zu einem wirren, welligen haufen ballten.
"dann nimm doch mal gummis mit und ich mach dir nachher gegebenenfalls einen pferdeschwanz."
problem gelöst, objekt glücklich.
endlich steckten wir in unseren jacken und waren abmarschbereit. nach einem kleinen wachmacher ging es los.

draußen merkten wir erst, wie stoned wir waren.
"oh", sagte ich, als ich auf dem fahrrad saß. auch das objekt schwankte heftig und hatte schon nach wenigen metern die erste unsanfte begegnung mit einem zaun. wir lachten, bis wir nicht mehr konnten.
"wie willst du fahren", nuschelte das objekt, als es wieder festen sattel unterm arsch hatte, "die romantische oder die schnelle strecke?"
"in diesem zustand die schnelle." ich merkte, dass ich lallte.
auf der max-brauer-allee fiel dem objekt ein, dass es dringend eine rauchen musste:
"aber ohne absteigen!"
es fuhr neben mich und suchte fahrend in meiner tasche nach zigaretten. die lenker kollidierten, das objekt rauschte nach rechts und fuhr in ein schaufenster. die scheibe blieb glücklicherweise heil, aber die alarmanlage ging an.
"sorry, wir klauen nix", rief das objekt ein paar verdutzt dreinschauenden passanten zu.
"da sind die bullen", sagte ich mit blick auf die kreuzung.
wir machten, dass wir weiterkamen.

als wir den club betraten und die treppe hinuntergingen, legte das objekt den arm um mich. so begegnete uns die aktuelle objektgespielin. an die hatte ich gar nicht mehr gedacht. zumindest war jetzt klar, wo ich heute nacht schlafen würde. jedenfalls nicht beim objekt.
die objektgespielin musterte mich keineswegs unfreundlich, aber mit einem gesichtsausdruck, als bestätige ihr unser gemeisames auftauchen eine lang gehegte befürchtung. kein guter start in den abend.

ich tanzte zwei, drei lieder. es war heiß und extrem laut. ich fühlte mich nicht gut. das objekt unterhielt sich mit verschiedenen freunden und bekannten. zweimal kam es auf mich zu und fragte mich, wie es mir gehe. ich blieb bei der wahrheit:
"ich mach´s heute nicht lange."

nach knapp zwei stunden verabschiedete ich mich von den anwesenden und schwang mich aufs rad, jenseits von bewusstsein, aber mit dem merkwürdigen satz im kopf: das muss ich mir jetzt nicht geben. was meinte mein alter ego bloß damit, fragte ich mich, während ich nordwärts fuhr. das kraut, das die pforten zum unbewussten öffnet, würde ich jedenfalls so rasch nicht wieder konsumieren. zumindest nicht in dieser hardcore-kombi.
und als ich die schlafzimmer tür schloss, die vorhänge zu- ud die bettdecke über den kopf zog, war mir klar: ich hatte die richtige entscheidung getroffen. für mich und mein bett. und zwar jetzt.

... link


Freitag, 24. Juni 2011
reminiszenzen
erdbeerlimes erinnert mich an den codeinhaltigen hustensaft aus meiner kindheit, den sie irgendwann vom markt nehmen mussten.

der hang zu harten drogen wurde mir also leidergottes irgendwie anerzogen.

gottseidank bin ich kein contergan-kind.

... link


Donnerstag, 23. Juni 2011
happy.
das trifft es. mit zweieinhalb männern und anderthalb jobs den sommer entern. kleine aussichten, vielleicht berlin, vielleicht mit dem objekt. und mit k. ein festival besuchen, ja, definitiv, weil: k. ist so ein typ für feste zusagen.

diese tage zählen zählen zu den bislang besten, die ich hier in hh jemals hatte. wenn ich jetzt sterben müsste, ich wäre ansatzweise satt.

einziger wermutstropfen: die schwache gesundheit. aber der momentane liftstyle fordert seinen tribut, well.

... link


Sonntag, 19. Juni 2011
k.rass hoch drei
mit der objektexfreundin auf einer privatparty gewesen und nachher gemeinsam in den club gefahren. bis zu schwesterlichen gefühlen dauert es vermutlich noch ein wenig, aber es wird, vor allem, je weniger sich das objekt für die objektexfreundin interessiert.

im club setzte sich plötzlich eine fremde frau zu mir und fragte:
"du bist doch die morphine, oder?"
ich nickte erstaunt.
dann stellte sie sich als k.s exfrau vor. ich bekam einen gewaltigen schreck und befürchtete, sie werde sich gleich mit mir auf dem mädelsklo prügeln gehen. doch sie kam in diplomatischer mission und wollte lediglich die grenzen abstecken.
"ein club kann für zwei frauen, die was mit demselben mann zu tun haben oder auch hatten, schon mal eng werden", meinte sie.
darin musste ich ihr ganz k.-unabhängig unbedingt beipflichten. wir verstanden uns dann aber recht gut und kamen ins gespräch.
"du bist ein toller mensch", sagte sie, als sie sich schließlich erhob, "ich wünsch euch alles gute. mach was draus."

als ich wieder aufblickte, war k., der zuvor noch im selben raum gestanden war, verschwunden. ich fand ihn erst eine gute stunde später wieder vor den toiletten. er schaute mich verletzt an.
"du bist so krass."
"warum?"
"das ist doch horror."
"was denn?"
"du hast dich mit meiner exfrau unterhalten."
"na und? wir haben uns gar nicht geprügelt", wagte ich zu scherzen.
"trotzdem."
die erste ehekrise zog am himmel auf, stellte ich für mich fest.
"dann erzähl doch mal, was daran jetzt so horror war."
"sieh das doch mal aus meiner perspektive."
ich tappte im dunkel und k. war zu breit, um den sachverhalt auf den punkt zu bringen.
dann kam das objekt mit der objektgespielin vorbei, um sich zu verabschieden.
"das beste zum schluss", sagte es und umärmelte mich fest, küsste mich und fasste mir an den arsch.
"viel spaß", erwiderte ich. "fick schön."
das wünschte ich den beiden nicht wirklich, aber ich war ja spezialistin in sachen ein mann und mehrere frauen.

am ende des abends saß ich mit dem dritten zusammen und wir sprachen über das objekt und k.
"k. findet dich unheimlich großartig", meinte der dritte.
"ich weiß nicht, wie ich ihm gegenüber die objektgeschichte thematisieren soll", jammerte ich.
"gar nicht", fand der dritte.
"meinst du?" hakte ich nach. "aber ich würde so gern ehrlich sein. ich weiß auch nicht, was er ohnehin schon ahnt oder weiß."
"ich denke, gar nichts", meinte der dritte. "und das würde ich auch so belassen."
"hm."
"ich weiß, du kannst schweigen", grinste der dritte.
ich grinste zurück.
"ich kann es ja gar nicht oft genug wiederholen", sagte der dritte, "aber das war immer wunderschön mit uns. ich meine, ich liebe meine freundin, aber... irgendwie konnte ich bei dir noch nicht nein sagen."
"ich fand das auch immer ausgesprochen nett - egal in welcher konstellation."
dann schwiegen wir, bis der dritte schließlich vorsichtig fragte:
"hast du nächste woche vielleicht mal zeit?"
"du willst mein leben noch komplizierter machen, hm?"
der dritte lächelte schüchtern:
"ob du es glaubst oder nicht: die frage hat mich eben mut gekostet."
"okay."
"war das jetzt ein ja?"
ich schaute mich um, dann gab ich dem dritten einen kuss auf die wange.
"ich schick dir eine nachricht, okay?"

dann erhob ich mich und suchte k., der sich zwischenzeitlich bei mehreren bieren und schnäpsen wieder beruhigt hatte. ich ließ mich knuddeln. dann nahm k. meine hand.
"wie spät ist es eigentlich?"
"gleich sechs."
"komm, lass uns gehen", lallte er und hakte sich bei mir unter.

während k. gleich betrunken einpennte, lag ich noch lange wach. das objekt drängte sich in meine gedanken und vermengte sich dort unerwünschterweise mit zärtlichen gefühlen, die sich so im dunkel nur schwer abstellen ließen. dann fiel mir der dritte wieder ein und ich gedachte, seinen rat zu befolgen, da der dritte in zwischenmenschlichkeiten meist recht hatte. k. und das objekt würden zwei welten bleiben ud möglichst wenig über einander erfahren. jetzt musste ich nur noch das objekt interviewen, was k. von ihm über unser verhältnis wusste.

... link


Dienstag, 14. Juni 2011
zeitloch II
... und noch mal wow.

kaum wieder gelandet bekam ich gestern eine sms vom objekt. es schickte lediglich eine spätnachts-busverbindung mit den worten "komm, wie du bist". freundlich, aber bestimmt.

also ließ ich meinen koffer stehen, rannte zur bushaltestelle und fuhr gen süden.
"ich bin, wie ich bin", sagte ich dem objekt, das mich schon an der wohnungstür niederknutschte. "sozusagen mit flughafendreck."
das objekt machte eine ausladende geste in richtung badezimmer und holte mir ein handtuch. einen vorteil hatte das multiple liebesleben des objekts ja - es war alles da: haarspangen, nagellack, tampons sowie diverse cremes und deodorant mit vanille-duft. kurzum: ein mädchentraum.
das sagte ich dem objekt auch zum wiederholten male, woraufhin es erwiderte, es sei ja auch ein 50%-mädchen.

danach saß ich in ein überdimensionales handtuch gewickelt in der küche und das objekt drehte einen joint. nach zwei zügen lüpfte es den zipfel meines handtuchs, hob mich hoch und trug mich in sein rotes reich, wo ich aufs bett drapiert und anschließend vom haaransatz bis zu den zehenspitzen mit zarten liebkosungen elektrisiert wurde.
"willkommen", sagte das objekt, als es mit dem berührungsprogramm zu ende war und alle meine nerven vibrierten.

anschließend gab es film, den wir aber nur ein paar minuten durchhielten, bevor wir dann entgültig über einander herfielen.
"ich will mit dir schlafen", sagte das objekt wild und sah mich an wie der löwe die antilope. "ich will das so sehr, dass es mich um den verstand bringt."
das sind exakt die sätze, die frauen hören wollen.
dann verschlang mich der löwe.

als wir das nächste mal auf die uhr sahen, war es halb vier.
"oh mein gott", sagte ich.
"scheiße", sagte das objekt.
ich verbarg das gesicht in den händen.
"meld dich doch krank", schlug das objekt vor. "du bist doch eh nicht gesund."
"das bringt doch nichts."
"ich kann das bezeugen", redete das objekt auf mich ein. "ich sag das auch deiner chefin."
"ich bereue nichts", linste ich zwischen meinen fingern hervor.
das objekt grinste.
"das war auch atemberaubend. du bist mein königlichster besuch."
"schleim nicht rum."
"doch, das ist mein voller ernst."
"dann glaub ich dir das mal."
"ja, das kannste auch. und noch was, es gibt auch was, was ich echt scheiße an dir finde."
ich hielt den atem an.
"was denn?"
"willst du das jetzt wirklich wissen?"
ich nickte.
"es ist aber was schlimmes", sagte das objekt.
ich versuchte cool zu bleiben, obwohl ich nervös wurde.
"ja, was denn?!"
das objekt zögerte und sagte schließlich todernst:
"dass ich mit dir nie meine filme zu ende gucken kann."
und es lachte schallend.

das objekt konnte bis halb neun ausschlafen. spontan beschloss ich, die arbeit nicht zu schwänzen, dafür aber ein bisschen zu spät zu kommen. wenigstens fünf stunden schlaf. das war vernünftig. bringt auch eine bessere arbeitsleistung, redete ich mir ein.

"schlaf auf mir ein", bat mich das objekt. "ich will dich spüren."
ich krabbelte auf den großen, warmen körper.
"du liegst nicht richtig entspannt", kritisierte das objekt meine haltung.
"du bist anstrengend", fand ich.
"du kannst nicht loslassen", stellte das objekt fest.
dann begann es, einige meiner wirbel zu drücken und bestimmte punkte an meinen rippen zu massieren. wenige minuten später merkte ich, wie alle meine muskeln erschlafften und ich eindöste.

dann drehte sich das objekt zur seite und mich mit. ich wachte wieder auf. das objekt löffelte mich und drückte seinen halbsteifen schwanz an meinen po. und schwupp, erwachte die begierde zu neuem leben. das objekt drängelte sich näher an, dann in mich. schließlich siegte aber doch die erschöpfung und wir schlummerten wieder ein.

während das objekt irgendwann richtig fest schlief, lag ich wach. ich war halb unter dem objekt begraben und es war heiß. ich knuffte das objekt. es murmelte im schlaf und drehte sich dann endlich um. juhu, ich war frei.
allerdings wurde es nun kalt. das objekt hatte im umdrehen die gemeinschaftsdecke plus die gästedecke wie einen gordischen knoten um sich geschlungen. ich zerrte an der großen gemeinschaftsdecke. keine chance. 92 kg köstlicher mensch ließen sich nicht verrücken. irgendwie ergatterte ich ein zipfelchen von der gästedecke und konnte wenigstens po und füße wärmen. und endlich, endlich kam der schlaf.

als ich das nächste mal erwachte, zwitscherten bereits die vögel. die sonne schien durch die vorhänge und es war angenehm warm. das objekt hatte sich wieder zu mir gedreht. seine hände schmiegten sich um meine brüste, seine lippen ruhten auf meiner schulter, sein langes haar lag offen und wirr auf dem kissen und duftete zart-vertraut nach kindershampoo. kein softporno-regisseur hätte es besser arrangieren können.

ich rutschte tiefer und fand, was ich suchte. das objekt hatte die augen geschlossen und nur das in den schwanz einströmende blut sagte mir, dass wenigstens der körper schon am erwachen war.
"oh mein gott", stöhnte das objekt irgendwann überraschend und schlug die augen auf. dann wirbelte es herum und wir rutschten vom bett auf das parkett.

die dielen begannen rhythmisch unter uns zu knarren. ich musste lachen. das objekt hielt inne.
"was denn?"
"die nachbarn denken sich jetzt auch ihren teil, oder? nach all dem, was sie die nacht über sicher schon mitgekriegt haben?"
da sprang das objekt auf und schlug die vorhänge zurück. dann riss es die großen fenster auf.
"so", sagte es und stürzte sich wieder auf mich, "von mir aus kann das die ganze welt mitkriegen und all die ungefickten existenzen sollen uns beneiden um das, was wir haben!"

später standen wir im badezimmer und schrubbten einträchtig die zähne.
"ich muss gleich zum bahnhof", nuschelte das objekt. "ich fahr heute zu meiner cousine."
"der bahnhof ist ja auch meine richtung", freute ich mich. "dann können wir zusammen fahren."

gegen halb zehn lümmelten wir in der s-bahn richtung hauptbahnhof und knutschen.
dann tippte uns jemand auf die schulter. fahrkartenkontrolle.
mit schrecken stellte ich fest, dass ich keinen fahrschein hatte. einfach vergessen. in panik starrte ich das objekt an. das objekt, schwarzfahrer aus prinzip, schaute mich an. zwei dumme, derselbe gedanke. und während sich der kontrolleur zu einer älteren dame herabbeugte und deren ticket inspizierte, nahm mich das objekt bei der hand und wir flüchteten durch die sich schließenden türen.

"kommt da wer hinterher", rief mir das objekt zu, während es mich eilig die rolltreppe hinunterzog.
"ich weiß nicht", sagte ich.
wir rannten die straße entlang, durch einen kleinen park, und dann in eine seitenstraße.
"ich glaube, es folgt uns niemand", keuchte das objekt.
"ich hätte beinahe meinen schuh verloren", seufzte ich.
"aschenputtel", lächelte mich das objekt liebevoll an.
"mit dir mach ich was mit", stellte ich fest.
"warum? wärst du sitzengeblieben und hättest dich von dem wichser aufschreiben lassen?"
"ja."
das objekt schüttelte den kopf. dann hob es den blick.
"da drüben ist ein café. sollen wir uns einen kakao kaufen? so anstatt fahrkarte?"

mit pappbechern in den händen schlenderten wir durch den park zurück. das objekt hatte den arm um meine schultern gelegt.
"du evozierst damit voll das pärchen-feeling", konstatierte ich.
"aber ich habe doch eine beziehung mit dir", sagte das objekt im brustton der überzeugung. "nur nicht so ganz im klassischen sinne eben."
ich hielt die luft an.
wir durchschritten einen kleinen pavillon im park. das objekt hielt mich noch immer im arm und intonierte scherzhaft-feierlich den hochzeitsmarsch:
"tamm, ta, tata... tamm, ta, tata..."
dann sah es mich an und grinste:
"fehlen nur der rote teppich und blumen, die geworfen werden."
ich sagte indes nichts. jedes wort wäre fehl am platze gewesen.

am bahnhof brachte ich das objekt noch zum zug. dort umarmte es mich.
"pass auf dich auf."
"dito. wie kommst du jetzt eigentlich ohne fahrschein zu deiner cousine?"
"das hier ist doch so ein doppelstöckiger zug. muss man halt ein bisschen gucken. und wenn der schaffer unten ist, oben sein."
"schlingel."
das objekt grinste jungenhaft-stupsnäsig und gab mir einen abschiedskuss auf die stirn.
"bis nächstes jahr."
ich zeigte ihm den stinkefinger. dann schlossen sich die türen hinter ihm und ich trottete richtung u-bahn.

... link