Samstag, 4. Juni 2011
unfreiwillige wirklichkeiten
am gestrigen abend platzten ein paar illusionen.

die objektexfreundin war überraschend auf dem gestrigen großevent aufgetaucht und hatte das objekt mit der objektgespielin gesichtet. daraufhin musste das objekt farbe bekennen. in einem mehrminütigen gespräch, von dem ich nur überreichliches gestikulieren mitbekam, setzten sich die beiden mit den tatsachen auseinander. dass die objektexfreundin anschließend umgehend die lokation verließ, signalisierte mir, dass das objekt diesmal offenbar nicht gelogen hatte. zugleich war mein verdacht bestätigt, dass die erneute kontaktaufnahme der objektexfreundin nach dem beziehungsaus tatsächlich nur einen grund gehabt hatte, der mit postamouröser freundschaft nichts zu tun hatte.

anschließend diskutierte das objekt längere zeit mit der gespielin, da ihm nach dem abgang der objektexfreundin nicht nach einem gemeinsamen kuschelabend war. schließlich war die objektexfreundin so lange der totale burner gewesen. woraufhin die gespielin trotz altersunentsprechend großer souveränität etwas angefressen war.

eine stunde später nahm das objekt auch mich, die ich mich bis dato aus angst vor weiteren spontanen verwicklungen abseits gehalten hatte, wahr. es kroch betrunken neben mich auf einen barhocker und lallte:
"ich bin so viel und so viele, aber für alle immer zu wenig."
das spielte an auf etwas, was ich dem objekt mal geschrieben hatte: dass ich zu viel sei, zu viel emotion für eine einzelne person, und zugleich eine unheimliche leere, die auch viele gleichzeitig nicht zu füllen vermochten.
dem objekt ging es im grunde ähnlich, nur nahm es sich dabei aus einer anderen perspektive wahr und begriff den mangel nicht als überborderndes bedürfnis und überfluss, sondern als manko.
da ich wusste, wie schrecklich diese momente der persönlichen unzulänglichkeit sind, nahm ich das objekt spontan in den arm. es lehnte sich alkoholschlaff mit vollem gewicht an mich und meinte:
"ach morphine, jetzt fühle ich mich zum ersten mal an diesem abend sicher."

nachdem wir eine weile so da saßen, kamen der dritte und die drittefreundin.
"wir nehmen ihn mit, der ist ja völlig betrunken."
"ich bin aber mit dem rad da", wehrte sich das objekt, "ich muss fahren."
"neenee", sagte der dritte streng. "wir haben doch so was wie verantwortung."
"oooch, ihr seid so ne schatzis", nuschelte das objekt in meine schulter.
dann ärmelten wir das objekt unter.
"mutti links, vaddi rechts", kicherte ich und objekt und dritter lachten, während die drittefreundin schon wieder etwas verständnislos den kopf schüttelte. mit vereinten kräften verfrachteten wir das objekt an die frische luft.
draußen verabschiedete ich die drei.
"ich bleib noch", sagte ich.
"übertreib es nicht", meinte der dritte liebevoll.
"schließlich wollen wir morgen auch noch was machen", fügte die drittefreundin hinzu.

ich blieb nicht mehr lange, sondern beschloss, wachheit und nüchternheit zu nutzen für eine unbeschwerte radtour nach hause.

an der hudtwalckerstraße passierte ich wie immer den kleinen park. dort schläft jede nacht derselbe penner. tagsüber sitzt er immer vor der haspa. er scheint der einzige penner in winterhude zu sein. und irgendwie sieht er gar nicht aus wie ein penner. die haare ordentlich, der bart gestutzt, brille, teuere herrenlederschuhe. wenn er nicht immer da sitzen würde und diese schmutzige reisetasche bei sich hätte, man könnte ihn für einen etwas verwahrlosten lehrer oder abteilungsleiter oder so halten.
er läuft schwerfällig, scheint ein problem mit den knien zu haben. das gesicht ist rot und sonnenverbrannt und trägt einen intelligenten, feinen ausdruck, tagsüber wie auch nachts.

auch heute morgen war der penner wieder da, die mütze trotz der sommerlichen temperaturen tief ins gesicht gezogen. er war wie immer allein.
und ich fragte mich wie so oft, was machen solche menschen in verzweifelten momenten? mit wem sprechen sie über ihre sorgen?
wie immer hielt ich kurz an und sah ihn an, wünschte ihm in gedanken ein gutes aufwachen und versuchte, ihm positive energien rüber auf die parkbank zu schicken. wenn es einen gott gibt, dann möge er bitte gut auf diesen menschen aufpassen. und auf das objekt. und auf den dritten und seine freundin. und auf die objektexfreundin, die gestern sehr traurig gewesen sein muss... ja, und auf mich, wenn denn dann dafür noch zeit bleibt.

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Samstag, 4. Juni 2011
herz-wg
wenn das herz eine wohnung ist
in der die liebe wohnen kann
dann ist meins eine wg
im ständigen kleinkrieg um den küchenplan
und im streit mit dem vermieter.

your hope becomes your second skin
to envelop and protect you
the joys were never undeserved
the greatness hid no doubt


nu abba wieder schluss mit romantisch.

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Donnerstag, 2. Juni 2011
ein vadditag - wie er sein sollte
nach einigem hin und her haben wir es gestern nun doch mal wieder geschafft. morphine meets objekt im semiprivaten rahmen. es geschah dabei etwas, was wir noch nie getan hatten: wir gingen zusammen aus, im schlepptau mr. shyguy, ein schüchterner junger freund des objekts.

im vorfeld ein plausch in der objektküche. da monatsanfang war und wir alle drei knapp aber solide schwarze zahlen schrieben, gab es ein breites schmaus- und rauschangebot, bestehend aus sushi mit ente, martini, whiskey, wein, wodka sowie diversen wachmach-drogen. das objekt erläuterte während des gelages seine aktuelle frauenproblematik und seine befürchtung, dass sich die aktuelle gespielin und die objektexfreundin irgendwann über den weg laufen und dies zum super-gau führen könnte. gleichzeitig hatte es bedenken, dass die objektgespielin heute auf der party anwesend sein und davon ausgehen könnte, dass das objekt sie später mitnähme. nach der zweiten line meinte ich reichlich angesext und übermütig, ist doch egal, dann nehmen wir sie doch wirklich einfach mit - was das objekt natürlich begeisterte.

irgendwann stieg das objekt in seine ausgeh-hosen. beim hochziehen des reißverschlusses gab es allerdings einen lauten ratsch und der reißverschluss hing in fetzen. das objekt machte ein langes gesicht, da dies seine lieblingshose war und die andere ausgeh-hose gerade in der waschmaschine ihre feuchtfröhlichen runden drehte.
"gottseidank haste ja eine frau im haus", meinte mr. shyguy.
"ehrlich? kannst du nähen?" fragte mich das objekt.
"besser als kochen."
"aber du kannst doch gar nicht kochen, sagst du."
"eben. also ich kann ein bisschen nähen. socken stopfen und knöpfe annähen und so kram."
"klasse", fand das objekt und vertraute mir seine heilige beinbekleidung an.
"da kann ich auch nix machen", sagte ich, nachdem ich den zerfetzten reißverschluss sah. "du kannst den reißverschluss nur rausschneiden und einen neuen einsetzen lassen."
"aber ich muss die hose JETZT tragen können", jammerte das objekt.
wir überlegten alle drei.
"näh den hosenstall doch einfach ganz zu", schlug mr. shyguy vor.
"genau!" fand das objekt.
"und was machst du, wenn du auf klo musst?"
"das wird schon gehen", meinte das objekt. "pass auf, ich zieh die hose jetzt mal an und du nähst einfach immer höher, bis sie hält und ich trotzdem noch den schwanz rauskriege."
ich guckte skeptisch.
"und was, wenn du kacken musst?"
"ich muss jetzt aber nicht kacken", meinte das objekt.
"naja, ich meine ja nur. amphetamine können ja sehr verdauungsfördernd wirken, ab und an."
"das ist ein eins-a-stoff", kritisierte mich das objekt.
"ich wollte ja nur drauf hingewiesen haben. waschen werd ich dir die hose nachher jedenfalls nicht auch noch."
"zerbrich dir mal nicht deinen hübschen kopf", entgegnete das objekt.
entschlossen stand es auf und holte sein nähzeug.

dann begann die erste herausforderung: im leichten speed-tremor den faden durchs öhr zu kriegen. am ende fummelten wir zu dritt herum, bis es dann endlich losgehen konnte.
"pass bloß auf, wo du hinstichst", kicherte mr. shyguy.
"merk dir eins", sagte das objekt zu mr. shyguy. "dieser frau kann ich quasi alles anvertrauen."
dann begann ich, das objekt in seine hose zu nähen.
"so, test", sagte ich nach den ersten zentimetern.
"du kannst noch ein bisschen."
ich nähte noch zwei zentimeter weiter.
"warte mal", meinte das objekt und schob die hand in die hose. mit mühe erreichte es, was es suchte.
"näh noch einen zentimeter, bitte."
"ganz sicher??"
"zur sicherheit. ich will nicht entblößt auf der tanzfläche stehen."

endlich waren wir fertig und das objekt schlüpfte zufrieden in sein transparentes hemd.
"machst du mich noch hübsch, so zum vatertag", bettelte das objekt.
ich holte kajal und wimperntusche aus meiner tasche.
"oh toll", jubelte das objekt. "du machst das ja ganz dezent, man sieht kaum, dass ich geschminkt bin. bei mir werden das immer so fette dunkle balken."
"das sieht dann aber auch total schwuchtelig aus."
das objekt schubste mich. ich schubste zurück:
"willst du ärger, pussy?"
"wiebitte - pussy?! soll ich dich mal beißen?!"

gegen zwei uhr brachen wir endlich auf.
"es ist voll spät", sagte mr. shyguy.
"ich hab mich vorhin aber noch nicht nach ausgehen gefühlt", sagte das objekt, das eine erkältung ausbrütete. ich war derweil gespannt, ob die objektgespielin anwesend sein und wie ihr das objekt den geplanten dreier verklickern würde.

zu meiner enttäuschung war es dann zwar sehr voll, allerdings nur mit unbekannten leuten. auch der dritte und die drittefreundin fehlten. nachdem wir ein stündchen getanzt hatten und langsam aber sanft runterkamen, lümmelten wir sehr gechillt im raucherraum herum.
"ich will nach hause", sagte das objekt.
"ich auch", meinte ich.
"dann lasst uns doch aufbrechen", stimmte mr. shyguy zu.
"gut", sagte das objekt. "lasst mich aber mal noch eben auf klo."

das objekt verschwand hinter der silbernen tür. wir warteten. und warteten.
"sag mal, ist das objekt ins klo gefallen oder was", fragte ich irgendwann schon ein bisschen gereizt mr. shyguy.
"keine ahnung", erwiderte der. "vielleicht hat es ja nachgelegt und zu viel dabei erwischt."
"gehst du bitte mal nachsehen", bat ich mr. shyguy.
fünf minuten später kamen beide gemeinsam aus dem klo. das objekt wirkte zerknirscht.
"was ist denn?"
mr. shyguy prustete los: "die hose ist jetzt doch irgendwie zu eng geraten."
"oh nein, dann müssen wir jetzt hier wen um eine schere bitten und die hose aufschneiden."
"spinnst du", meinte das objekt. "ich kann doch nicht mit zerschnippelter hose rumlaufen. wir gehen jetzt nach hause und ich geh später da auf toilette."

mr. shyguy nahm sich ein taxi, das objekt und ich gingen zu fuß. als wir endlich die straße, in der das objekt wohnte, erreichten, waren wir ziemlich alle.
"ich bin müde", seufzte ich und strauchelte. das objekt fing mich auf.
"und ich habe hunger! du nicht?"
"doch, irgendwie schon."
"bestimmt bist du unterzuckert und dir ist deshalb schwindlig."
"ich hab eher zu wenig getrunken."
"dann komm! nichts wie rein", hielt mir das objekt die haustür auf.

zuhause angekommen holte das objekt töpfe und teller heraus.
"kochst du?" fragte ich ungläubig.
"klar."
"jetzt?! um halb sieben uhr morgens?"
"hey, nur was asiatisches. geht ganz schnell."
dann bekam ich einen halben liter apfelsaftschorle.
"austrinken!" befahl mir das objekt.

danach wechselten wir satt und zufrieden ins schlafzimmer über. das objekt zog das hemd aus.
"hilfst du mir mal mit der hose?"
ich holte eine schere und begann, das objekt aus seinen klamotten herauszuschneiden. schließlich stand der mann nackt und schön vor mir und strahlte mich an. allein der anblick bewirkte, dass mir das blut in den unterleib schoss.
"zum niederknien", fand ich.
"dann mach doch", grinste das objekt frech.
"okay, dann gibt es jetzt das vatertagsspecial", sagte ich, manövrierte das objekt richtung bett und verband ihm mit einem halstuch die augen.

später, in postkoitaler schläfrigkeit, zog es mich an sich und hielt mich fest.
"müde?" fragte ich.
"müde?! nein, das ist... das kann man nicht beschreiben. göttliche erschöpfung oder so. "
"dann muss ich ja gar nicht fragen, und schatz, wie war ich."
das objekt kicherte, dann gähnte es in löwenmanier.
"schlafen?" fragte ich.
das objekt sah mich mit grünen raubtieraugen an. dann schüttelte es den kopf.
"was dann?"
"ich will dich so gern noch mal in den arsch ficken."

als wir schließlich zur ruhe kamen, war es gegen neun uhr morgens. das objekt stellte den wecker.
"so gegen eins kommt der kleine."
"das heißt, ich sollte bis dahin was anhaben?"
"wär gut, ja."
"okay."
das objekt sah mich liebevoll an:
"ich glaube, es gibt keinen kerl auf dieser welt, der einen besseren vatertag hatte als ich heute. danke dafür."
"na hör mal, ich bin ja auch auf meine kosten gekommen. und du weißt ja: das wird alles eines tages gegen dich verwendet."
"ich bitte darum", schmunzelte das objekt.
dann schliefen wir ein und hatten tatsächlich eine stunde zeit, bis die kindsmutter anrief und terz machte. vaterfreuden eben.

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Mittwoch, 1. Juni 2011
erotischer kuhklau und kalte hummel
mittagspause ist zeitunglesen-zeit. auf stern online heute einen videolink gesichtet: "die erotischen spiele des ladendiebes".
gedacht: "wow!", und sofort geklickt.
gestutzt: da steht eine junge frau bei kühen. klaut die jetzt die kühe, fragte ich mich irritiert.
noch mal den videotitel gelesen. steht da doch: "die erotische seite des landlebens".
nunja. also doch kein diebstahl. das erklärt aber noch lange nicht die sache mit der erotik und den kühen, meine herren!

später draußen auf dem bürgersteig eine verwirrte hummel aufgelesen. für die kleinen ist es hier ja im schatten echt noch zu kalt. wechselblütersyndrom. hummel mit ins büro genommen und aufgewärmt, dann aus dem fenster fliegen lassen.
der azubi beobachtet mich mit einem grinsen wie es sonst nur junge leute aufsetzen, wenn sie debile senioren beim selbstgespräch begucken.
als ich ihm die dinge der natur erkläre und dass hummeln bei kälte erstarren, lacht er verblüfft: "das hab ich ja noch nie gehört: dass es kalte hummeln gibt!"

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Sonntag, 29. Mai 2011
from lunch to lynch
mit freundlichen grüßen nach vienna.




edit zum montag: heute wollen wa nich. heute ist bauchwehtag. hat mein bauch so beschlossen. modus: weinerlich.

hab heute nacht von meiner mama geträumt. ich war wieder klein, wollte kuscheln kommen auf die couch, wo sie abends immer vor dem fernseher sitzt und k11 guckt, damals wie heute. hab es irgendwie nicht geschafft, weil ich noch duschen, zäneputzen und 30 kleinigkeiten machen musste.
die message: zärtlichkeiten kommen einfach zu kurz in meinem leben. vier umarmungen pro tag soll der mensch angeblich brauchen. das schaff ich nicht mal in einer woche. anderseits: wer schafft das sonst? die besondere einsamkeit der metropolen.

mein verehrer hat auch wieder abstand genommen. ich kann´s ihm nicht verdenken, ich bin auch schon an mir gescheitert.

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