Sonntag, 15. Mai 2011
party mit hindernissen
weil das objekt und der dritte ihren männerabend (saufen und spielen) hatten, nahm ich mich der drittenfreundin an und wir machten mädelsabend (saufen und reden). später dann party für alle, lautete der plan.

die drittefreudin leidet derzeit unter den ersten "eheproblemen". der dritte sei faul und schlampig, beschwerte sie sich, und seile sich immer mehr ab, so wie auch heute. ich fand, das hörte sich gar nicht gut an, sagte aber nichts.

gegen mitternacht holten uns die männer dann aus der kneipe. das objekt war stark angetrunken, nahm mich erst in, dann auf den arm und schwenkte mich herum wie ein kind. dann mussten wir alle noch mal zum objekt nach hause, weil es noch geld holen musste. es bestand darauf, dass wir mit dem taxi zur party und auch wieder zurück fuhren. der hintergedanke dabei war leicht zu erahnen: das taxi gab dem objekt die möglichkeit, sich bis zur gehunfähigkeit weiter zu betrinken.

es folgte eine lustige taxifahrt, auf der ständig wer das fenster öffnete und ankündigte, sich gleich übergeben zu müssen. dem taxifahrer saß der angstschweiß im nacken. dann kamen das objekt und der dritte auf deutschunterrricht zu sprechen und das objekt erzählte erstmals recht frank und frei von seiner zeit im heim für schwererziehbare. bei gelegenheit muss ich unbedingt mal fragen, warum es dort gelandet war, denn über das objekt zu schulzeiten wusste ich noch recht wenig, nur, dass es leistungssportler gewesen war und ein recht passables abitur gemacht hatte.

auf der party selbst war es dann ein bisschen langweilig. der dritte ging auf distanz zur drittenfreundin, die daraufhin deprimiert und angesäuert an meiner seite hing und emotionalen zuspruch brauchte. ich riet ihr, die distanz einzuhalten und zu versuchen, alleine auf ihre kosten zu kommen.
"flirte ein bisschen, tanze und amüsier dich", sagte ich ihr.
doch die drittefreundin hatte angst vor der konkurrenz und behielt den dritten ständig im auge. so ging sie ihm vermutlich noch mehr auf den keks. alles endete damit, dass sich die beiden irgendwann übelst anmachten. ich stand betreten dabei, das objekt grinste vor sich hin, umschlang mich und gab dann lallend und laut singend den bekannten spruch mit den fotzen und der mutti zum besten. wodurch, wie sie vielleicht ahnen, der abend nicht unbedingt an harmonie gewann.

später saßen das objekt und ich dann im rauchatrium und es entschuldigte sich bei mir für sein verhalten sowie sein allgemeines arschloch-machogehabe. es zog alle register, schmeichelte mir und küsste mich. dann verkündete es, es wolle nun auf klo gehen und sich was reinziehen. mit diesen worten verschwand es spurlos.

der dritte und die drittefreundin hatten die schnauze voll, von den objekt-eskapaden, vom streiten und von der mittelmäßigen party. sie verabschiedeten sich und sahen sich nach dem objekt um, das aber verschollen blieb. wir suchten noch eine weile, doch dann gaben wir auf.
"ich hoffe, es ist nichts passiert", sorgte sich der dritte.
"er hatte ja schon so viel getrunken, wenn er da jetzt noch was draufschmeißt... nicht gut für den kreislauf", stimmte ich zu.
"vielleicht ist es bloß spontan mit einem typen mitgegangen... das macht es nämlich manchmal", meinte der dritte.
"aber es hatte doch mit gar niemandem gesprochen... es hing doch schon die ganze zeit besoffen herum und war dann zuletzt mit mir rauchen."
die drittefreundin, der die allüren des objekts am meisten auf den keks gingen, zuckte die achseln, während der dritte weiter beunruhigt dreinschaute. dann zog das verkrachte paar unverabschiedeter dinge vondannen.

ich lehnte daraufhin eine weile in einer ecke und fühlte mich alleingelassen. als ich noch eine suchrunde dreht, stand da auf einmal ein mann vor mir, der dem cabman stark ähnelte. ich hatte ihn noch nie auf einer anderen party gesehen. ich war so perplex, dass ich ihn regelrecht anstarrte. er starrte zurück. und dann ging es auch schon los.

er kam auf mich zu und sprach mich an:
"ich bin nicht gut in solchen situationen... aber ich kann jetzt auch nicht anders... ich finde dich ganz hinreißend."
olalala. jetzt wurde der abend doch noch spannend.
wir unterhielten uns eine kurze weile sehr gut über beziehungen und gecrashte erwartungen und mussten ob unserer desillusioniertheit mehrmals grinsen. da hatten sich ja die beiden richtigen gefunden. lernen sich kennen und sprechen als erstes darüber, warum ein kennenlernen ganz sinnlos sei.
plötzlich stand eine rothaarige frau neben dem typen.
"kommst du", sagte sie.
der typ guckte betreten.
oh nein, dachte ich, jetzt schlittere ich schon wieder in so eine zweitfrauengeschichte hinein.
doch dann sagte der typ:
"einen moment."
gut. wäre es seine frau, würde er das nicht sagen.
er schaute mich fragend an, ich schaute fragend zurück, da ich angestrengt grübelte, ob ich im meine nummer aufs auge drücken sollte. er war mir sympathisch und er war anziehend, und aus dem kurzen gespräch hatte ich den angenehmen eindruck gewonnen, dass er bodenständige und nicht allzu romantische beziehungsansichten hatte. anderseits wollte ich nicht vorschnell handeln. ich hatte noch selten jemandem nach zehn minuten des gesprächs meine nummer gegeben. aber dann: warum denn nicht?
dann sagten wir synchron:
"sollen wir mal nummern tauschen?"

die rothaarige frau verzog sich. beleidigt, wie mir schien. das war jedenfalls schon mal nicht der beginn einer wunderbaren freundschaft. die hamburger frauen konnten mich nicht leiden, stellte ich immer wieder fest. es mochten mich offenbar nur immer die, die mich gar nicht leiden können sollten - so wie die drittefreundin. ich glaube, an diesem abend beschloss ich auch, die drittesache bis auf weiteres ruhen zu lassen. die verschränkungen der geschichten wurden zu eng und ich war jetzt sowas wie die große schwester der drittenfreundin.

mein verehrer tippte meine nummer in sein handy und rief mich dann kurz an, um mir seine nummer durchzugeben. dann verabschiedeten wir uns. er gab mir einen leichten kuss auf die wange.
"du riechst unwahrscheinlich gut", meinte er. dann war er weg.

auf dem weg zur und dann in der u-bahn sammelte ich noch einmal zwei telefonnummern ein. die würde ich zwar garantiert nie benutzen, aber es war doch schön, mal wieder zu erfahren, welche wirkung ein kurzer rock und hohe stiefel hatten.

insofern ein angenehmer abend in summe. besonders schön wäre nun zu erfahren, ob das objekt überlebt hatte. ebenso nett wäre es, wenn sich der typ melden würde. ja, doch, den würde ich gern wiedersehen.

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Samstag, 14. Mai 2011
eros + er
so. k. und das objekt waren also mal ein paar.

und ich bin mal wieder platt.

und zugleich denk ich: da geht doch noch was!

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Donnerstag, 12. Mai 2011
chaos, delight and chaos again
die objektgeschichte ist wie ein galoppierendes pferd, das unerwartet wild ausschlägt und mich dabei immer empfindlich in die magengrube trifft. pferdefußreich eben.

gestern nachmittag, nachdem keine objektseitige absage kam, machte ich mich radelnderweise auf den weg nach a. ich war eine halbe stunde zu spät, doch als ich ankam, war noch keine spur vom objekt zu sehen. ich wusste, es war draußen unterwegs. ich ärgerte mich kurz, dann rief ich an und erwartete die mailbox. aber das objekt schien das handy gerade zwischen den fingern zu halten. zwischen lauten atemzügen erfuhr ich, dass es gerade an der araltankstelle war, weil es keine milch mehr hatte. es war 17 uhr, alle läden hatten geöffnet, aber das überschuldete objekt kaufte an der tanke ein. nun gut. ich bekam magenkrämpfe und betete, es möge keine schlange an der kasse sein, damit das objekt nicht in versuchung geriet, den spirituosenstand genauer zu betrachten.

da die haustür offenstand, setzte ich mich ins kühle treppenhaus und wartete. bei betrachtung meiner umgebung fiel mir auf, dass das ganze haus objektcharm hatte: alt, verschnörkelt, stilbruchreich und ziemlich verkommen. im hausflur lag müll und baustellenschutt, die fenster waren fast undurchsichtig schmutzig und die fliesen sprangen von den wänden. ich mochte es hier, weil es passte. im grunde durfte das objekt gar nirgendwo anders wohnen.

drei minuten hatte das objekt gesagt. die araltanke war am anderen ende der straße, ich rechnete daher eher mit fünf minuten, auch wenn das objekt ja sportlich unterwegs war.
fünf minuten vergingen. dann zehn. ich bekam einen kalten arsch auf den stufen. verdammt, wo blieb das objekt?
nebenan öffnete sich eine tür und eine verwirrt dreinschauende alte frau starrte mich an. die dachte sich wahrscheinlich auch ihren teil, falls sie die mädelsfluktuation hier mitbekam. mich beäugte sie ganz unverhohlen neugierig, als wolle sie mich in den objektharem einordnen. ich grüßte freundlich. dann sprach sie mich an:
"ist der junge herr noch nicht wieder da?"
"nein, warum?"
"der wollte mir doch medikamente vorbeibringen."
meine alarmglocken schrillten. aber das objekt war sicherlich nur eben für die alte dame in der apotheke gewesen, redete ich mir ein. vielleicht dauerte es deshalb alles so lange.

nach fast 20 minuten schepperte endlich die haustür und ich erkannte die eiligen, festen schritte des objekts. dann stand es vor mir, gesicht und hände schwarz, die kleidung zerrissen, aber der ganze mensch darunter strahlte mir entgegen.
"oh, wie schön, ich hab besuch... ich war schon den ganzen tag richtig aufgeregt."
ich zeigte dem objekt gleich mehrere vögel. dann versuchte ich, einen blick in seine augen zu erhaschen, um den pegel festzustellen. spannend: das objekt schien nüchtern zu sein.
"was hast du denn angestellt?" fragte ich und deutete mit dem kinn auf dreck und löcher.
"ich hab mein fahrrad repariert. ich war vorhin in dem kleinen laden... und ich hab dir was mitgebracht!"
es hielt mir eine packung bremsklötze vor die nase.
"du hattest doch mal gesagt, deine seien runter?"
ich staunte. das waren ja mal wieder objektsonnenseiten. naja, nicht einlullen lassen, dachte ich mir.
zehn minuten später kniete ich neben meinem rad wie ein schulkind und wurde frauengerecht und geduldig technisch aufgeklärt. danach konnte mein rad wieder bremsen und ich war happy.

anschließend erklommen das objekt und ich schulter an schulter die treppen und betraten die objektwohnung. im flur hielt mir das objekt die augen zu:
"liebe, liebe morphine, du darfst dich jetzt nicht erschrecken. aber meine wohnung sieht wild aus, ich habe ganz lange nicht mehr geputzt."
"ach was", sagte ich cool, "bei mir ist auch grad nicht so aufgeräumt."
"aber du bist so ein reiner und ordentlicher mensch, glaub mir, deine wohnung KÖNNTE gar nie so aussehen."
vorsichtig nahm das objekt seine hände aus meinem gesicht. ich blinzelte wie eine eule und sah mich dann um.
nunja, das objekt hatte nicht untertrieben. wild war ein mildes attribut für den zustand der wohnküche. völlig verwahrlost hätte es besser getroffen. dicke wollmäuse in allen ecken, der boden voller müll und tabak, ebenso der tisch. nur der herd war wie immer auf hochglanz gewienert. klar, kochen war ja auch des objekts heiligstes hobby.
"ich muss ganz dringend duschen, süße", sagte das objekt. "ich stinke. setz dich doch solange. hier, dreh dir doch eben eine zigarette... es ist auch noch apfelsaft da... und kaffee... und jetzt auch wieder milch, wenn du welche möchtest."
das objekt zog sich aus und rannte dann nackt durch die zimmer der fast vorhanglosen wohnung, um ein frisches handtuch und ein sauberes hemd zu finden. zwischendurch befüllte es die waschmaschine. ich starrte derweil angestrengt auf die tischplatte und ihre reichliche mülldeko. erst, als das wasser rauschte, wagte ich wieder aufzublicken.

als das objekt wieder aus dem badezimmer kam, trug es höflichkeitshalber wenigstens eine hose. dann kam es an den tisch und fragte:
"sooo... wonach ist dir? hast du appetit?"
"du bist und bleibst ein ferkel", sagte ich, die zweideutigkeit der frage durchschauend.
"manchmal finde ich es ja schade, dass man dir nichts vormachen kann", erwiderte das objekt, ertappt lächelnd.

als wir gemeinsam den kühlschrank inspizierten und das objekt menuvorschläge machte, rumpelte es in der wohnung nebenan.
"ist das deine nachbarin?"
"oh gott, ja."
"die hat mich vorhin nach medikamenten gefragt."
"ja, das kann sein. die ist epileptikerin. heute geht es ihr gar nicht gut... sie hat wahnsinnige angst, dass sie heute einen anfall bekommt."
das objekt zögerte, dann richtete es sich auf.
"ich geh mal rüber und schau nach ihr."

das objekt verschwand für eine weile, dann kam es wieder herein und ließ die tür offen.
"sie hat ihre auch auf gelassen, damit ich im notfall schnell drin bin."
"und wie geht es jetzt weiter? sollen wir einen arzt rufen?"
"nee", sagte das objekt. "wichtig ist jetzt erstmal, dass sie sich beruhigt und sich nicht alleine fühlt. vielleicht können wir den anfall ja so abwenden."
"wann kann man denn abschätzen, ob so ein anfall eintritt?"
das objekt schaute auf die uhr und überlegte:
"in diesem zustand... in 45 minuten, würde ich sagen. vielleicht auch 60."
das objekt war ganz in seinem element. wenn man es so erlebte, ahnte man nicht, dass hinter dieser schale von ruhiger souveränität, fachlicher selbstsicherheit und liebevoller fürsorge abgründe von verwirrung und haltlosigkeit tobten. die einzigen anzeichen, an denen man festmachen konnte, dass sich das objekt ernsthaft sorgte, waren die ungeheure innere gesammeltheit und der blick, der zwischen tür, uhr und fachbücherregal hin- und herschweifte.

ich fühlte mich dumm und plump und kam mir unwichtig vor.
"sollen wir sie vielleicht einfach hier rüberholen", schlug ich verzweifelt vor. "damit sie nicht allein ist."
das objekt sah mich verblüfft an.
"das würdest du tun wollen?"
"naja, wenn´s denn hilft?! und wenn was passiert, dann ist sie eh da und wir können gleich den notarzt oder so rufen."
"du bist so großartig", sagte das objekt. "du bist mein besuch, du sitzt hier rum und musst auf mich warten, ich bin gar nicht richtig für dich da und dann sagst du sowas."
ich zuckte die achseln. das würde ja wohl jeder so machen.
"dann geh doch mal rüber und sprich mit ihr. ich denke nicht, dass sie rüberkommen will, dazu kenne ich sie zu gut. vielleicht möchte sie aber, dass du bei ihr bleibst."
jetzt rutschte mir das herz in die hose.
"ähm... aber ich habe keine ahnung von epilepsie! ich kenn das nur aus dem fernsehen, ich würde bestimmt das falsche im falschen moment tun und alles schlimmer machen."
"hm", meinte das objekt. "ich würde dich nicht fragen, wenn ich´s dir nicht zutrauen würde. aber du musst es dir in erster linie natürlich selber zutrauen."
"aber die kennt mich gar nicht! wenn ich kurz vor einem anfall stehen würde, wäre eine fremde person in meiner wohnung das letzte, was ich wollen würde."
das objekt sah mich an:
"du, das war kein muss oder so. nur eine chance, dich vielleicht selber auch besser kennenzulernen."
mir war allerdings nicht nach neuer selbsterfahrung, ich war ohnehin schon angespannt genug, weil ich mich gegen die objektpheromone wehren musste.

drückende 45 minunten verstrichen, in denen das objekt mehrmals nach nebenan schaute. einmal kam es hereingerannt und begann, in seiner drogenkiste zu kramen.
"was machst du denn da?" rief ich mit blick auf die tabletten in seiner hand
"das ist ein angstlöser", erklärte das objekt.
"hast du das aus der klinik geklaut", mutmaßte ich.
"mann! das ist eine notfallration für einen meiner patienten! und das muss ich morgen natürlich auch melden!"
das objekt stürmte wieder aus der wohnung und nach nebenan.

ich konnte mich derweil meiner neugier nicht erwehren und öffnete den deckel der geheimnisvollen kiste. obenauf lag ein sehr süßes foto vom objektsohnemann. darunter fand ich etwas graues tablettenförmiges, vermutlich mdma. daneben lag etwas, das in ein taschentuch gewickelt war. ich guckte, ob die luft rein war, dann faltete ich das tuch vorsichtig auseinander. drinnen befand sich ein tütchen mit bräunlichen krümeln. wegen der farbe und der konsistenz dachte ich sofort an heroin. ich bekam wacklige knie und mir wurde schlecht. ich hatte es ja insgeheim vermutet. aber vielleicht war auch kein heroin, sondern nur ein anderes amphetamin oder crack. andererseits sagte das objekt immer von sich, dass es ein totaler downer-typ sei. warum also sollte es solche mengen partydrogen bunkern?

fragen über fragen über fragen. dann hörte ich geräusche auf dem flur. das objekt redete beruhigend auf jemanden ein. dann kam es in die wohnung zurück.
"so, ich glaube, jetzt passiert nichts mehr", verkündete es freudig.
ich lächelte verkrampft.
dann stellte sich das objekt an den herd. es gab spargel und zum nachtisch selbstgebackene waffeln.
anschließend tranken wir wein. vorsichtig sondierte ich den ist-seelenzustand des objekts. der schien gut. es lachte viel und erzählte viel aus seiner kindheit. dann kamen wir auf das thema frauen. ich kam auf die letzten wochen und den wilden wechselhaften wildwechsel zu sprechen, anschließend auf sehnsucht und sucht. dem thema drogen wich das objekt allerdings konstant aus. keine chance, es darauf festzunageln oder direkte fragen zu stellen. ich erfuhr stattdessen, dass die aktuelle gespielin dem objekt auf die nerven fiel. stattdessen vermisste es dann und wann die objektexfreundin, mit der aber definitiv schluss sei. dann tat das objekt etwas ungewöhnliches und las mir alte post vor, die aus der zeit mit der objektsohnemann-kindsmutter stammte.
irgendwann hielt es inne und meinte:
"das ist so ein komisches gefühl, dir das alles zu erzählen."
"kann ich mir vorstellen."
dann sah mich das objekt liebevoll an:
"es ist schön, dass du da bist. danke."
"de nada."

es wurde zeit schlafen zu gehen. als ich im bad stand und zähne putzte, fiel mir auf, dass das objekt nicht bekifft war. normalerweise war es nüchtern nicht mal ins bett zu bringen. den beunruhigenden fund im hinterkopf wusste ich nicht, ob das ein gutes zeichen war oder nicht.

im bett war dann alles anders als sonst. anstatt sich sofort in die horizontale zu begeben, saß das objekt kerzengerade in den kissen. wir unterhielten uns weiter über film und musik. damit hatte ich das objekt ja reichlich beschenkt und begeistert.
"alles, was ich von dir habe, sind dinge, die ich immer wieder hören und sehen will. da ist ein strahlen drin, das ist was besonderes."
"naja, es ist halt nicht so 0815. dj ötzi kannste von mir nicht erwarten."
das objekt lachte schon wieder.
"du musst dir aber auch mal hin und wieder leichte kost gönnen."
"wie meinst du das?"
"das, was du magst, hat alles soviel tiefe und bedeutung, das ist alles so wie du eben auch bist. du musst aber vielleicht auch hin und wieder mal ausbrechen, du erdrückst dich sonst irgendwann."
"kannst du mit recht haben."

dann rutschte das objekt tiefer.
"magst du in den arm kommen?"
ich mochte.
das objekt umschlang mich und vergrub sein gesicht in meinem nacken, wo es zu schnuppern begann.
"hm...hmmm.... hmmmmmm!"
dann suchte es meine hand und nahm sie in seine beiden.
"du bist heute aber extrem kuschlig", stellte ich fest.
"ja", sagte das objekt. es hielt ganz still und schupperte weiter, während es sachte mein handgelenk streichelte.
"deine haare riechen so gut."
"haarspray", murmelte ich schlaftrunken.
"ich will, dass du zuerst einschläfst", sagte das objekt dann. "ich finde das enorm beruhigend."
"kann ich nicht versprechen. du bist normalerweise schneller."
das lag unter anderem daran, dass das objekt nur bei licht und musik einschlafen konnte, während in meinem fall beides sichere mittel waren, um mich garantiert von der nachtruhe abzuhalten. für mich hängte das objekt immer schwarze tücher über die lampe, um das licht zu dimmen und stellte die musik auf eine ganz niedrige lautstärke, aber ich brauchte es stockfinster und totenstill.

so lagen wir da und belauerten uns, wer zuerst einschlafen würde. doch irgendwann saßen wir beide kerzengerade im bett und sahen einander an.
"ich kann nicht schlafen, ich bin total wach", sagte ich.
"ich auch", erwiderte das objekt. "wie spät ist es denn?"
ich linste auf mein handy.
"kurz nach drei."
"oh mein gott."
"wann musst du eigentlich raus?"
"halb sechs."
"oh mein gott."
dann mussten wir lachen.

und irgendwann schlief ich dann doch ein, während mich das objekt im arm hielt und mir zusah. ich träumte wild und wirr, bis ein wecker klingelte und das objekt laut aufstöhnte. nach dreimaliger aktivierung der schlummerfunktion und meiner drohung, den wecker und das handy zusammen aus dem fenster zu schmeißen, hatte das objekt ein einsehen und rappelte sich auf.
nachdem es zähne geputzt hatte, saß es angezogen auf der bettkante und stupste mich an. ich zog es an mich und hielt es fest, während es seine wange auf meine legte und mir dann einen kuss gab.
"das war sehr schön", flüsterte es. "das sollten wir öfter machen."
"dann vergiss mich nicht immer", sagte ich.
"ich weiß."
"kifferlangzeitschaden", rutschte mir heraus.
"hab ich mir auch schon gedacht", erwiderte das objekt zu meiner überraschung ganz ruhig.
"und sonst so?"
"was und sonst so?"
"naja, was begeistert dich sonst gerade so? gestern hast du ja nicht mal gekifft."
"achso, nichts weiter."
lüge, schoss mir durch den kopf. aber meine vorlage war auch nicht besonders brilliant gewesen. klar war, dass ich es anders angehen musste. und ich wusste auch schon wie. aber das musste ich ganz genau planen.

das objekt drückte und küsste mich noch einmal, dann erhob es sich schwerfällig.
"schlummer doch noch ein bisschen."
dann ging es aus dem zimmer. und ich war allein mit meinen gedanken.

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Mittwoch, 11. Mai 2011
today is the day
hyperventilationsalarm.

beruflich.
aber auch privat.

das objekt hat tatsächlich angerufen. in vier stunden haben wir ein date. dafür lagert es sogar den lütten zur kindsmutter aus, was es bislang noch nie gemacht hat.
gerade hat es sogar noch mal angerufen. um mir zu sagen, dass es sich auf mich freut.

oh mann. 180-grad-schwenk.

ich glaub das aber alles erst, wenn ich heute abend in a. bin. beim objekt weiß ich ja leider, dass es je nach persölichem pegel auch in letzter minute noch alles kippen kann.

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haustierchenpläsierchen
ich bin ein wahnsinnig tierlieber mensch, dachte ich immer. ich habe ein faible für katzen und enten. ich kann sogar spinnen gut ab. aber meinem neuen haustier trachte ich nach dem leben.

es ist hässlich.
es ist laut.
es ist eine stubenfliege.

und ICH KANN SO NICHT ARBEITEN.

licht aus. es surrt.
licht an. es surrt.
dabei imitiert die fliege tonlagentechnisch eine wespe, weshalb ich zunächst einen heidenrespekt hatte, das zimmer, aus dem jeweils der krach kam, zu betreten. unverschämt, mich so hinters licht zu führen.

seit nunmehr 48 stunden okkupiert das monster meine wohnung. ich hatte zunächst gehofft, das erledige sich von selbst, vonwegen eintagsfliege und so. mitnichten!
entweder das mit der eintagsfliege ist so ein scheißmärchen wie das vom eisen im spinat, von dem poppey seine muskeln kriegt, oder die fliege reinkarniert. ich vermute fast, mein kühlschrank, das bevorzugtes anschwirrobjekt (licht + lecker gammelgemüse), ist eine art zeitmaschine für stubenfliegen. anti-aging per kühlung oder so. ötzi hat es einst vorgemacht und lebt jetzt unter dem namen dr. werner mang weiter.

jedenfalls ist der stubenfliege nicht beizukommen. ich wollte sie zunächst friedlich ins exil schicken, doch sie kennt alle tricks illegaler einwanderer, bei denen die grenzbeamte blöd schauen. dann war meine diplomatische phase vorbei und ich versuchte das vieh zu erschlagen. doch es ist verdammt schnell. so schnell, dass man es nicht mal schwirren sieht. vermute, es hat an meinen geheimen doping-vorräten genascht. also lauerte ich es mit meiner haarspraydose in der hand auf. nachdem das haarpray versagte, nahm ich dann haarlack. aber ich hätte wohl auch sekundenkleber sprühen können und es hätte nichts genutzt. das tier hat einen überlebenswillen, der nicht von dieser welt ist.

kurzum: ich habe es nun jehova getauft.
vielleicht kommt wer zum steinigen vorbei.

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Sonntag, 8. Mai 2011
jojo-effekte
gestern mit dem architekten im club verabredet gewesen. wir trafen uns an der bar. er begrüßte mich sehr herzlich, dann orderte ich uns ein bier.
ich fragte nach meinen schwiegereltern in spe. der architekt war nämlich bei mama ud papa gewesen, hatte sich dort ein festliches mittagessen gegönnt und ein wenig familienleben genossen.
"die sind so nett, die freuen sich immer so, wenn ich mal da bin, dass sie sich ganz große mühe mit allem geben."
"das kenne ich von meinen", erwiderte ich. "die sind auch immer ganz süß und alle meine marotten werden beinahe kommentarlos toleriert."

leider war der architekt an diesem abend völlig übermüdet. er sprach irgendwann kaum mehr ein wort. wenn autisten müde oder gestresst sind, erfuhr ich, werden soziale herausforderungen wie ganz normale gespräche zur extrembelastung. ich sagte, hey, dann lass uns zusammen schweigen. der architekt fand das ganz bezaubernd.
"normalerweise muss ich mich in solchen situationen immer endlos erklären, das nervt mich total."
"ich bin da ganz easy. außerdem heiraten wir bald, da kann ich doch nicht schon jetzt zicken machen."
der architekt schmunzelte und sah mich herzzerfetzend freundlich an.

das objekt hatte ich gar nicht bemerkt. ich registrierte es erst, als ich mich, einen aschenbecher suchend, auf dem barhocker umdrehte. es war offenbar die ganze zeit schon dagesessen und hatte mir in den rücken gestarrt.
ich erschrak mich richtiggehend. das lag jedoch nicht nur am überraschungsmoment, sondern auch daran, wie das objekt aussah: dünn, tiefe dunkle augenringe im blassen gesicht, wirres haar, nachlässig zu einem pferdeschwanz gebunden, sehr ernst, geradezu traurig der gesichtsausdruck.
ich stammelte "hi", dann drehte ich mich schnell wieder um und war sehr froh, dass ich nicht alleine da saß. solange der architekt um mich herum war, würde das objekt auch nichts zu mir sagen, da war ich sicher. schließlich brauchte ich jetzt erstmal bedenkzeit.

dummerweise wollte der architekt aber schon gleich gehen:
"ich bin ja mit dem auto da, ich fahr nicht so gerne, wenn ich so extrem müde bin."
ich hatte ein einsehen und brachte den architekten zum ausgang.
dann überlegte ich, ob ich zurück in den barraum gehen sollte. aber ich musste, weil mein bier noch da stand und ich vermeiden wollte, dass die manchmal etwas übereifrige crew das gleich wegräumte.

als ich mein bier holte, stand das objekt zusammen mit k. da. ich bekam sofort einen doppelten adrenalinstoß. von der verkrachten objektsituation mal abgesehen war es ja nun auch schon wieder todspannend, wie k. reagieren würde.
ich schnappte mir meine flasche und lehnte mich lässig an eine wand, wo ich die beiden gut im blick hatte. während k. redete, nickte das objekt zerstreut und schaute immer wieder zu mir herüber. schließlich löste es sich aus sich der gesprächssituation und kam tatsächlich auf mich zu.
dann standen wir voreinander, ich defensiv, die arme vor der brust verschränkt, das objekt unsicher und verhalten, bis es dann den schritt auf mich zumachte, mich in den arm nahm und meinen namen in mein ohr sagte.

ich konnte die umarmung nicht erwidern, dazu war zu viel in mir passiert. das objekt merkte das sofort und ließ mich los.
dann sagte es:
"ich hab die botschaft schon richtig verstanden."
"und?"
in der erwartung erneuter distanz und entgültiger vernichtung zog ich den kopf ein.
doch dann sagte das objekt:
"lass uns nächste woche treffen."
ich blinzelte misstrauisch.
"ich ruf dich auch an, wirklich", schob das objekt nach.
"soso", sagte ich ungläubig, wenn auch positiv überrascht, dass es überhaupt noch eine objektseitige bereitschaft gab, den kontakt zu reanimieren.

dann tauchte k. hinter dem objekt auf und schielte ihm über die schulter. unsere blicke trafen sich und - jetzt halten sie sich fest - k. kann lächeln! und zwar so richtig, also nicht nur so ein zucken der mundwinkel!
das objekt schnallte sofort, was los war, grinste amüsiert zwischen k. und mir hin und her und verdrückte sich. k. stand noch zwei millisekunden bei mir, dann dackelte er dem objekt hinterher. naja. man kann nicht alles haben. klar.

nach einigen minuten entschloss ich mich, ebenfalls mal den raum zu wechseln und tanzen zu gehen. neben der tanzfläche standen k. und das objekt. sie guckten zu mir und unterhielten sich ganz offensichtlich über mich. dann bewegte sich k. wieder in meiner nähe und mein adrenalinspiegel stieg von neuem an. verschrobene menschen sind aber auch einfach zu spannend!

k. begann, hinter mir zu tanzen. das ging zwei, drei lieder gut, bis ich mich dann mutig umdrehte. k. guckte ertappt und erschrocken und trippelte vondannen.
mist. da war ich mal wieder zu schnell gewesen, obwohl langsamer in meinen augen schon gar nicht mehr ging.

als ich mich umsah, bemerkte ich, dass sich das objekt noch immer auf seinem beobachtungsposten befand. dann kam es auf mich zu, grinste kopfschüttelnd und umarmte mich. "fast", sagte es in mein ohr.
das objekt als kuppler, das hätte ich mir ja auch nie träumen lassen. irgendwie verdammt niedlich. als ich die umarmung erwiderte, wanderte die objekthand unter meinen rock, und da ich aufgrund der wärme keine strumpfhosen trug, noch ein stück weiter. leider wusste das objekt immer noch sehr gut, wie es mich mit einem einzigen griff zum hyperventilieren brachte.
nach einem kleinen, aber heftigen kampf gegen sehnsucht und verlangen wand ich mich aus der umklammerung und brachte wieder respektvollen abstand zwischen uns. schließlich befanden wir uns mitten in der öffentlichkeit. außerdem war die aktuelle objektgespielin im anmarsch und es roch nach ärger, der sich dann kurz darauf gewitterartig über dem objekt entlud. das arme mädchen.

k. und ich umschlichen uns im laufe der nacht noch mehrmals und das lächeln funktionierte immer besser. vielleicht schaffen wir es dann nächste woche doch mal zu einem hallo.
bis dahin warten noch schwierige herausforderugen auf mich, wie beispielsweise meine ungeduld zu zügeln, während ich auf den objektanruf wartete, und dann nicht umzukippen, falls das objekt tatsächlich vorbeikam und mir die hand ins höschen zu stecken versuchte.

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