Donnerstag, 31. März 2011
tragend, schreitend
and now for something completely different.

es fehlt allein ein kater, der jetzt mit schwerfälliger eleganz dickpfotig im tiefen teppich versinkt.

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Mittwoch, 30. März 2011
das hintertürchen ist ins schloss gefallen
erforderlicher notendurchschnitt für einen popeligen ref-platz: 1,1.

tschüß lehramt.

ich hab dann wohl leider im falschen bundesland studiert.

an manchen tagen frage ich mich, ob es einen gott gibt und wenn ja, warum er mich nicht einfach von einem auto überfahren lässt. ich bin ja ein typ, der direkte absagen dem mehr oder minder höflichen herumlavieren vorzieht. (entschuldigung, da bin ich ganz prinzessin.)

heute morgen sagte mein arzt, ich solle mich bloß nicht für "frauen am rande des nervenzusammenbruchs" bewerben. ich stecke ja schon mitten drin.
stelle erstaunt fest, dass so ein burnout in zyklen verläuft. tiefer scheint es aber jedenfalls immer zu gehen.

alles, worauf ich jetzt noch warte, ist irgendeine neue krankheit. irgendwas chronisches. komm, gib es mir. wird doch mal wieder zeit für sowas!

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Dienstag, 29. März 2011
there you are
es war einer dieser sonntage, einer dieser montage, einer dieser tage, die sich so unerträglich anfühlen, dass ich nicht weiß, wohin mit mir.

you were the one. du hast das s.o.s. zwischen den zeilen verstanden und mich aus dieser wohnung geholt, die immer noch halb uneingerichtet ist und mir das gefühl, ständig auf gepackten koffern zu sitzen, nicht nehmen kann. du sagtest, pack deine sachen und komm vorbei, ich koche was.

also habe ich meine tasche gepackt, zwei, drei sachen und bin in die s-bahn gestiegen mit dem eindruck, eine vollkommene zumutung zu sein, hab zwischendurch angerufen und dir gesagt, dass du nichts erwarten kannst, gar nichts, und dass ich umkehren möchte, ohne zu wissen wohin. du hast mich mit dem handy am ohr durch die stadt begleitet und mir dinge erzählt, um mich von meinem weg abzulenken und vom gedanken, dass ich unsagbar unzulänglich bin und lieber gleich in die alster springen sollte - solange, bis ich dann vor deiner tür stand.

dein kleiner stürmte mir schon im treppenhaus entgegen und zauberte das erste lächeln seit tagen auf mein gesicht. er nahm mich bei der hand und schleppte mich in die küche, wo du standest und hühnchen nach dem rezept deiner oma zubereitetest. ich hatte angst vor einer umarmung, denn dann hätte ich vermutlich geweint, was mir peinlich gewesen wäre vor den großen fragenden kinderaugen, die jede meiner bewegungen bewachten. danach saßen wir am tisch, spät, viel zu spät, und ich fragte den lütten, musst du nicht längst im bett sein, und du rolltest die augen und meintest, er wollte dich nicht verpassen und mit uns zusammen essen.

dann, als du den kleinen zum zähneputzen schicktest, fragtest du mich vorsichtig, ob ich mich umarmen lassen möchte. ich nickte und du strecktest die arme aus, fuhrst mit den händen über meine schultern und seufztest, du bist wahnsinnig angespannt und siehst gleichzeitig vollkommen fertig aus. ich sagte nichts und du verstandest wie immer und beruhigtest mich, du musst nichts sagen oder erklären, das ist schon okay.

dann hobst du mich hoch wie ein krankes kind, zogst mir die schuhe und die kleider aus und brachtest mich zu bett, kletterst dann selbst hinterher, sagtest, komm, komm an, komm nach hause, komm kuscheln. ich legte den kopf auf deiner breiten brust ab und du hieltest mich fest und begannst ganz vorsichtig, mein gesicht zu streicheln, nase, stirn, wangen, in lauter kleinen, zärtlichen kreisen, während meine tränen in deinen pullover sickerten und du so tatest, als bemerktest du es nicht, weil du spürtest, wie unangenehm es mir war, schwach, kindisch, trostlos zu sein.

irgendwann berührtest du meine schläfen und meintest sehr zufrieden, endlich schlägt dein herz langsamer, endlich entspannst du dich. dann fragtest du mich, ob es mich störe, wenn du noch einen film schaust, weil du noch nicht schlafen könntest. soviel rücksicht machte mich vollends verlegen, sodass ich mich aufraffte und mich bereit erklärte, einen film mit dir zu sehen. du brachtest daraufhin eine halbe videothek nach hause, damit ich wählen konnte, wonach mir war und so guckten wir eine schrille komödie, während du mich immer noch festhieltest und sanft streicheltest. wir kamen mit dem film fast zu ende, bevor ich deine erektion spürte, aber du sagtest nein, nicht heute, du wolltest mir nicht weh tun, niemals, ohne dabei das körperliche zu meinen.

und als wir uns schließlich schlafen legten und du mich mit armen und beinen umschlangst, wie du es gerne tust, musste ich wie wahnsinnig an mich halten, um dir nicht zu sagen, dass ich dich liebe.

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Montag, 28. März 2011
go green
deutschland goes frühlingsfarben. mir ist ganz ostereirig, ansatzweise vegan und natürlich auch ein wenig antiatomar.

wir brauchen mehr bawü in unserem land. definitiv.
aber nur, wenn der strom nicht teuerer wird. das ist meine große sorge, die die vermutung nährt, auch eine grüne ära könne schnell zu ende gehen. bei geld hört die freundschaft ja bekanntlich auf.

mappus, alte opportunisten-sau, hörst du den schlachtruf? das bolzenschussgerät ist schon bereit! feiste ferkel stehen morgen zum letzten mal auf dem speiseplan!

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this is why i don´t like sundays
de nächte werden kürzer. das liegt weniger an netten sozialen aktivitäten als an der allgemeinen anspannung.

- von donnerstag auf freitag: 5,5 h
- freitag auf samstag: 4 h
- samstag auf sonntag: 3,5 h

nicht gut. ich bin völlig verschwurbelt. bis eben durch die straßen slalom zwischen kinderwägen und radfahrern gelaufen und versucht, einen angenehmen gedanken zu erjagen.

die aussicht auf die kommende woche: zum graue-mäuse-kriegen. ich werde auf arbeit mal wieder die einzige sein, die den durchblick hat. und deshalb alles machen muss. und daher auch die schuld für alles bekommt.

kommenden sonntag dann den eigenen runden geburtstag begehen müssen. noch bin ich unschlüssig, ob ich schlichtweg durcharbeiten oder aus der stadt flüchten werde. ein tag am meer, das könnte schön werden, oder aber schrecklich, je nach serotonin-spiegel. derzeit haben äußere einflüsse wenig macht über meine verfassung. die laune schießt nach oben oder stürzt in elende abgründe. zwischendrin die nackte angst, dass alles so bleiben könnte, wie es ist. weil man irgendwann zu alt, zu bequem oder zu resigniert für den ständigen richtungswechsel und neuanfang auf allen ebenen wird.

ich bin müde, körperlich und geistig. es werden immer mehr dinge, die es mitzutragen gilt. die baustellen häufen sich endlos. ich habe nicht genügend hände, alles aufzufangen. die erste sorge gilt meinem herzkranken vater. seit gestern hab ich die vollmacht für alle entscheidungen, falls auch meine mutter nicht mehr einspringen kann. meine eltern werden im zeitraffer alt. mitte 60, aber im kopf locker 75. sturheit und nichtbegreifen, meine verhandlungsbasis schrumpft. aber über köpfe hinweg entscheiden tut weh.

gleichzeitig ihre sorge um mich. immer wieder dieselben gespräche: kind, du musst doch mal geld verdienen! kind, warum hast du nur keinen mann? wenn du kinder willst, musst du dich jetzt beeilen!
als wenn die dinge vom himmel fallen. und wenn einmal etwas fällt, kann ich sicher sein, es ist entweder nichts gutes oder nichts von nachhaltigkeit.

"machen sie doch mal was richtig schönes!" sagte meine neuer physiotherapeut, der sich des hoffnungslosen zustands meiner schultern und meines nackens angenommen hat. das war die hausaufgabe für dieses wochenende. hab ich auch getan. mal nicht auf party gewesen, sondern im kino pina gesehen. war toll. aber es bleibt irgendwie nichts positives an mir haften.

so ist das zur zeit. so ist das seit dezember/januar.

sorry fürs jaulen. musste mal wieder sein, japan, wahlkampf und allen weltbewegenden katastrophen zum trotz.

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Freitag, 25. März 2011
triumpfe
wenn die b**d-redaktion deinen text quasi 1:1 abdruckt und dann in der abstimmung nur dich anschreibt, während dein boss lediglich in cc gesetzt ist.

dieser freitag, so endlos und anstrengend er war, hatte sein highlight.

manchmal bin ich einfach gut.

edit:

der tag ging dann auch noch sehr fröhlich zu ende.

nachdem ich mich zum putzen überreden konnte sowie dazu, meinen dicken hintern für ein paar minuten die alster entlang zu schicken, klingelte mich das objekt an. ob ich später auch noch auf party käme. da ich ja was zu feiern hatte, bat ich es, mir ein paar krümel von seiner letzten großen lieferung für diesen abend mitzubringen. besagte lieferung hatte die zwei-mille-grenze gesprengt (fragen sie mich nicht, woher der mann diese beträge nimmt), woraufhin das objekt, immer noch das u-haft-trauma im hinterkopf, in einer nacht-und-nebel-aktion eine depotweise auslagerung in den hiesigen grünflächen vorgenommen hatte. seither befürchtete es ständig, das zeug könne von eichhörnchen und maulwürfen ausgebuddelt und aus versehen gefressen werden - "und stell dir mal vor, so ein eichhörnchen springt dann total stoned vor ein auto!". aus diesem grund hatte es nichts gegen eine kleine abnahme einzuwenden.

wir trafen uns gegen zwei uhr auf dem kiez. das objekt hatte ein kleines, dünnes mädel mit nasenpiercing im schlepptau und stellte diese als ehemalige patientin vor. die lütte gab mir einen schlaffen händedruck und sagte nichts. das objekt, high von mdma, quasselte dafür wie bekloppt und gab stories aus dem klinikleben und bizarren fällen in der notaufnahme zum besten. dann gingen wir zu unserem liebsten hobby - pärchen beobachten und über deren sexuelle aktivitäten spekulieren - über.

irgendwann trollte sich die objekt-begleitung.
"hey, ich wollte jetzt nicht euer romantisches date zerstören", meinte ich.
"nein, nein", sagte das objekt, "ich verstehe auch nicht, warum die jetzt gegangen ist."
"das musst du auch nicht - frauen hassen mich normalerweise", sagte ich.
"weil du eben ein alpha-weibchen bist", goß das objekt zucker über mein ohnehin schon erfolgsbedingt jubelndes herz. ich unterdrückte ein gefieptes "eeeecht???!" und sagte stattdessen ganz cool:
"ich weiß."
das objekt schubste mich mitsamt dem barhocker, auf dem ich saß. prompt segelte ich einem langhaarigen, jungen typen in die arme.
"oh", sagte der.
"sorry, alpha-weibchen", sagte das objekt.
dann sahen der typ und das objekt einander an. und verharrten im blick.
"ich lass euch mal besser alleine!" meinte ich daraufhin und klopfte dem objekt auf die schulter. wenige minuten später sah ich, wie der typ das objekt küsste. das hatten wir ja nun auch schon länger nicht mehr.

ich begab mich derweil auf toilette, weil ich schon die ganze zeit dringend musste und außerdem meine lieferung antesten wollte. ich war gerade fertig, da klopfte es an der trennwand. ich vermutete, meiner pinkel-nachbarin müsse das klopapier ausgegangen sein und warf einen großzügigen packen über die trennwand.
daraufhin fragte eine zarte stimme:
"luna?"
"nein", sagte ich.
"oh", sagte die stimme.
zeitgleich öffneten wir die klotüren. vor mir stand ein kleines, dunkelhaariges, dickbusiges mädchen und starrte mich an.
dann fragte sie:
"was hälst du denn eigentlich von tierversuchen?"
mein mund klappte auf und wieder zu. diese frage hatte ich nicht erwartet, zumal mein gehirn gerade auf distanz zur realität ging.
"pfff", sagte ich. "was soll ich davon halten, das kann man doch so pauschal nicht sagen."
"ich finde es ganz schlimm", sagte das mädchen.
"naja, schlimm schon, aber ich fände es auch schlimm, wenn die medikamente an menschen getestet würden", entgegnete ich. "obwohl sowas natürlich für geringverdiener wie mich wieder eine tolle einnahmequelle ist."
ich blubberte blödes zeug, merkte ich. ich beschloss, die klappe zu halten, zumal ich das mädel nicht kannte und nicht wusste, ob sich nicht draußen vor der tür 20 durchgeknallte tierschützerinnen befanden, die nur darauf warteten, hereinzustürmen und mich zu verprügeln, weil ich mit meiner fahrlässigen meinung schuld am tod so vieler tiere war.

das fremde mädchen hingegen quatschte ohne punkt und komma und erläuterte detailliert, welche tierversuche wann vorgenommen wurden und wie die armen viecher hinterher aussahen. ich wartete nur darauf, das sie gleich einen kleinen diaprojektor aufbauen und mir videos von tierversuchen vorführen würde, um mich dadurch moralisch zu zwingen, meinen namen auf einer unterschriftenliste einzutragen und jeden monat 50 euro an eine tierschutzorganisation zu spenden. davon abgesehen fragte mich inzwischen, ob ich je wieder aus dieser toilette herauskommen würde.

dann wollte sie meinen namen wissen und ob ich oft hierher komme.
"einmal im monat nur", sagte ich.
dann begann sie mich anzustarren - so, wie der typ von vorhin das objekt angestarrt hatte. ich hörte trotz realitätsentrückung die nachtigall trappsen. dafür war die tante aber nicht mein fall.
"ich muss dann mal wieder... tanzen", stammelte ich.
daraufhin ergriff das mädchen meine hand:
"ist der große typ dein freund?"
"welcher große typ?"
"der mit den roten haaren."
oha, da hatte mich aber jemand schon länger beobachtet. aber was für eine geniale vorlage. ich erinnerte mich an den vergangenen freitag, bemühte mich nicht zu grinsen und sagte so authentisch wie möglich:
"das ist mein mann. wir sind verheiratet."
"aber du trägst doch gar keinen ring", stellte das mädchen richtig fest.
"ja...", sagte ich, "wir halten eben nichts von konventionen."

dann öffnete ich die tür zur außenwelt. das mädchen folgte mir. keine fünf meter entfernt an der bar stand das objekt und kaufte gerade eine cola.
"guck mal, da ist ja dein mann!" rief das mädchen laut.
"ja", sagte ich und hoffte, das objekt möge sich nicht umdrehen und rüberkommen sowie möglichst gerade auch keine anderen menschen küssen.
"warum gehst du denn nicht zu ihm?"
"wenn der an der bar ist, darf man den nicht stören. das ist wie beim tanzen, da ist er eben eigen."
"aha", sagte das mädchen verwundert.
leider hatte uns das objekt inzwischen entdeckt, winkte uns fröhlich zu und bewegte sich dann in unsere richtung.

"na?!" strahlte es mich an. "alles gut?" und meinte damit die wirkung.
"ja, schatz, alles gut", stotterte ich.
das objekt lachte, knuddelte mich und sagte dann zu dem mädchen:
"sie ist immer so originell. das mag ich so an ihr."
ich trat dem objekt dezent auf den fuß.
"seit wann seid ihr denn schon verheiratet", fragte das mädchen da gerade heraus.
das objekt wollte schon wieder lachen, aber diesmal trat ich fester zu.
"aua", jaulte es, und ich sagte schnell, "noch nicht so lange."
das objekt starrte mich verwundert an und ich formte mit den lippen lautlos das wort "lesbe". das objekt nickte kaum merklich und schien verstanden zu haben. es legte den arm um mich und grinste friedlich.
"ja dann", sagte das mädchen zu mir. "will ich mal nicht länger stören. tut mir leid, dass ich dich so vollgelabert habe."
"kein thema", sagte ich und lehnte mich demonstrativ an die objekt-schulter. "dann machs mal gut."
"warte doch mal", sagte das objekt plötzlich zu dem mädchen. "hast du eigentlich schon gemerkt, wie fantastisch sie riecht?" es drehte meinen hals in richtung der nase des mädchens. "das ist so toll, auch wenn ich sie nicht sehe, ich weiß immer, wenn sie da ist, denn diesen duft schnupperst du meterweit."
"äh, ja", sagte das mädchen verlegen, während das objekt breit grinste.
"so, schatz", meinte ich bestimmt. "wir müssen jetzt nach hause."
"achja, die kinder", kicherte das objekt und schlug sich an die stirn. "total vergessen, dass ich welche habe."
das mädchen, inzwischen unsicher und ahnend, dass es hier verschaukelt wurde, fragte:
"wie viele kinder habt ihr denn?"
"zwillinge", sagte ich, bemüht, nicht loszuprusten.
"drillinge!" beharrte das objekt. "also vorhin waren´s jedenfalls noch drei. das weiß man aber nie so genau, weil die kinder von den nachbarn auch oft noch da sind. das ist dann so unübersichtlich."
da drehte sich das mädchen um und ging.

"das war jetzt aber nicht nett!" rügte ich das objekt.
"du hast mit dem schwindeln angefangen!" gab es zurück.
"ja, stimmt", gab ich zu.
"wollen wir trotzdem aufbrechen? wir können ja noch ein stück zusammen gehen, meine bushaltestelle liegt ja auf deinem weg."
"hm", meinte das objekt, "theoretisch gern, aber ich hab mich heute schon versprochen."
der typ schien es ihm tatsächlich angetan zu haben.
"dann fickt mal schön", sagte ich.
"ich weiß noch nicht", meinte das objekt. "wir werden sehen."

ich verabschiedete mich vom dj.
"moment mal", sagte der da zu mir und zauberte aus seinem koffer eine cd hervor.
"was ist das?"
"hab ich dir mal gebrannt. so eine best-of."
ich freute mich tierisch.

als ich schließlich auf die straße trat, war es schon hell, die vögel zwitscherten und von der bäckerei zog ein unbeschreiblich köstlicher duft herüber. an solchen morgenden stellte sich wie immer das gefühl ein, dass ich hier in dieser stadt genau richtig bin - und wenigstens ansatzweise zuhause.

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