Freitag, 31. Dezember 2010
silvester-umfrage
da dies nun mein erstes silvester alone at home wird:
wie lenkt man sich am besten von eben dieser tatsache ab?
und: was knallt am schönsten (in der birne, nicht an der birne)?

folgende optionen fallen bislang nicht in die engere wahl:

- in den wald (vorher suchen, vermutlich irgendwo stadtrand) laufen und weinen
- auf das dach des radisson sas klettern und springen
- heroin kaufen und sich wegballern
- 112 rufen und solange in den hörer weinen, bis sie den psychiatrischen notdienst vorbeischicken
- beim mittsechziger-nachbarn im dritten stock klingeln und ihn zum sex zwingen
- sich auf die straße legen und warten, was schneller geht: erfrieren oder überfahren werden

kreative vorschläge dringend erwünscht. sie können ein leben retten (etwas, worauf sie mindestens die nächsten zehn bis 20 jahre stolz sein werden)! es gibt allerdings keinen finderlohn (für diejenigen, die mir auf das radisson-sach nachkraxeln oder mich von der vereisten straße zerren)! das projekt ist also eher etwas für selbstlose seelen...

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Dienstag, 28. Dezember 2010
painting my heart green
für den stalker mit dem grünen silberblick. ich bin gespannt auf... morgen. oder übermorgen.

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vom ankommen und weiterziehen
irgendwann möchte ich einmal länger als zwei jahre irgendwo wohnen bleiben. einfach nur, weil das ständige umziehen so lästig und aufwändig ist.

die weihnachtstage über habe ich mit angehaltenem atem verbracht und den montag herbeigesehnt, an dem telefone wieder besetzt sind und zahlungen wieder fließen. nun verbringe ich meinen resturlaub damit, mit behörden und ämtern und unternehmen zu telefonieren und kriege dreimal am tag einen herzkasper, weil irgendwas fehlt, eine führerscheinnummer, ein nachweis, ein detail für eine zahlungsanforderung.
daneben sitzt mir das finanzamt im nacken und beschießt mich mit fristen, die ich nicht einhalten kann.

ich fühle mich fremd. ich fühle mich am falschen platz, zum ersten mal, an diesem ort, an dem alles langsamer tickt, an dem die menschen diese sicherheit umgibt, von der ich nicht weiß, woher sie sie nehmen. vielleicht, weil in ihrer welt alles in ordnung ist. wahrscheinlich schon allein deshalb, weil sie materielle not nicht so kennen, dieses allmonatliche mit-dem-arsch-auf-grundeis-schlittern, bis dann hoffentlich der kunde zahlt und man wieder für ein paar tage normal leben kann, die pistole auf der brust ein bisschen weniger wahrnimmt, weil die dick gefüllte aldi-einkaufstüte dazwischen ruht.

aus meinem freundeskreis im süden breche ich immer mehr heraus. die isolation, die mich in hamburg umgibt, hat sich irgendwie übertragen. ein harter kern hat sich gehalten, doch der lebt ein ganz anderes leben als ich und kann nicht im geringsten nachvollziehen, woher meine anspannung rührt. sie kennen nicht die permanente existenzangst, nicht die tiefe sorge, für immer allein zu bleiben, nicht die erdrückende verantwortung, aus der ferne für zwei älter werdende menschen verantwortlich zu sein.

meine mutter ist interessanterweise die einzige, die erkennt, welche last da auf meinen schultern ruht. sie spricht offen aus, dass sie sich sorgt, dass ich eines tages durchdrehe, weil ich mich und mein leben mit in ihren augen unmenschlicher härte selbstverwalte. ich muss, wenn ich überleben will, sage ich, und sie hat tränen in den augen, wenn sie sagt: aber es ist so schwer, das mit anzusehen, ich hätte mir ein schöneres leben für dich gewünscht.

aber was ist denn schon ein schönes leben? habe ich nicht doch irgendwie noch glück gehabt? ein bisschen wenigstens?

endlich eine arbeit gefunden zu haben, mit der ich zwar kaum etwas verdiene, vor der ich zum ersten mal aber keine angst habe? einen mann getroffen zu haben, der mir nicht gehört, den ich aber dennoch und genau deshalb so sehr liebe, und der meine ups ands downs versteht, weil er aus demselben holz geschnitzt ist? die unsentimentale und pragmastische fähigkeit, alles lieber selbst machen zu wollen, gepaart mit der erkenntnis, dass man sich besser auf nichts und niemanden verlässt?

und ist es nicht normal, dass die totale freiheit immer auch eine heidenangst macht?
man kann wohl keinen halben goldenen käfig haben. schon gar nicht, wenn man so ein zugvogel ist wie ich.

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Sonntag, 26. Dezember 2010
jägerzaunidylle und lost im raucherparadies
süße, erdrückende langeweile. nicht, dass ich das bedürfnis hätte zu arbeiten. ich fühle mich schlecht und nutzlos, so ganz ohne. aber ich nehme es streng mit der selbstverordneten ruhe und sitze eben den ganzen tag in meinem mädchenzimmer und beobachte, wie sich der schnee immer höher schichtet.

die party, auf der ich gestern abend noch war, weil sie die einzige in den nächsten tagen war, brachte auch keine abwechslung. das dj-set erreichte die talsohle der uninspiriertheit gegen drei uhr morgens mit "sunglasses at night", ein alter schinken, der gewissermaßen schon am verwesen ist. auch sonst gab es keine musikalischen impulse, die mich hätten aufhorchen lassen oder aus dem sessel bewegen können. tanzen war also fehlanzeige. was mich beinahe zum hyperkinetischen ausrasten brachte.
zudem waren nur wenige leute da und diejenigen, die da waren, waren überwiegend männer, mit denen ich mal was hatte. sie starrten mich immer noch mit dem gleichen gesichtsausdruck verletzter füllen an, weil ich in der regel diejenige war, die schluss gemacht hatte. zu tode geglubscht verkroch ich mich dann in den hinterletzten winkel, da ich keine fragen wie "wohnst du immer noch in hamburg?" oder "na was macht die liebe" beantworten wollte. zum glück war meine beste freundin da. allerdings hatte sie ihren mann dabei - und der beschäftigte sich den abend über intensiv mit meinem letzten vor-ort-ex.

irgendwann jedoch gelang es mir, den mann meiner freundin zum rauchen weg in den garten zu locken, was ihm sehr entgegenkam, da er gerade halbfreiwillig nichtraucher werden soll. wir huschten durch den flur und hinaus in die eiseskälte, beide ohne jacke, da es ja nur eine kippenlänge eisschranktemperaturen zu ertragen galt. dachten wir.
doch kurz, nachdem wir im schneesturm unsere zigaretten entfacht hatten, passierte es: der wind schlug die tür zu.
wir guckten dumm. h. rüttelte am knauf.
"scheiße, die ist zu."
ich war noch ganz cool und meinte nur:
"egal, wir gehen einfach durch den garten und vorne raus und zum eingang wieder rein."
schlotternd, aber noch entspannt rauchten wir zu ende und trippelnden dann richtung gartenausgang.
was wir allerdings nicht wussten: die betreiber des clubs hatten in den letzten wochen einen etwa zwei meter hohen holzzaun um das grundstück gebaut. was bedeutete, dass unser fluchtweg abgeschnitten war.
"ach du kacke", sagte ich, als wir vor der nicht enden wollenden bretterwand standen.
"was machen wir denn jetzt?" fragte h.
ich holte mein handy aus der tasche.
"ich ruf deine frau an."
"das ist aber optimistisch. die hört dich doch nicht da drinnen."
"egal, vielleicht haben wir ja glück."
leider hatte h. den besseren realistätssinn von uns beiden. ich versuchte es dreimal ohne erfolg, dann gab ich auf.
inzwischen war uns jackenlosen sehr, sehr kalt. wir rannten zurück zur gartentür und begannen zu rufen und zu klopfen. doch keiner hörte uns.
"wie lange hält es ein mensch eigentlich aus, ohne jacke bei minusgraden und schneesturm?!" witzelte ich.
doch auch h. war inzwischen mulmig geworden.
dann hörten wir am anderen ende des garten plötzlich stimmen. klar, da war ja der parkplatz. h. rannte los und rief:
"hallo, hallo... könnt ihr uns helfen?"
er schilderte kurz unser anliegen. doch leider waren die passanten nur besoffene vollpfosten, die glaubten, wir nähmen sie auf den arm. sie lachten und verkrümelten sich.
mittlerweile waren wir richtiggehend verzweifelt. wir gingen langsam schweigend zum verschlossenen eingang zurück. schutzsuchend kauerte ich mich an die tür und hoffte, das holz würde mich wärmen. plötzlich jedoch gab die tür in meinem rücken nach. schemenhaft erkannte ich m.s irokesenkopf hervorlugen.
"was macht ihr zwei hübschen denn da?!" fragte m. erstaunt. "h., deine frau sucht dich schon!"
"mann, bin ich froh, dass du da bist", rief h. und nahm m. in den arm. der wunderte sich, bis h. ihm unsere unfreiwillige exkursion in die arktis schilderte.

das war aber leider auch schon der höhepunkt des abends. ich wollte mich nach dem schockfrosten erstmal aufwärmen und holte mir einen white russian an der bar. und ohne pauschalisieren oder unken zu wollen: barkeeper, die beim mixen in der karte nach den zutaten schauen müssen, machen mich nervös. das ist wie ein arzt, zu dem sie wegen einer erkältung kommen und der dann in seinen büchern nachgucken geht.
mein gefühl betrog mich nicht. der weißrusse war eine schale milchplörre mit unmengen von eiswürfeln.
danach hatte ich endgültig genug. ich packte meine siebensachen und verschwand frustiert.

zuhause bei meinen eltern schwor ich mir dann, dass mein nächster heimaturlaub garantiert nicht mehr in einer totenzeit wie weihnachten stattfinden wird. ab sofort wird urlaub nur noch nach partykalender gebucht. und merke: beim betreten von diskotheken immer fluchtwege checken!

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Freitag, 24. Dezember 2010
schneelandung, lovely
das war der spannendste flug meines lebens. und zuvor: die langweiligsten stunden am flughafen ever. die landung dafür unerwartet wie auf butter. klar, liegt ja genug schnee hier. der süden ist jedenfalls mindestens so weiß wie der norden.

und mir ist feierlich, auch ohne objekt.

deshalb seid umschlungen, millionen, ich wünsche euch ein frohes fest, lauscht dem weißen rauschen zwischen himmel und erde, atmet den kerzenwachsduft, seht in die gesichter, die in diesen tagen vielleicht kleine lichter von vorfreude tragen auf ein ungewiss, auf einen neustart oder einfach nur auf das weitermachen im guten.

ich bin milde, ich bin satt. für eine woche ziehe ich mich von allen zurück und lade meine serotonin- und dopaminspiegel wieder auf. die exzesse klein halten, die fühler unter dem kampfhelm hervorholen, liebkosen statt abchecken.
es wird nicht viel passieren. es ist hier ja keiner. schon gar keiner von begehr. noch nicht mal groß party.
aber gut. wir lassen die leisen töne hervor. die, die mir das objekt mit auf den weg gab. die, die ich hier, obwohl wunderwunderschön, nicht posten kann. zu intim, unteilbar wie die kleine gänsehaut, die die erinnerung an mein hamburger weihnachten noch immer in mir auslöst.

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Donnerstag, 23. Dezember 2010
mein leben, ein film
das eine ist kino.
meines ist echt. der stoff, aus dem (verbotene) träume sind. zum einatmen, zum anfassen, zu schmecken, fühlen und sich-verbrennen.

den film würde ich trotzdem gerne sehen. allein, um den realitätsgehalt zu prüfen.

begleitung?
immer gern.
aber ihr seid doch eh alle schisser, stimmts?

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ausnahmsweihnachten
mein weihnachten ist schon vorbei, es war von gestern abend bis heute vormittag.

das objekt sorgte für zweiraum und arragierte uns ein sohnemann-frei für einen abend. als ich von der arbeit kam, gab es tischlein-deck-dich-artig ein selbstgekochtes, mehrgängiges traditionelles weihnachtsmahl mit upper-class-rotwein und omas silberbesteck. zum nachtisch dann hardstuff, böse kräuter sowie brot und spiele.

der dazugehörige einkaufsexzess wurde komplett vom neuerdings quasi gemeinsamen konto finanziert. das objekt ist nun mehr der erste mensch und der erste mann, dem ich meine kreditkarte anvertraue. leichtsinnigerweise.
doch mein vertrauen wurde nicht missbraucht. im gegenteil. die abrechung stimmte bis auf den letzten cent, obwohl ich darauf im anbetracht der exakt gleichen ärmlichen verhältnisse keinerlei wert lege.
und last but not least: sogar die wohnung war geputzt, obwohl das objekt putzen hasst wie die pest.
das nenne ich wertschätzung. vertrauen angemessen beantworten. dies schafft ein mensch, mit dem ich offiziell nicht einmal zusammen bin. das ist mehr, als ich jemals erwartet hätte, nach allem, was ich mit anderen erlebt hatte.
es ist achtung. "weil du jemand bist, der so clever ist, dass sie die welt so checkt, wie sie nun mal funktioniert." meint auch und vor allem: dass ich es handeln kann, dass ich nicht die einzige frau mit bedeutung im objekt-leben bin.

der spalt an offenheit weitet sich immer mehr. vielleicht wird es helfen, die zeiten zu überdauern. stärker zu sein. zu wachsen und herr zu werden über kleinlichkeiten, eifersucht und die zeitweise alles verschlingende sehnsucht. ich bete, dass ich die kraft dafür besitze, dass man(n) mir die kraft immer wieder aufs neue verleiht.

zum dank habe ich die arbeit aufgeschoben und bürotechnisch ein bisschen hellblau gemacht. das gemeinsame morgendliche kuscheln war einfach zu nett.

ich bin glücklich, für einen moment. ich bin satt. vielleicht ist das endlich ein hauch vom land of the fat nach sieben dürren jahren.

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