Samstag, 11. Dezember 2010
frau m. in m.
was ich an meinem job mag, ist der abwechslungsreichtum. am einen tag bis mitternacht texte friemeln, am anderen mit der redaktion von bild schnacken und ein bisschen über miese gehälter und zickige chefs lästern, und dann wieder hunderte von kilometer durch die weltgeschichte jetten und ein kamerateam befehligen: "ich will blut sehen, leute, blut und tränen!"

schöner nebeneffekt des außendienstes: man begegnet bloggern, die man längst virtuell und skypophonisch kennt, endlich mal in fleisch und blut. und stellt fest: die sind verdammt authentisch. ja, frau gedankendelta, es war mir eine freude, nur leider viel zu kurz, wie ich finde. das nächste mal will ich außerdem mit dir ins getto in irgendeine wilde kneipe, obwohl wir im grunde glück hatten, dank meines fabulösen gespürs für raucherfreundliche gastronomie. ich sag nur: tomaten sind immer gut!! und: ey, unsere kerze ist leer!

zudem trifft man weitere interessante menschen und männer. angela merkels zweitbester freund findet mich sehr smart und schön und will unbedingt, dass ich ihm sein kommendes buch lektoriere. kann passieren, sagte ich, extremst geschmeichelt wenn auch nicht errötend, und schraubte schnell meinen stundensatz ein wenig nach oben. mal sehen, was passiert. mittlerweile weiß ich ja, dass die meisten menschen sich nur wichtig machen, dabei jede menge blech reden und ihre versprechen nicht mehr wert sind als ein politikerpups.

mannheim selbst ist übrigens gar nicht mal so schlimm. alles ist recht putzig und überschaubar. nett zu wohnen, hätte ich gesagt. nur der weihnachtsmarkt ist genauso fürchterlich wie sonst überall.

dennoch habe ich weihnachtsfeeling. in ein paar tagen bin ich dann mal wieder in nürnberg. nachdem ich seit juli nicht einen einzigen tag frei hatte, bin ich mehr als urlaubsreif. eine woche lang werde ich mich einkuscheln, hamburg hamburg, die arbeit arbeit und das objekt bedeutungslos sein lassen (hoffe ich). danach werde ich alle kräfte brauchen für renovierung der neuen butze und den umzug in das vertraute umfeld nordhamburgs. leicht wird es nicht, billig auch nicht. aber ich verlasse mich mal ganz auf mich selbst und meine organisatorischen fähigkeiten. immerhin mein achter umzug in acht jahren. man gönnt sich ja sonst nix.

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Mittwoch, 8. Dezember 2010
miss mighty morphine marple
gestern nacht ein waches auges gehabt und fünf verbrecher auf frischer tat ertappt. da kommt von dat, wenn man so spät allein durch die kälte rennt.

in ein paar tagen oder wochen mehr, sobald die ermittlungen forschreiten und die täter hoffentlich hinter gitter sind oder sich wenigstens nicht mehr so genau erinnern, wie ihre zeugin ausgesehen hat. nett zu wissen, dass bis dahin auf der wache immer ein becher kaffee für mich bereit steht.



alec empire - inzwischen irgendwo zwischen joy division, combichrist und den sex pistols, wie ich finde. danke @ herr gibson für den impuls!

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Sonntag, 5. Dezember 2010
schneemänner
langsam kenne ich niemanden mehr, der nicht entweder kokst, früher mal gekokst hat oder gerade irgendwie am rennen ist, um neuen schnee zu ergeiern. alles um mich herum ist so schnell und überblendet und anstrengend und bis zum erbrechen kreativ. not my world, eigenlütsch.

gegengift I:
zum zweiten mal "berlin calling" geguckt.
manchmal sehne ich mich auch danach, mal in einer psychoklinik auszuspannen und neue erde zu finden, die trägt. so mit bewegungsherapie und strecken und nach den sternen greifen. wär ich voll dabei. aber klar, dass jungs das doof finden. versuche, mir das objekt dabei vorzustellen, da dieses ja bisweilen auch sehr feminine züge an den tag legen kann. könnte gehen. vielleicht. aber sexy fände ich vermutlich nicht. obwohl... es gibt ja eigentlich nichts am objekt, was mich nicht unwiderstehlich anzieht.

gegengift II:
das subjejkt II hat den kontakt reanimiert und zeigt mittelmäßiges engagement. ich klammere mich gerade ein wenig daran, weil das subjekt II ein so grundvernünftiger mensch ist. so ein typ, der dir sag, zieh deine jacke an, du erkältest dich. das mache ich dann auch, also die jacke anziehen, nicht mich erkälten. ich fühle mich wie ein übermüdeter lkw-fahrer, der sich gleich an den nächsten pfeiler setzt. so ein copilot kann da gut tun. auch, wenn er emotional eher etwas unterkühlt ist.

gegengift III (nicht verfügbar):
das objekt, das mir mit seiner ruhigen, einfühlsamen art und den warmen, festen umarmungen den nicht mehr vorhandenen wind aus den zerschlissenen segeln nimmt. allerdings ist der leckere mann seit einer woche mal wieder abgetaucht. vermulich hat er schon wieder depressionen und das spirituosenregal bei aldi leergekauft, oder aber der heim- und hausdealer hat geliefert. oooder die elfenartige exfreundin hat ihn entführt und hält ihn jetzt als liebessklaven. manchmal möchte ich die dinge auch nicht so genau wissen. zu viel wahrheit ist nicht gut für die geistige gesundheit. und für den weltfrieden auch nicht, siehe wikileaks.

gegengift IV:
sascha funke. entdeckt bei "berlin calling". ich fragte mich, wer ist eigentlich der hübsche blonde kerl, der da so nette musik auflegt? der abspann enthüllte dann das geheimnis.

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Donnerstag, 2. Dezember 2010
ihr seid helden/wort zum donnerstag
ich sag nur: wiki!

sorry, dass auch ich mit presseklatsch und meiner bescheidenen meinung nerven muss.

aber: meine schadenfreude geht gen unendlich. unser meister verdacht, dass diese regierung eine schildbürgerversammlung ist, ist nun offiziell bestätigt. es geht so ein quäntchen wahrheit durch diese welt, in der journalisten in unterbesetzten redaktionsbüros nur noch verlogene pr-scheiße abtippen. oder eben jetzt cables auf wikileaks. auch, wenn mir persönlich das besser gefällt, es ist zumindest sehr lustig, auf bittere art und weise.

ich fordere hiermit politisches asyl für assange!

zu metzners lebensmotto "wer gackert, muss auch eier legen" kann ich nur sagen: der hahn kräht auf dem mist, er sagt, wie´s wetter ist, oder auch nicht. und: spatzi, wenn du eier legen willst, musste erst mal welche inner büx haben. haste aber nicht. denn so, wie du ausschaust, bügelt dir deine mutti die hemden.

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dufte sache kurz notiert
beim parfum "dolce" aus dem hause arme anni ist der name programm: kurz inhaliert führt es im gesamten sozialen umfeld zu nasaler diabetes.

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Dienstag, 30. November 2010
gimme shelter: bettler und millionäre
kurz, bevor sich die u-bahn-türen zischend schließen, quetscht er sich noch herein. er ist schätzungsweise 1,50 m klein, unrasiert, trägt eine vor schmutz starrende jacke und eine isomatte unter dem arm. er schiebt sich unter den achseln nordisch-blonder, 1,90 m großer, mürrischer anzugträger durch, bis er zu einer der stangen gelangt, an der er sich dann festhält und ruft:
"meine werten damen und herren, ich bitte sie einen moment um ihre aufmerksamkeit. ich bin obdachslos und wäre für eine kleine spende sehr dankbar, damit ich heute nicht bei minus elf grad draußen schlafen muss."
automatisch zücken wir alle unsere geldbörsen, so einer kleiner hässlicher gnom und so eine böse kälte, und das alles in zeiten von terrorjournalismus und zdf-sternstunden, wo man zweistellige beträge auf dubiose konten überweist, deren inhalt angeblich waisenkindern auf haiti zugute kommen soll, nein, das geht doch hier schließlich bloß um ein paar cent. nach ungefähr einer minute hat kleine mann so viele münzen in der linken hand, ja sogar ein fünf-euro-schein ist dabei, dass er die stange loslassen und die rechte auch noch aufhalten muss.

ich selbst halte schon einen euro bereit, zögere dann aber, als ich das kleine vermögen überschlage. ich schätze den verdienst des gnoms auf rund 20 euro. die hat er in dieser einen, naja, sagen wir mal zwei minuten, da die entfernung der beiden stationen, zwischen denen wir uns bewegen, etwas länger ist, gemacht. und dann beginne ich zu rechnen. kann es sein, dass ein penner im berufsverkehr theoretisch locker mehr als 100 euro in kürzester zeit machen kann? wenn er pro station in ein anderes abteil steigt und da, sagen mir mal, pech hat oder gerade kein berufsverkehr ist und er nur fünf euro macht, hat er trotzdem nach 20 stationen, maximal 40 minuten, einen grünen beisammen. bei einem normalen achtstündigen arbeitstag wären das 1.200 euro - und zwar netto. das ist mehr, als ich im ganzen monat verdiene.

mal weiter hochgerechnet: bei rund 22 arbeits-/betteltagen pro monat hätte er insgesamt 26.400 euro. davon muss der typ dann aber keine wohnung zahlen (er ist ja obdachlos) und auch keine sozialabgaben und versicherungen (er ist sicher ein sozialfall und wird als solcher vom staat gehandhabt). das heißt, er behält, ausgaben für essen und vergnügungen mal eingerechnet, 26.000 euro im monat über. weiter hochgerechnet heißt das: in etwas mehr als drei jahren ist der kerl millionär.

als ich bei diesem ergebnis angelangte, steckte ich meinen euro wieder ein und fragte mich: warum geh ich eigentlich arbeiten?!

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