Samstag, 30. Oktober 2010
could we?
could we be?



may. be.

one day it will have to be what i´ve been missing all my life as it seems.

es gibt da ja jemand. eine art neues subjekt. nennen wir es mal subjekt II. es arbeitet bei mir um die ecke und kennt mich aus dem club. ende 30, geschieden, hauptstädter, freier kreativer. definitiv interessiert. schafft es sogar anrufen, was die meisten hamburger jungs ja nicht tun, aufgrund allgemeiner unverbindlichkeit und sozialer prokrastination. (meine telefonnummer muss innerhalb der letzten 11 monate in unzähligen papierkörben dieser stadt gelandet sein.)

diverse faktoren rufen mich jedoch zur vorsicht, mich jetzt rasch und leichtfertig in eine neue bindung oder nicht-bindung zu stürzen.

1. das allesentscheidende: der geruch. ich habe leichten schnupfen und konnte auch gestern bei körperkontakt noch nicht feststellen, ob diese pheromone mich dazu bewegen könnten, ihm und mir die kleider vom leibe zu fetzen. ich tröste mich mit dem gedanken, dass es sogar beim objekt rund vier bis wochen wochen gedauert hat, bis eine umarmung umgehenden vögeltrieb hervorrief. vielleicht muss sich geruch ja auch erst "setzen" dürfen? ich bin nicht sicher. beim subjekt I vom sommer ist der willenloses-ficken-trieb nie so richtig eingetreten. entsprechend fade war dann auch das sexleben, was mir jedoch nicht so viel ausgemacht hatte, dem objekt sei dank. jetzt sieht das allerdings anders aus.

2. das objekt. seine exfreundin und er scheinen seit vergangener woche tatsächlich wieder ein paar zu sein. einerseits niederschmetternd, anderseits befreiend: jetzt kann ich die sache mal zum abschluss bringen und muss mir keine sorgen mehr machen, ob das objekt volltrunken vor ein auto läuft oder mit einer überdosis ins krankenhaus eingeliefert wird.
anderseits verhält sich das objekt schon wieder ambivalent, indem sich anschleicht und mich auf quasi-unverfängliche stellen küsst, während seine kleine prinzessin eben mal pullern ist. das gibt uneindeutige signale und immer wieder ein paar tropfen oxytocin in mein leeres, quietschtrockenes glas.

3. das subjekt II-objekt-verhältnis. es ist sozusagen von herzlicher feindschaft geprägt. subjekt II wirft dem objekt seine allgemeine promiskuität vor sowie die tatsache, dass es fast wöchentlich ein anderes männlein oder weiblein oder beides beglückt. das objekt hält seinerseits nicht viel vom subjekt, angeblich sei subjekt II ein arschloch (ohne begründung, reine objekt-menschen(un)kenntnis). während das objekt sich einen spaß daraus macht, mir zweideutige blicke zuzuwerfen und süffisant zu grinsen, grollt das subjekt II, das sich zu eifersucht und monogamie klar bekennt, was mir etwas atemnot verursacht.

4. die jetzt-wieder-freundin des subjekts. man möchte glauben, unser verhältnis sei ähnlich wie das von subjekt II und objekt von hass und häme geprägt. mitnichten. gestern trafen wir im raucherraum aufeinander. obwohl keine von uns besonders viel sagte und wir einfach nur nebeneinander standen, waren wir uns wortlos unbegreiflicherweise sympathisch. zum abschied nahm sie meine hand in ihre beiden hände, was ich als eine schöne und warmherzige geste empfand. ich glaube, ich leide unter einer art stockholm-syndrom. das verhindert, dass ich den beiden künftig hasserfüllt aus dem weg gehe.

und nu?
raten sie mir mal.

heute abend treffe ich subjekt II wieder. ich fürchte, es wird auf ein eindeutiges pro-oder-kontra-bekenntnis hinauslaufen. und ich bin nunmal nicht der typ, der wimpernblinkernd und blümchen-like säuselt: "schatz, bitte gib mir noch ein wenig zeit!"

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Freitag, 29. Oktober 2010
sag "mama"
meine eltern sind in der stadt - für ein wochenende. ich bin von der arbeit nach hause gehetzt, um mich rasch frisch zu machen und ihnen den treffpunkt mitzuteilen. doch es wiederholt sich, was ich das letzte mal schon erlebte: sie sind jetzt - um halb acht uhr abends - schon zu müde, um sich noch mit mir zu beschäftigen.

gut, sie hatten eine anreise mit dem ice hinter sich. aber ich habe einen 10-stunden-tag hinter mir. und ich bin nicht wie sie um 9 uhr, sondern um sieben aufgestanden.

manchmal versteh ich das nicht. ist das noch liebe?

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Donnerstag, 28. Oktober 2010
für robert-schmidt-fans und so

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besuch von der fernseh-stasi
vor rund einer stunde kam ich nassgeregnet, kalt und müde von der arbeit nachhause. kaum hatte ich die tür hinter mir geschlossen, klingelte es. nanu, dachte ich mir, da will mir wohl meine liebe nachbarin aus dem ersten stock wieder mal mein päckchen hinterher tragen? treudoof öffnete ich die tür - und blickte auf ein offiziell aussehendes kärtchen, auf dem "ndr" stand.

leider war ich viel zu verdattert, um sofort zu schnallen, dass es sich um die fernseh-stasi handelte. um diese uhrzeit, denken sie mal! aber vermutlich hat die fernseh-stasi inzwischen spione im schichtdienst.
bevor ich die tür also wieder zuknallen konnte, fragte mich der typ sehr freundlich aber bestimmt und wie aus der maschinenpistole geschossen, ob ich für meine rundfunk- und fernsehgebühren angemeldet sei, da ihm keine anmeldung vorläge. ich sagte dummerweise wahrheitsgemäß "nein". immerhin war ich seit neun jahren erfolgreich den krallen der gezler entkommen und noch nie von einem gebühreneintreiber persönlich belästigt worden.
"ich habe aber weder fernseher noch radio", sagte ich ehrlich. "wissen sie, ich mache nur ein unbezahltes praktikum, da kann man sich sowas nicht leisten." das war zwar gelogen, aber gut. ich machte meine großen augen noch größer und versuchte es mit der mitleidsmasche.
"aber sie haben einen pc!" triumpfierte der fernseh-stasi-spitzel.
ich wollte schon nein sagen, als ich gerade noch merkte, dass meine tür zum wohnzimmer offenstand und der bildschirm meines niegelnagelneuen (einkommenssteuersenkenden) laptops durch die dunkelheit des raumes strahlte.
"ähm, ja", wand ich mich.
der fernseh-stasi-spitzel hielt mir einen längeren vortrag darüber, warum ein pc gleich ein radio gleich ein fernseher ist sowie weshalb unbezahltes fernsehen oder auch schon die theoretische möglichkeit unbezahlten fernsehens eine ordnungswidrigkeit darstellten - während ich grübelte und grübelte, wie ich aus dieser nummer wieder herauskommen könnte.
"aber ich habe kein internet", log ich.
"aber ihr rechner ist internetfähig!" schlug der spitzel mein argument tot. "alle neuen rechner sind das!"
dann fing er an, meine daten aufzunehmen. ich fühlte mich so hilflos ausgeliefert wie damals, als ich das erste mal beim schwarzfahren in der s-bahn erwischt wurde.
"wie lange halten sie denn schon geräte zum empfang bereit", fragte mich der spitzel.
"ähm, ich bin gerade erst eingezogen", log ich.
"also seit september?"
"sagen wir mal oktober", grinste ich frech.
der typ zog die augenbrauen hoch. es war klar, dass er mir kein wort glaubte.
"können sie das nachweisen?"
"klar", sagte ich lässig. ich wusste nicht wie, aber der spitzel insistierte auch nicht weiter auf dem nachweis.
"wie lange wohnen sie denn schon genau hier", wollte mein ungebetener gast dann wissen.
das geht sie einen feuchten scheißdreck an, wollte ich gern sagen, entschloss mich dann aber, weiterhin dreist zu lügen.
"seit zwei wochen", sagte ich also.
"aha, wo haben sie denn vorher gewohnt?"
"bei meiner freundin", erwiderte ich. "die ist seit der trennung aber nicht mehr so gut auf mich zu sprechen."
der typ guckte groß, und ich musste achtgeben, nicht laut zu lachen.

"wollen sie von unserem bequemen bankeinzug profitieren", drängte mich der spitzel am ende dazu, meine kontodaten zu offenbaren.
"nein, ich bevorzuge rechnungen" erwiderte ich, "am monatsende bin ich sowieso immer pleite."
dann musste ich einen wisch unterzeichnen. ich tat es, mechanisch, denn was hätte ich sonst machen sollen?

"auf wiedersehen", sagte der spitzel, während ich innerlich grollte. was für eine unverfrorenheit, mir meinen feierabend so zu zerstören.
den durchschlag des zettels, den der spitzel mir aushändigte, knüllte ich zusammen und warf ihn in den müll. mit der rechnung würde ich das natürlich nicht machen. denn die wird zurückgehen - mit "empfänger verstorben" drauf.

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Sonntag, 24. Oktober 2010
jahresbilanz en noir
heute ist sonntag, ein regensonntag, ein guter tag, um ein wenig schwarz zu sehen, während draußen die spießerfamilien mit dem balg im buggy und omma und oppa und tante hilde und onkel heinzi vorbeiziehen.

ich hatte mich sehr auf dieses wochenende gefreut, da es so arbeitsbefreit vor mir stand. mir gut tun, habe ich mich vorgenommen. film gucken. leute treffen. ausgehen und spaß haben.
außer spesen mal wieder nix gewesen. bei regen zuhause gesessen und überlegt, fucking bullshit, was kann ich bloß mit meiner freizeit anfangen? am anderen ende der telefonleitung nichts als beschäfigte menschen. unverbindliche menschen. pärchen-menschen, die alleine nicht mehr denken und entscheiden können. workaholic-menschen, die wochenenden, die sie mal frei haben, für andere semiberufliche amibitionen verwenden. aber ich wollte ja kein workaholic sein, für wenigstens 48 stunden lang. zudem mein workaholic-dasein ohnehin von keinerlei spürbaren erfolgen geprägt ist und ich immer noch am existenzminimum herumkrebse. mit hartz IV wäre ich besser dran.

wie ich im sommer bereits festgestellt habe, verursacht freizeit neuerdings panik bei mir. klar, freie zeit konfrontiert mich mit meinen persönlichen resultaten der letzten zweieinhalb jahre, die insgesamt zweieinhalb jahre vollkommener zeitvergeudung waren, in beinahe jeder hinsicht.

die zentrale frage: was wurde gewonnen? kann ich nur in form einer negativbilanz beantworten. die zahlreichen neustarts, die großen hoffnungen, so VIELVERSPRECHEND, haben sich allesamt als sackgassen erwiesen. ich habe investiert, geld, zeit und jede menge energie, ich habe mich gedreht und gewendet nach allen seiten, bin leuten hinterhergerannt, habe gebuckelt und trotzdem aufrecht gehen gelernt, habe keine pausen gemacht, keinen urlaub, habe mir keinen luxus erlaubt. jeden morgen, nach viel zu kurzen nächten, stehe ich auf und renne dann 12, 14 stunden in meinem hamsterrad. unterm strich bleibt mir: nichts. oder nicht viel. zu wenig geld, um die stromrechnung oder die brustkrebsvorsorge zu bezahlen. zu wenig kraft, um mit überzeugung dem job nachzugehen. zu wenig glaube, um anderen menschen noch wirklich zu vertrauen.

der gestrige abend hat mich dennoch noch einmal kalt erwischt, als ich dem objekt in die arme lief. allerdings hatte es keine arme mehr frei. da war schon jemand anderes.
großen, gigantischen imaginären haken gesetzt. nicht geweint. nur leere. a headcrushing void.

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Samstag, 23. Oktober 2010
es schlägt 13
erwacht mit einem schädel, als hätte ich gesoffen, dabei war mein vergangener abend sehr nüchtern und zugleich sehr ernüchternd. gestern festgestellt, dass teenies vermehrt unter extremer fettleibigkeit leiden, sodass sie teils kaum mehr tanzen können, sowie dass ich hingegen kein teenie mehr bin und vermutlich trotz mutti-arsch nicht nur die älteste, sondern auch die dünnste frau des abends war, und, anyway, die verdammten 5 euro für eine halbe stunde bleiben eine verdammte geldverschwendung waren. wenigstens aber war ich noch einmal draußen, da ich ja außerhalb meiner arbeit kaum mehr ein gesicht in live zu sehen bekomme und die wärme aus umarmungen für ganze wochen rationieren muss.

über den kiez radeln macht natürlich nicht so viel spaß, wegen der glasscherben und vor allem wegen der inkarnierten, geballten grenzdebilität, die sich unter alkoholeinfluss dort so offenbart. in einer seitenstraße geriet ich in eine gruppe brutaler jugendlicher schläger, die wild auf mülleimer, fahrradständer und alles, was sich in bodenreichweite befand, eintraten. ich radelte vorbei, in der hoffnung, sie mögen mich nicht mit einem mülleimer in motion verwechseln, außerdem hatte ich meine guten strümpfe an. zum glück reichte die gehirnmasse des schlägertrupps nicht aus, um sich auch noch auf lebende objekte zu konzentrieren und so konnte ich unbehelligt passieren. und weil jugendliche scheinbar nichts anderes zu tun haben, ging die gewalt am zielort dann weiter. vor dem club, zwei zentimeter neben mir, prügelten sich zwei jungs. während ich noch überlegte, was angemessener wäre - sie zu bitten, sich einander woanders die fresse zu polieren oder selbst zwei schritte beiseite zu gehen - stolperte der eine und fiel mir auf den fuß. bevor ich den mund aufmachen konnte, hatte sich der gefallene jedoch schon wieder aufgerappelt, guckte mich betreten an und sagte: "entschuldigen sie bitte!" manchmal ist es doch sehr von vorteil, so eine natürliche lehrerinnen-autoritätsaura zu haben. ich bemühte mich, nicht lauthals zu lachen und weiter streng zu gucken. da trollten sich die beiden.

überhaupt das thema lehrinnendasein mal wieder ernstaft erwogen. der dritte im bunde, selbst noch schüler, wäre sehr begeistert, wenn ich doch ins lehramt ginge: "du rauchst, du trinkst, du nimmst drogen, du hängst in clubs rum und schleppst typen ab, du hast echt ahnung vom leben, was besseres könnten wir schüler uns doch nicht zur lehrerin wünschen!" nur, dass ich dann verstärkt darauf achten müsste, mit wem ich so im bett lande. der morgen danach wäre dann unangenehm:
"und, wie heißt du eigentlich?"
"max."
"und wie alt bist du?"
"20."
uuuups.
"was machst du so?"
"ich gehe noch zur schule."
doppel-uuuuups.
"WELCHE schule?"
"gymnasium xy."
"sssschhhh....schön. dann sehen wir uns am montag. und lese dir bitte gründlich die effi briest bis seite 120 durch, wir schreiben nämlich ein ex."
hahaha.

summasumarum landete ich dann gestern noch einer sehr anstrengenden woche mit schwerer schlaflosigkeit verhältnismäßig frühzeitig im bett und schlief wunderbare 13 stunden bis jetzt durch. hat auch mal was. zumal ich erst morgen wieder was arbeiten muss. sweet life!

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