Samstag, 2. Oktober 2010
haarspalterei oder ein bisschen schizo
dauerstress verändert die neurogenese im hippocampus, haben wir gelernt. gut. ich merk´s langsam. heute stellte ich fest: ich bin schizophren.

mein alter ego ist eine affektierte, oberflächliche luxuskuh, die zu frustshoppen neigt und dabei KEIN BISSCHEN an meinen knappen geldbeutel denkt. heute hat sie für 21 euro ein gottverfluchtes haarspray gekauft. sie nutzte eiskalt den moment, in dem ich beschäftigt war, neuste burn-out-statistiken für meine kleinen patientenverwirrenden content-beiträge zu recherchieren, und legte klammheimlich das produkt in den virtuellen einkaufswagen. dann schmuggelte sie meine kreditkarte an meinem alarm- und aufmerksamkeitszentrum vorbei und schwupps, war es schon zu spät. bestellung getätigt.

das schlimmste ist, dass das kleine flittchen noch nicht mal auf derbes ausschimpfen reagiert. es hat gestern unter abwesenheit des objekts die bekanntschaft mit der blonden objekt-schönheit gemacht, die auch von nahem verdammt jung, körper- und stilbewusst ist und elfenartigkeit und verruchtheit perfekt kombiniert. jetzt ist das alter ego in maximalem aufruhr: "wie willst DU dagegen anstinken?!"

ich habe der tusse jetzt erstmal stubenarrest erteilt. am ende bucht sie sonst noch eine schönheitsoperation.

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Freitag, 1. Oktober 2010
out of my mind, but still in my heart
... und zwischen uns fließt der styx.

wie beschissen das ist.

ach schön. eben wieder entdeckt:



wissen sie was? alle meine großen lieben enden stets im oktober/november. fiel mir gerade so auf. meistens begannen sie im mai/juni.
obwohl das hier ja nicht unter große lieben fallen sollte, auch, wenn es sich zeitweise danach anfühlt. alles, was verzweifelte liebe ist, ist schließlich vermeintlich groß...

gottseidank gibt es bei penny markt gerade wodka lemon zum schleuderpreis. die dritte dose schmeckt schon fast.

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schulterklopfer for myself
heute ein projekt abgelehnt, bei dem mich der kunde dahingehend verarschen wollte, dass ich dieselbe arbeit doppelt/einmal umsonst leiste, nur, weil er sein chaos nicht unter kontrolle hat und mir das falsche dokument zum lektorat geschickt hat. vermutlich habe ich jetzt einen klienten weniger, dafür aber meinen stolz und meine würde nicht ganz abgelegt.

es gibt ja nicht viel, was ich damals während meines ausbeuter-volontariats gelernt habe. außer demut habe ich mir aber den folgenden satz gemerkt: "ich mache nur arbeit für geld!"

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Dienstag, 28. September 2010
mindlessness unlimited
der schlaf lässt mal wieder auf sich warten.

dafür haufenweise ideen für einen claim. plötzlich. nachdem ich einen ganzen nachmittag auf dem nichts herumkaute.

so ist das wohl.

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Sonntag, 26. September 2010
löchern
clubbing. es ist 5.20 Uhr morgens. ich befinde mich in mittelmäßiger laune, nuckle den letzten rest des letzten caipis aus dem glas, habe schon meinen mantel an und überlege, ob ich nach hause gehen soll. da fällt er mir auf. er ist ein freak, das sehe ich auf den ersten blick. volle gothic-montur und alberne dreadlocks, obwohl bestimmt schon mitte 30. vom typ her so eine ich-bin-junggeblieben-weil-ich-nie-verantwortung-tragen-musste-gestalt. spontaner eindruck: schrecklich. noch schrecklicher jedoch: er glotzt mich an, unverhohlen und wortlos, schon mehrere minuten lang.

manch einer fühlt sich in solch einer situation peinlich berührt, ein anderer, bei gefallen, übermäßig geschmeichelt. meine eine allerdings - mittelmäßig gelaunt, müde und irgendwie unangenehm angetrunken - wird jetzt richtig pissig und bekommt große lust, die verbale hand zur faust zu ballen und sie in richtung der vorderen zahnreihe des freakigen gegenübers zu schicken.

also stelle ich mich aufrecht hin, sodass ich den freak um eine halbe haupteslänge überrage, schiele über den rand meiner imaginären lehrerinnen-brille und sage mit größtmöglicher arroganz: "ja, bitte?", so, als würde ich einen unerwünschten anrufer am telefon abwimmeln wollen.
das unverhohlene glubschen verwandelt sich in ein leicht verschrecktes, der freak scheint verstört. also lege ich nach, in der hoffnung, noch mehr verlegenheit zu erzeugen und ihn so zum gehen zu bewegen: "kann ich dir helfen? suchst du was?"

mist. das war schon wieder zu nett. der freak sammelt sich. ich schließe eine kleine wette mit mir selbst ab: gleich kommt bestimmt ein "bist du öfter hier?". doch ich verliere die wette gegen mein alter ego, denn der freak fragt:
"willst du etwa schon gehen?"
aber hallo, das hat ja schon fast romeo-und-julia-format! ich überlege kurz, ob ich sagen soll: "es war die nachtigall und nicht die lerche", aber da ich besagte nachtigall bereits trappsen höre und ich dem freak zutraue, dass er mein sarkastisches zitat romantisch fehlinterpretieren könnte, beschließe ich, weiter die panzerglasharte arrogant-und-herzlos-taktik zu fahren. also sage ich einfach:
"ja."
klar und unmissverständlich, und wer in der lage ist, zwischen den nicht vorhandenen zeilen zu luschern, versteht: verpiss dich. der freak ist aber offenbar leider kein leser, sondern stellt mir schon die nächste frage:
"warum?"
"weil mir danach ist."
der freak miemt den erstaunten:
"aber warum denn?"
"ich habe den ganzen tag gearbeitet", seufze ich entnervt.
der freak verfällt kurzzeitig wieder in erstauntes starren, schiebt aber dann gleich nach:
"aber warum denn? warum arbeitest du an einem samstag?"
"weil ich selbstständig bin."
der freak runzelt die brauen:
"warum hast du dir das denn ausgesucht?"
ich rolle demonstrativ die augen, zucke mit den achseln und sage dann vornehm genäselt:
"ist so passiert."
dann schaue ich in eine andere richtung. ich halte das für ein deutliches signal "gespräch beendet". doch der freak schiebt sich vor mich, bringt sein gesicht ganz nah an das meine und versucht, mir in die augen zu starren.
das wird mir zu viel.
"ich geh tanzen", sage ich und bin weg.
leider nicht weit weg genug. ein lied später rollt auch der freak auf die tanzfläche und nähert sich mir. er versucht, meine hand zu greifen. ich ziehe sie weg. das zweite mal bin ich nicht schnell genug. er bekommt sie zu fassen und ich muss sie ihm gewaltsam entwinden.

dann gehe ich von der tanzfläche in den nebenraum. dort, weiß ich, sitzt das objekt. manchmal, wenn das objekt gute laune hat und merkt, dass ich doof angemacht werde, funkt es dazwischen, indem es mich an sich zieht und mich demonstrativ leidenschaftlich knutscht. diesmal allerdings habe ich schlechte karten. das objekt ist nämlich krank, hat sich heute nur mühsam mit legalen und illegalen substanzen gedopt in den club geschleppt und sitzt nun nach einigen bieren, schnäpsen und heimlichen joints schlafend am tresen, den kopf in die arme gebettet. ich lege ihm meine kalte hand in den nacken und streichle ihn ein wenig, doch alles, was ich bewirke, ist ein wohliges grunzen. der beschützerinstinkt ist offenbar bereits totgesoffen.

zu dumm. denn da steht schon wieder der freak vor mir und knüpft an unser berauschendes gespräch von vorhin an:
"was arbeitest du denn dann so samstags?"
"ich bin texterin."
der freak ist sichtlich beeindruckt:
"du hast vorhin aber auch eine coole performance hingelegt!"
jetzt muss ich irritiert glotzen:
"bitte was?!"
"naja, das merkt man, du kannst gut tanzen, du hast ein gutes körpergefühl..."
"was hat das denn bitte mit schreiben zu tun?!"
nun ist der freak wiederum verwirrt:
"ich denke, du bist tänzerin?"
"TEXTERIN!! ich bin TEXTERIN!"
hielt er mich etwa kurzfristig für ein leichtes luder, das sich nachts in zwielichtigen spelunken um die stange räkelt? das wird ja immer schöner.

mein krakelen hat jetzt auch das ohr des objekts erreicht. es hat den kopf in den armen in unsere richtung gedreht und blinzelt träge wie eine wildkatze auf barbituraten. einsatzfähig wird es heute ohnehin nicht mehr sein, also entscheide ich mich dafür, jetzt tatsächlich zu gehen.
"wie heißt..." setzt der freak gerade zur nächsten frage an, als ich seine hand nehme, sie förmlich schüttle und überschwänglich sage:
"nett, dich kennen gelernt zu haben, aber ich muss jetzt wirklich nach hause!"
"aber warum denn?"
"warumwarumwarum", stöhne ich jetzt ganz offen entnervt und will mich wegdrehen, als der freak schon wieder nach meiner hand greift. ich entreiße sie ihm heftig und schreie:
"es ist gut jetzt, kapiert!!"

und endlich, endlich habe ich erfolg. der freak verzieht sich. wutschnaubend knöpfe ich meinen mantel zu. dann gehe ich zum objekt, um mich zu verabschieden. das objekt hat die szene grinsend mitverfolgt hat und meint schläfrig zu mir:
"du ziehst immer die gleichen seltsamen typen an. magisch."
"aber echt. dich hab ich ja auch angezogen."
"ich bin nicht seltsam."
"du bist ein außerirdischer", sage ich liebevoll.
"ich bin kein marsmännchen, ich bin einfach nur peter pan", wehrt sich das objekt und vergräbt den kopf wieder in den armen.
ich knuffe seine blasse wange. sie fühlt sich heiß an.
"nich wachmachen, büddeee..." nuschelt peter pan.
"willst du nicht nach hause?"
das objekt schüttelt den kopf.
"aber du musst ins bett. du hast fieber."
"ich bleib für immer hier", beharrt das objekt.
"gut", erwidere ich, "ich jedenfalls gehe jetzt."

ich drehe mich um und will hinaus in den regen stiefeln, endlich nach hause nach diesem merkwürdigen abend. an tür legt sich mir plötzlich eine hand auf die schulter. ich wirble erschreckt herum, bereit, dem freak gepflegt die stirn zu bieten und ihm dabei die nase zu zertrümmern. doch dann halte ich inne, denn es ist bloß das objekt, das zerzaust vor mir steht:
"ich hab dich ja noch gar nicht richtig verabschiedet!"

zwei bärenhafte umarmungen später sitze ich eingemummelt auf dem fahrrad und radle durch den wolkenbruch. als ich im dämmerlicht zuhause ankomme, friere ich und muss niesen. die objekt-viren scheinen eine ähnliche anziehungskraft zu besitzen wie die objekt-pheromone: sofortige infizierung mit unmittelbar eintretendem sexualtrieb- respektive erkrankungsausbruch. was soll´s. ich putze zähne, anschließend zünde meine vanille-kerze an, kuschle mich ins bett auf meine nagelneue super-heizdecke und mache mir ein paar warme gedanken...

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Mittwoch, 22. September 2010
objektstolz
nach dem akt.
"was ist mir dir, du zitterst ja, ist dir kalt?"
das objekt, das sonst zwei minuten nach der ejaklation in katatonische starre verfällt und höchstens noch für nackenkraulen zu haben ist, befindet sich in liebevoll-besorgter aufregung und breitet unkoordiniert-hektisch alle vorhandenen decken über mich.
"mir ist nicht kalt, ganz im gegenteil", wehre ich mich gegen die schwarze, immer frisch gewaschen duftende flanell-flut, die das objekt über mich sinken lässt.
"was dann? bist du müde?"
die grünen objekt-augen fixieren mich prüfend. (sie sind ganz pupille, ganz glas, wunderschön jenseitige junkie-augen eben, bei denen ich mich oft frage, wie man so fern aller wirklichkeit noch so viel aufmerksamkeit für eine andere person aufbringen kann.)
"ich bin nicht müde", sage ich.
das objekt fasst mein handgelenk und fühlt mit routiniertem griff meinen technoid wummernden puls. es grinst:
"nein, müde bist du bestimmt nicht. sag mir, was ist los mit dir? wonach ist dir?"
ich muss lachen:
"hey, alles ist gut. das ist nur postkoitales beben."
"postkoitales beben", das objekt wiederholt bedächtig meine worte und grinst stolz wie ein löwe. "das hast du gut gesagt."
dann rollt sich der löwe in meinen armen zusammen wie ein kätzchen. fünf minuten später schläft er tief und fest. im schein der niederbrennenden kerzen spiegeln sich silbergraue fäden in der kupferroten mähne, die immer nach kindershampoo riecht und irgendwann auch mich süß in den schlaf duftet.

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