Dienstag, 28. September 2010
mindlessness unlimited
der schlaf lässt mal wieder auf sich warten.

dafür haufenweise ideen für einen claim. plötzlich. nachdem ich einen ganzen nachmittag auf dem nichts herumkaute.

so ist das wohl.

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Sonntag, 26. September 2010
löchern
clubbing. es ist 5.20 Uhr morgens. ich befinde mich in mittelmäßiger laune, nuckle den letzten rest des letzten caipis aus dem glas, habe schon meinen mantel an und überlege, ob ich nach hause gehen soll. da fällt er mir auf. er ist ein freak, das sehe ich auf den ersten blick. volle gothic-montur und alberne dreadlocks, obwohl bestimmt schon mitte 30. vom typ her so eine ich-bin-junggeblieben-weil-ich-nie-verantwortung-tragen-musste-gestalt. spontaner eindruck: schrecklich. noch schrecklicher jedoch: er glotzt mich an, unverhohlen und wortlos, schon mehrere minuten lang.

manch einer fühlt sich in solch einer situation peinlich berührt, ein anderer, bei gefallen, übermäßig geschmeichelt. meine eine allerdings - mittelmäßig gelaunt, müde und irgendwie unangenehm angetrunken - wird jetzt richtig pissig und bekommt große lust, die verbale hand zur faust zu ballen und sie in richtung der vorderen zahnreihe des freakigen gegenübers zu schicken.

also stelle ich mich aufrecht hin, sodass ich den freak um eine halbe haupteslänge überrage, schiele über den rand meiner imaginären lehrerinnen-brille und sage mit größtmöglicher arroganz: "ja, bitte?", so, als würde ich einen unerwünschten anrufer am telefon abwimmeln wollen.
das unverhohlene glubschen verwandelt sich in ein leicht verschrecktes, der freak scheint verstört. also lege ich nach, in der hoffnung, noch mehr verlegenheit zu erzeugen und ihn so zum gehen zu bewegen: "kann ich dir helfen? suchst du was?"

mist. das war schon wieder zu nett. der freak sammelt sich. ich schließe eine kleine wette mit mir selbst ab: gleich kommt bestimmt ein "bist du öfter hier?". doch ich verliere die wette gegen mein alter ego, denn der freak fragt:
"willst du etwa schon gehen?"
aber hallo, das hat ja schon fast romeo-und-julia-format! ich überlege kurz, ob ich sagen soll: "es war die nachtigall und nicht die lerche", aber da ich besagte nachtigall bereits trappsen höre und ich dem freak zutraue, dass er mein sarkastisches zitat romantisch fehlinterpretieren könnte, beschließe ich, weiter die panzerglasharte arrogant-und-herzlos-taktik zu fahren. also sage ich einfach:
"ja."
klar und unmissverständlich, und wer in der lage ist, zwischen den nicht vorhandenen zeilen zu luschern, versteht: verpiss dich. der freak ist aber offenbar leider kein leser, sondern stellt mir schon die nächste frage:
"warum?"
"weil mir danach ist."
der freak miemt den erstaunten:
"aber warum denn?"
"ich habe den ganzen tag gearbeitet", seufze ich entnervt.
der freak verfällt kurzzeitig wieder in erstauntes starren, schiebt aber dann gleich nach:
"aber warum denn? warum arbeitest du an einem samstag?"
"weil ich selbstständig bin."
der freak runzelt die brauen:
"warum hast du dir das denn ausgesucht?"
ich rolle demonstrativ die augen, zucke mit den achseln und sage dann vornehm genäselt:
"ist so passiert."
dann schaue ich in eine andere richtung. ich halte das für ein deutliches signal "gespräch beendet". doch der freak schiebt sich vor mich, bringt sein gesicht ganz nah an das meine und versucht, mir in die augen zu starren.
das wird mir zu viel.
"ich geh tanzen", sage ich und bin weg.
leider nicht weit weg genug. ein lied später rollt auch der freak auf die tanzfläche und nähert sich mir. er versucht, meine hand zu greifen. ich ziehe sie weg. das zweite mal bin ich nicht schnell genug. er bekommt sie zu fassen und ich muss sie ihm gewaltsam entwinden.

dann gehe ich von der tanzfläche in den nebenraum. dort, weiß ich, sitzt das objekt. manchmal, wenn das objekt gute laune hat und merkt, dass ich doof angemacht werde, funkt es dazwischen, indem es mich an sich zieht und mich demonstrativ leidenschaftlich knutscht. diesmal allerdings habe ich schlechte karten. das objekt ist nämlich krank, hat sich heute nur mühsam mit legalen und illegalen substanzen gedopt in den club geschleppt und sitzt nun nach einigen bieren, schnäpsen und heimlichen joints schlafend am tresen, den kopf in die arme gebettet. ich lege ihm meine kalte hand in den nacken und streichle ihn ein wenig, doch alles, was ich bewirke, ist ein wohliges grunzen. der beschützerinstinkt ist offenbar bereits totgesoffen.

zu dumm. denn da steht schon wieder der freak vor mir und knüpft an unser berauschendes gespräch von vorhin an:
"was arbeitest du denn dann so samstags?"
"ich bin texterin."
der freak ist sichtlich beeindruckt:
"du hast vorhin aber auch eine coole performance hingelegt!"
jetzt muss ich irritiert glotzen:
"bitte was?!"
"naja, das merkt man, du kannst gut tanzen, du hast ein gutes körpergefühl..."
"was hat das denn bitte mit schreiben zu tun?!"
nun ist der freak wiederum verwirrt:
"ich denke, du bist tänzerin?"
"TEXTERIN!! ich bin TEXTERIN!"
hielt er mich etwa kurzfristig für ein leichtes luder, das sich nachts in zwielichtigen spelunken um die stange räkelt? das wird ja immer schöner.

mein krakelen hat jetzt auch das ohr des objekts erreicht. es hat den kopf in den armen in unsere richtung gedreht und blinzelt träge wie eine wildkatze auf barbituraten. einsatzfähig wird es heute ohnehin nicht mehr sein, also entscheide ich mich dafür, jetzt tatsächlich zu gehen.
"wie heißt..." setzt der freak gerade zur nächsten frage an, als ich seine hand nehme, sie förmlich schüttle und überschwänglich sage:
"nett, dich kennen gelernt zu haben, aber ich muss jetzt wirklich nach hause!"
"aber warum denn?"
"warumwarumwarum", stöhne ich jetzt ganz offen entnervt und will mich wegdrehen, als der freak schon wieder nach meiner hand greift. ich entreiße sie ihm heftig und schreie:
"es ist gut jetzt, kapiert!!"

und endlich, endlich habe ich erfolg. der freak verzieht sich. wutschnaubend knöpfe ich meinen mantel zu. dann gehe ich zum objekt, um mich zu verabschieden. das objekt hat die szene grinsend mitverfolgt hat und meint schläfrig zu mir:
"du ziehst immer die gleichen seltsamen typen an. magisch."
"aber echt. dich hab ich ja auch angezogen."
"ich bin nicht seltsam."
"du bist ein außerirdischer", sage ich liebevoll.
"ich bin kein marsmännchen, ich bin einfach nur peter pan", wehrt sich das objekt und vergräbt den kopf wieder in den armen.
ich knuffe seine blasse wange. sie fühlt sich heiß an.
"nich wachmachen, büddeee..." nuschelt peter pan.
"willst du nicht nach hause?"
das objekt schüttelt den kopf.
"aber du musst ins bett. du hast fieber."
"ich bleib für immer hier", beharrt das objekt.
"gut", erwidere ich, "ich jedenfalls gehe jetzt."

ich drehe mich um und will hinaus in den regen stiefeln, endlich nach hause nach diesem merkwürdigen abend. an tür legt sich mir plötzlich eine hand auf die schulter. ich wirble erschreckt herum, bereit, dem freak gepflegt die stirn zu bieten und ihm dabei die nase zu zertrümmern. doch dann halte ich inne, denn es ist bloß das objekt, das zerzaust vor mir steht:
"ich hab dich ja noch gar nicht richtig verabschiedet!"

zwei bärenhafte umarmungen später sitze ich eingemummelt auf dem fahrrad und radle durch den wolkenbruch. als ich im dämmerlicht zuhause ankomme, friere ich und muss niesen. die objekt-viren scheinen eine ähnliche anziehungskraft zu besitzen wie die objekt-pheromone: sofortige infizierung mit unmittelbar eintretendem sexualtrieb- respektive erkrankungsausbruch. was soll´s. ich putze zähne, anschließend zünde meine vanille-kerze an, kuschle mich ins bett auf meine nagelneue super-heizdecke und mache mir ein paar warme gedanken...

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Mittwoch, 22. September 2010
objektstolz
nach dem akt.
"was ist mir dir, du zitterst ja, ist dir kalt?"
das objekt, das sonst zwei minuten nach der ejaklation in katatonische starre verfällt und höchstens noch für nackenkraulen zu haben ist, befindet sich in liebevoll-besorgter aufregung und breitet unkoordiniert-hektisch alle vorhandenen decken über mich.
"mir ist nicht kalt, ganz im gegenteil", wehre ich mich gegen die schwarze, immer frisch gewaschen duftende flanell-flut, die das objekt über mich sinken lässt.
"was dann? bist du müde?"
die grünen objekt-augen fixieren mich prüfend. (sie sind ganz pupille, ganz glas, wunderschön jenseitige junkie-augen eben, bei denen ich mich oft frage, wie man so fern aller wirklichkeit noch so viel aufmerksamkeit für eine andere person aufbringen kann.)
"ich bin nicht müde", sage ich.
das objekt fasst mein handgelenk und fühlt mit routiniertem griff meinen technoid wummernden puls. es grinst:
"nein, müde bist du bestimmt nicht. sag mir, was ist los mit dir? wonach ist dir?"
ich muss lachen:
"hey, alles ist gut. das ist nur postkoitales beben."
"postkoitales beben", das objekt wiederholt bedächtig meine worte und grinst stolz wie ein löwe. "das hast du gut gesagt."
dann rollt sich der löwe in meinen armen zusammen wie ein kätzchen. fünf minuten später schläft er tief und fest. im schein der niederbrennenden kerzen spiegeln sich silbergraue fäden in der kupferroten mähne, die immer nach kindershampoo riecht und irgendwann auch mich süß in den schlaf duftet.

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Sonntag, 19. September 2010
eingestehen
wenn du morgens im bad beschäftigt bist und die tür unvermittelt aufgerissen wird und vor dir steht ein kleiner junge mit blonden langen haaren und den blitzgrünen augen, die du so gut in einem anderem gesicht kennst, dann, ja dann bleibt keine zeit mehr für haarklammern und fummelkram, denn das kind muss pipi und rennt sonst so lange wie ein irrwisch um den küchentisch, bis der komatöse, restbekiffte vater wieder ins schlafzimmer geht, sich die bettdecke über den kopf zieht und für niemandem mehr zu sprechen ist, wenigstens für fünf minuten, denn es ist anstrengend, ungeheuer anstrengend und nervig, aber irgendwie auch wunderbar.

***

dann sitzt die sündige patchwork-familie am frühstückstisch, der lütte mampft drei löffel frühstücksflocken mit milch, bis er nicht mehr mag, weil er matschige cornflakes nicht ausstehen kann, stattdessen will er das mensch-ärgere-dich-nicht-spiel aus dem regal holen und bettelt, spielst du mit mir, aber leider habt ihr nur noch acht minuten, bis ihr los müsst, du zur s-bahn, der kleine zur schule und der vati ins schwimmbad, um vor der spätschicht seine 3000 anti-aggressions-meter zu absolvieren. und während ihr da sitzt und die uhr unbarmherzig weitertickt, und während der vati liebevoll schulbrote macht, betrachtest du den kleinen und fragst dich, wie viele fremde frauen er wohl ständig kennenlernt, die morgens das bad und die küchenbank blockieren und ein bisschen tut er dir leid, und ein bisschen tust auch du dir leid, auch wenn der moment ein stück vom himmel in sich trägt.

***

arm in arm auf offener straße fühlt sich merkwürdig intim und pärchen-like an und du sträubst dich innerlich, weil du ja weißt, emotionen sind nur begrenzt möglich, diese konstellation ist ein minenfeld und du schwebst jederzeit in gefahr, dass dir ein lebenswichtiger seelenteil herausgefetzt wird, aber immer wieder gibt es zwei sekunden, in denen du das sträuben vergisst und sich einen halben zentimeter über der magengrube der spätsommer breit macht.

***

keine 36 stunden später detoniert dann ein sprengsatz auf euerem minenfeld, ein ziemlich großer sogar, er hat das format einer blonden schönheit, und du weißt, wie der abend enden wird, noch bevor einer seinen mund aufmacht, aber das sind die regeln eueres spiels, die du selbst mit erfunden hast, und heute hast du die arschlochkarte gezogen. nichtsdestoweniger versuchst du dich zu amüsieren und lässt dir von zwei typen ein ohr abkauen, bis sich ein gemeinsamer freund zu dir setzt und dich aus ziemlich heiterem himmel fragt, was um himmelswillen du denn suchst, warum du so rastlos bist und innerlich nie anzukommen scheinst. in diesem moment rauscht die mühsam aufgebaute fröhlichkeit des abends die klippen hinunter, du rollst die augen hinterher, um die tränen erfolglos zurückzuhalten, der freund nimmt dich bestürzt in den arm, und für einen moment bist du dankbar, dass dich jemand kurz vom minenfeld holt und als du wieder sprechen kannst, sagst du, ankommen ist gefährlich, bleiben noch mehr, vor allem, wenn du es dir gegen deinen eigenen willen wünschst.

***

auf dem nachhauseweg regnet es im strömen, es macht dich fast froh, diese stellvertreter-tränen der düsterwolken da droben, und auch wenn du gerade erst in der klinik und auf antibiotikum warst, genießt du es, tropfnass und eiskalt zu werden, abzukühlen, um die letzten stunden zu schockfrosten. gegen sechs uhr morgens schließt du das fahrrad an die säule vor deiner haustür, als deine hand, den schlüssel in der tasche suchend, das handy berührt, das kurz plingt und den eingang einer sms ankündigt. du öffnest die nachricht, bist erstaunt, dass der große casanova dir schreibt, bevor er die blonde in die kiste zieht, und bist noch mehr erstaunt, als du liest, verzeih, denn es gibt ja nichts zu verzeihen, schließlich seid ihr euch nichts schuldig und ebenso wenig wäre dies das erste mal. und obwohl das kleine wort nichts ändert, verändert sich dennoch etwas in dir, von dem du noch nicht weißt, was es ist, aber es ist schön, groß und stark.

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Freitag, 10. September 2010
die hosen runterlassen
wir sind kränklich, aber nicht mehr krank genug, um nicht misslaunig zu werden ob der unfreiwilligen ruhe. 48 stunden, nachdem man/n mich als zusammengesunkenes, wirr fieberndes und völlig dehydriertes häuflein elend in die notaufnahme brachte, bin ich auf dem steilen weg der besserung. das merkte ich unter anderem daran, dass die 1/4 scheibe brot, die ich zuvor nur unter würgen und alleinig wegen der antibiotikum-bombe hinunterbrachte, heute in zwei happs gegessen war und ich anschließend dachte: jetzt wäre ein schöner großer latte mit karamell genau das richtige!

eigentlich spräche nichts dagegen, einmal nach nebenan zum liebenwerten portugiesen zu gehen und sich ein yummie-kaffegetränk hinter die binde zu gießen (schnauze, geldbeutel, du musst nicht immer das letzte wort haben!). doch der bauch wagt plötzlich einspruch. er gluckert kurz bedrohlich, dann muss ich rennen. damit nicht genug. kaum stehe ich auf nun doch wieder zittrigen beinen, muss ich nochmal rennen, diesmal mich übergeben. lovely.

ich fühlte mich an meine kindheit erinnert, als ich mindestens einmal jährlich mit antibiotikum-bedingt schlingerndem magen mit brecheimerchen vor den füßen auf der bettkante saß und zwei stunden lang vergeblich versuchte, mich selbst vom würgereiz abzulenken. später, so ab meinem 14. lebensjahr oder so hatte ich gottseidank kein antibiotikum mehr gebraucht. entweder war ich kerngesund oder tat so, weil ich es auf jeden fall vermeiden wollte, meine antibiotikum-überempfindlichkeit erneut auf den prüfstand zu setzen. aber ich sehe es ja kein, am mittwoch war rien-ne-va-plus oder wie die ärztin richtig anmerkte, das bakterium hätte ja auch meinen herzmuskel schädigen können.

das gute daran ist, jetzt muss ich aus dem haus und darf ganz legitim zur apotheke watscheln, um wieder neue medikamente zu kaufen, diesmal eben gegen die nebenwirkungen. aber es bedeutet, wenigstens eine halbe stunde eine sinnvolle beschäftigung zu haben. vorhin habe ich sogar schon im büro angerufen. nur, um zu hören, wie es ohne mich miss-unentbehrlich so läuft. wenn es mir heute abend gut geht, werde ich mir erlauben, einen teil der wohnung zu putzen. und morgen den anderen - damit ich auch ordentlich was davon habe. sowas muss man schließlich zelebrieren: das warme, duftende putzwasser, das satte platschen des bodenwischtuchs auf dem pseudoparkett, die hinterher blank spiegelnden flächen. ich gerate ins schwärmen.

wenn noch irgendjemand ein kleines projekt - die welt retten oder so - für mich hat, kann er sich gern an mich wenden. ich hab langeweile.

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