Freitag, 10. September 2010
die hosen runterlassen
wir sind kränklich, aber nicht mehr krank genug, um nicht misslaunig zu werden ob der unfreiwilligen ruhe. 48 stunden, nachdem man/n mich als zusammengesunkenes, wirr fieberndes und völlig dehydriertes häuflein elend in die notaufnahme brachte, bin ich auf dem steilen weg der besserung. das merkte ich unter anderem daran, dass die 1/4 scheibe brot, die ich zuvor nur unter würgen und alleinig wegen der antibiotikum-bombe hinunterbrachte, heute in zwei happs gegessen war und ich anschließend dachte: jetzt wäre ein schöner großer latte mit karamell genau das richtige!

eigentlich spräche nichts dagegen, einmal nach nebenan zum liebenwerten portugiesen zu gehen und sich ein yummie-kaffegetränk hinter die binde zu gießen (schnauze, geldbeutel, du musst nicht immer das letzte wort haben!). doch der bauch wagt plötzlich einspruch. er gluckert kurz bedrohlich, dann muss ich rennen. damit nicht genug. kaum stehe ich auf nun doch wieder zittrigen beinen, muss ich nochmal rennen, diesmal mich übergeben. lovely.

ich fühlte mich an meine kindheit erinnert, als ich mindestens einmal jährlich mit antibiotikum-bedingt schlingerndem magen mit brecheimerchen vor den füßen auf der bettkante saß und zwei stunden lang vergeblich versuchte, mich selbst vom würgereiz abzulenken. später, so ab meinem 14. lebensjahr oder so hatte ich gottseidank kein antibiotikum mehr gebraucht. entweder war ich kerngesund oder tat so, weil ich es auf jeden fall vermeiden wollte, meine antibiotikum-überempfindlichkeit erneut auf den prüfstand zu setzen. aber ich sehe es ja kein, am mittwoch war rien-ne-va-plus oder wie die ärztin richtig anmerkte, das bakterium hätte ja auch meinen herzmuskel schädigen können.

das gute daran ist, jetzt muss ich aus dem haus und darf ganz legitim zur apotheke watscheln, um wieder neue medikamente zu kaufen, diesmal eben gegen die nebenwirkungen. aber es bedeutet, wenigstens eine halbe stunde eine sinnvolle beschäftigung zu haben. vorhin habe ich sogar schon im büro angerufen. nur, um zu hören, wie es ohne mich miss-unentbehrlich so läuft. wenn es mir heute abend gut geht, werde ich mir erlauben, einen teil der wohnung zu putzen. und morgen den anderen - damit ich auch ordentlich was davon habe. sowas muss man schließlich zelebrieren: das warme, duftende putzwasser, das satte platschen des bodenwischtuchs auf dem pseudoparkett, die hinterher blank spiegelnden flächen. ich gerate ins schwärmen.

wenn noch irgendjemand ein kleines projekt - die welt retten oder so - für mich hat, kann er sich gern an mich wenden. ich hab langeweile.

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Dienstag, 7. September 2010
hals haben
hab nen echten hals wegen dieser halsschmerzen.

gleich geh ich sogar zum doc deswegen. wegen so einer pillepalle-scheiße. aber es wird seit freitag immer schlimmer.

sonst neige ich ja nicht gerade zu sowas. das verfallsdatum meiner zuletzt gekauften packung halspastillen spricht bände: 10/2004.

seit mai geht es mir körperlich nicht gerade gut. was ist seit mai anders? am 1. mai habe ich das objekt kennengelernt. vielleicht schlägt sich dieser nackte, geile wahnsinn ja irgendwie immunologisch nieder.

gedrückte daumen und genesungstipps werden gern übrigens entgegengenommen. also nur, falls hier noch irgendwie hin und wieder liest.

***

brandheißes update vom 09.09.:

nach komplettzusammenbruch, kliniktag und antibiotikazufuhr nähert sich das fieberthermometer wieder normalnull. zustand noch schwach, aber optimistisch.

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Freitag, 27. August 2010
tierliebe
als kind durfte ich kein haustier haben. warum, erklärte mir mein hausarzt: "du hast eine hausstauballergie und bist gegen alles allergisch, was fell trägt." das erfuhr ich mit sechs jahren, als ich mir gerade sehnlichst ein kaninchen wünschte. oder eine katze. oder wenigstens ein mäuschen.

ja, schöne scheiße. allergisch zu sein machte überhaupt keinen spaß. es bedeutete auch, dass ich keine kuscheltiere, keine teppiche, bettfedern oder vorhänge abkonnte. aber all das war nicht so schlimm wie kein tier. jedenfalls keins mit fell. ich beglotzte die goldfische im aquarium bei unserem tierhändler um die ecke. die goldfische glotzten zurück. sie schienen mir nicht zuzurufen: bitte nimm uns mit und kuschle mit uns! ähnlich erging es mir mit den wasserschildkröten. es war einfach keine liebe auf den ersten blick. und auf den zweiten irgendwie auch nicht.

meine mutter war mir keine große hilfe. ihr kam meine allergie vermutlich nicht ungelegen. sie wollte ohnehin kein kaninchen und auch keine katze, sondern lieber einen hund. und auch gegen einen hund fand sie tausend ausreden. unterdessen putzte sie den ganzen tag um mich schnoddernase herum und wirbelte so mehr milbenkacke auf als für mich gesund gewesen wäre.

ich hielt mir irgendwann einmal ein paar schnecken in einem schuhkarton. sie hießen julius, saskia und tanjo. dass schnecken zwitterwesen sind und sich gegenseitig mit liebespfeilen zum orgasmus schießen, lernte ich erst im leistungskurs biologie. doch auch dieses wissen hätte nicht verhindert, dass julius, saskia und tanjo relativ rasch verstarben - genauso wie julius II, saskia II und tanjo II. regelmäßig füttern lernt man bei anderen haustieren, die über gewisse kommunikative fähigkeiten verfügen (kläffen, kratzen, sonstigen radau machen) wohl schneller.

als ich besser lesen konnte und das wort "desensibilisierung" im wörterbuch nachgeguckt hatte, versuchte ich es noch einmal mit argumenten.
"mama, wenn ich ein kaninchen hätte, würde das mich gesund machen!"
doch meine mama blieb stur. ich hasste sie dafür.

eines tages lief mir ein kätzchen zu. ich beherbergte es heimlich in unserer garage. tagelang merkte keiner was. meine eltern freuten sich vielmehr über mein plötzlich wiedererwachtes interesse an wurst- und fleischprodukten. "biste doch keine vegetarierin mehr", nuschelte mein vater zufrieden, während er seinen blutigen presssack mampfte. ich nickte und stopfte mir ganz viel schinken in den mund. dann warf ich mein messer hinunter, bückte mich und spuckte den ekligen schinken in eine serviette. mit der serviette in der tasche lief ich dann in der dämmerung nach draußen und versorgte die mieze.
wochenlang ging alles gut. dann verpetzte mich ein nachbar bei meiner mutter. aus der traum. da das tier angeblich eine ernsthafte gefahr für mich darstellte, wurde es sofort eleminiert, d.h. eingefangen und eingeschläfert. man erzählte mir, es sei krank gewesen, aber ich wusste schon damals: trau keinem über 30.

jetzt, mit 29 jahren, habe ich endlich mein erstes haustier. es mag obst und süßigkeiten, fernsehen, baden und seifenblasen. es kann "pipi" sagen, wenn es mal muss und nach draußen will. es ist rosa und hat einen hellblauen fleck am bauch und ist völlig anspruchslos, wenn es nicht gerade seine fünf minuten hat und töricht gegen eine wand läuft. ich nenne es george. kurzum, es handelt sich um ein tamagotchi. ja, lachen sie ruhig. ich weiß, es ist blöd und kindisch, aber besser als nüscht. zum kuscheln und spielen hab ich jetzt eh lieber zweibeiner. wegen meiner allergie natürlich am liebsten ohne allzu viel fell.

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Dienstag, 24. August 2010
prädikat, subjekt, objekt: story of a weekend
manchmal sind meine wochenenden nicht nur erschöpfend und schlaflos, sondern ein regelrechter emotionaler wahnsinn.

durch meine objektfixierung leide ich hin und wieder an geradezu bewusstseinseintrübenden depressionen. ich kann dann schlecht ab, wenn sich das objekt nach einer intensiven freitagnacht keine 12 stunden später auf der hafen-party vollkommen vollgedröhnt in die arme einer blondine wirft - insbesondere einer bestimmten blondine, von der ich weiß, dass sie das objekt ebenso abgöttisch-affenliebeartig verehrt wie ich. nunja. aber wir wollten es ja so.

das liebe-lieber-ungewöhnlich-konzept hat allerdings auch vorteile. man kann an solchen abenden völlig ungeniert in eigener sache flirten, ohne dass jemand kleinkariertes theater macht.

der betreffende, im folgenden subjekt genannt, war mir schon bei meiner ankunft aufgefallen. so verstrahlt, wie er guckte und so katzenhaft, wie er sich bewegte, musste er sich was eingeschmissen haben. ich vermutete spontan mdma, entschied mich dann für koks, denn für mdma tanzte er einfach zu stilsicher. ich selbst befand mich zu diesem zeitpunkt in aufgewühlt-zerbrechlicher laune, da meine eigenen stimmungsaufhellenden drogen noch nicht voll wirkten. also lächelte ich ihn an. er antwortete mit einem völlig ungenierten und sehr selbstbewussten grinsen. dann drehte ich mich um und ging nach oben an die bar, um die folgereaktion zu testen.
es funktionierte. kurze zeit später stand das subjekt neben mir. der small talk begann. hübsch den trampelpfad der konversation mit gegenseitigen komplimenten anlegen, dann die sache mit dem abfragen von eckdaten pflastern.

zuerst war ich dran. um meine sagenhafte karriere zu umreißen, erzählte ich eine gekürzte zusammenfassung der vergangenen zwei bis zweieinhalb jahre.
"du hast aber ein bewegtes leben", fand das subjekt.
"deshalb sehe ich ja auch so alt aus", gab ich zurück. das subjekt schüttelte den kopf.
"du bist wunderschön."
genau DAS will frau hören, wenn es schon anderen herzensmännern beim fremdknutschen zugucken muss.

dann schaute ich mir das subjekt genauer an. es hatte mir auf den ersten blick gut gefallen, aber auf den zweiten musste ich gestehen, dass es sich um einen sagenhaft hübschen menschen handelte. ich versuchte, ihn beruflich einzuordnen. ich vermutete entweder etwas kreatives, wobei es unter anderem sein klassisch-schönes äußerliches verwerten konnte (schauspieler, model, modedesigner) oder etwas eher gesetzteres in dieser art, für das man ebenfalls aber charisma braucht (architekt, regisseur, pressesprecher).
ich lag so falsch wie nie in meinem leben.
"ich habe fast dasselbe gemacht wie du", sagte das subjekt. "ich bin geisteswissenschaftler."
kurzum, ich hatte einen dozenten angemacht, ihm in schnoddriger, fäkalausdruckreicher sprache aus meinem verpfuschten leben erzählt und dabei pseudolasziv an meinem billigen outfit gezuppelt. ich musste mich erstmal peinlich berührt setzen und tief durchatmen. ich musterte das subjekt und sein puristisch-elegantes erscheinungsbild noch einmal von unter nach oben und von oben nach unten.
"bei uns sahen die professoren der geisteswissenschaften allesamt aus wie schrot-und-korn-fetischisten", blubberte ich dann.
das subjekt musste lachen.
"ich bin doch noch gar kein prof", sagte es.
"aber bald!" sagte ich.

als eine bank frei wurde, setzten wir uns. kaum, dass wir saßen, küsste mich das subjekt. ganz sachte, ohne über mich herzufallen, dann immer bestimmter. in diesem augenblick kam, wie soll es anders sein, das objekt vorbei. obwohl es selbst gerade den armen einer anderen frau entschlüpft war, überkam mich eine sekunde lang ein komisches gefühl. denn hin und wieder war das objekt verstimmt, wenn ich mich mit typen abgab, die in seinen augen arschlöcher waren. das konnte mir theoretisch zwar egal sein, aber praktisch hatte das objekt oftmals einfach recht. doch diesmal reagierte das objekt sehr souverän. über die schulter des subjekts hinweg grinste es mich amüsiert an und nickte wohlwollend.

in der morgendämmerung schießlich machten das subjekt und ich uns auf den weg nach hause. wir verliefen uns in hamburgs schnösel-seniorengetto hafencity und erregeten ein bisschen öffentliches ärgernis. ich stellte fest, dass das subjekt es faustdick hinter den ohren hatte. das hatte ich nicht gedacht, da es rein äußerlich zunächst sehr erwachsen, sehr elegant und ziemlich zurückhaltend wirkte.

als wir an der u-bahn standen, die mich nachhause bringen sollte, wurde mir schwindelig. kein schlaf, viel zu wenig getrunken und dann diese reizüberflutung. ich war verunsichert. wars das jetzt? oder wohin sollte das führen? was wollte dieser mensch von mir? er war mir so wahnsinnig fremd, obwohl wir uns den ganzen abend unterhalten hatten.

als ich zu taumeln begann, fing mich das subjekt auf. und kurz, bevor die u-bahn aus dem schachte rauschte, fragte es mich die entscheidende frage, die mir den boden unter die füße zurückbrachte: "wann sehen wir uns wieder?"

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Samstag, 21. August 2010
bursting into each other
sex, der schon wieder grenzen sprengt, weil er körperliche, geistige und seelische intimität in kaum gekanntem ausmaß impliziert.
intensität, die körperlich weh tut.
eine nacht, von der man vermutlich wochenlang zehren wird.

danke dafür. und danke für dein vertrauen.

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