Dienstag, 4. Mai 2010
a dieu
als kind dachte ich immer, man müsse es spüren, wenn ein naher verwandter das leben verlässt. so eine art kleiner windhauch, der zum letzten mal durch die blätter fährt, den staub im regal aufwirbelt, die tür ins schloss fallen lässt.

doch eine(r) nach dem anderem starb und nicht einziges mal habe ich etwas davon bemerkt. wie die diebe schleichen sie sich davon, tags oder nachts oder vielleicht in der zeit dazwischen, wie in einem synaptischen spalt.

der tod ist die gnade. dein tod war die einzige wahrheit, das einzig richtige nach soviel falsch. die letzten wochen deines lebens müssen dir unerträglich gewesen sein. es sagte mal einer, sterben sei wie eine krankheit, die immer schlimmer wird, bis der tod sie heilt. du bist so lange gestorben. es hat weh getan, das zu wissen. es hat gut getan, es nicht zu sehen.

vielleicht gibt es da jemandem, der hinter dem vorhang der bühne, die sich welt nennt, die fäden zieht. ich bin leider ein kind des zweifels. aber ich bin auch ein kind der liebe und ich denke, vertrauen ist das einzig angebrachte. das einzige, was das leben so lange erträglich macht, bis der tod auch mich einmal ruft.

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Sonntag, 2. Mai 2010
krawall und remmidemmi
wenn man erst einmal in der schanze ist, fällt einem gar nicht so auf, was sich von außen so zusammenbraut. heute nachmittag gegen fünf noch gespenstische stille, grüppchen von anarchoprinzen und -prinzesschen (kinder mit reichen eltern, reihenhaus und garten, die den aufstand proben (= ich gleich mich klamottentechnisch meiner peergroup an), aber noch nichts geschnallt haben), hunde. die psychologin und ich sitzen im café und reden über verhängnisvolle verhältnisse mit verheirateten männern und das komplizierte erwachsenwerden, dessen ende unsere eltern jeden moment erwarten ("kind, wann machst du denn nun mal karriere?!"). was die männer betrifft, einigen wir uns rasch auf ein paar gemeinsame nenner:
1. scheiße, wenn er kinder hat. vaddis kehren immer zu den muddis zurück.
2. beim schlussmachen schicken sie einem noch einmal einen rehabilitativen brief, mit dem sie ihr schlechtes gewissen beruhigen.
3. wenn er morgen mit einem blumenstrauß vor meiner tür stünde, würde ich wahrscheinlich trotzdem immer noch "ja" jauchzen. scheiß pheromone!

um halb acht uhr, als man uns das heiße wasser mit der frischen minze bringt, mahnt uns die kellnerin (ehemalige dressurreiterin in sehr schicker bluse aus sehr besuchenswertem second-hand-laden): "wir schließen in einer halben stunde!" letzte nacht sei schlimm gewesen, erfahren wir. als wir 25 minuten später zahlen wollen, hat sie es offenbar nicht mehr so eilig. sie schwatzt noch mit dem chef, während wir die münzen schon ungeduldig auf dem tisch herumschieben. wir spüren ein nervöses kribbeln in den haarspitzen. in der ferne das blinken von blaulichtern. als wir das schulterblatt entlang laufen, geraten wir in horden schwarz gekleideter potenzieller gegenstände-demolierer, die uns streitlustig anschauen. "keine angst, wenn du nicht dumm schaust, kriegst du auch nicht in die fresse!" sage ich. ich selbst allerdings bin froh, dass ich mein fahrrad noch aus der unheilvoll dreinschauenden versammlung vor der haspa ziehen konnte. jedes kind weiß, dass die haspa das rote tuch des schwarzen blocks ist, doch ich musste natürlich mein rad davor parken. aber ich liebe ja das adrenalin.
die psychologin ist ein bisschen beunruhigt, vor allem, als ein knaller losgeht. wir trippeln die endlosen polizeiwagenreihe, die die straße absperrt, entlang. inzwischen türmt auch der himmel rauchschwarze wolken auf, so, als würde es da droben bei der heiligkeit brennen. passend zur stimmung regnet es. irgendwie kommen wir aus dem auflauf heraus und bis zum schlump und verabschieden uns.
es bleibt spannend. heute nacht sehen wir dann weiter. es liegt etwas in der luft.

6:32 uhr. in altona war alles friedlich. und hey, im stammclub sogar mal wieder einen mann gesehen, der mir gefallen hätte. er erinnerte mich ein klitzekleines bisschen an jarvis cocker. wir spielten dann das übliche spiel. erst guckte er, dann guckte ich, dann allerdings guckten wir weg. naja, so wird das nichts. schüchternheit kann man gegenseitig steigern und dann endet alles in der totalen verunsicherung.

ein anderer beobachtete mich und wagte es dann zum rausschmeißersong, mich anzusprechen. "ich hatte ziemlich bedenken, was zu sagen, denn ich dachte, du bist so jemand, der sich für sich allein einfach nur abschießen will", meinte der, als wir dann in einer ecke saßen und die üblichen abcheck-daten austauschten. hm. wie komme ich eigentlich rüber? wie eine alkoholkranke soziophobikerin? zu meiner verteidigung: ich hatte einen einzigen drink und war zum zeitpunkt des ansprechens auch schon wieder stocknüchtern.

als wir da so saßen und mir mein neuer verehrer eine zigarette drehte, tauchte plötzlich jarvis cocker wieder auf und schaute ein bisschen dumm. tja mein lieber, da war ein anderer schneller.

bevor die lichter angingen, flitzte die lokalprominenz mr. spilles (sofern ich mich jetzt nicht verguckt habe, müsste er es gewesen sein) herein und suchte wild in einem schwarzen stoffhaufen wühlend seine jacke.
"welche davon ist denn deine?", fragte er mich verzweifelt und hielt mir drei jacken vor die nase.
"keine", sagte ich, da ich meine jacke ordnungsgemäß an der garderobe abgegeben hatte. manche haben probleme, also ehrlich.
ein halbe stunde später radelte ich nach hause, diesmal ohne polizeikontrolle. denn die hatten diese nacht sicher besseres zu tun.

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positive schleifpunkt-vibrations
die tatsache, dass ich immer noch keinen führerschein habe, liegt unter anderem darin begründet, dass ich als großstadtkind ein auto nicht wirklich brauche und es mir ohnehin nicht leisten kann. sie ist jedoch auch ein wenig den suggestionen meiner frau mama geschuldet("kind, wir frauen haben kein gefühl fürs autofahren, ich hatte auch immer den eindruck, das fahrzeug hat die kontrolle über mich und nicht andersherum!") sowie meinem ersten desaströsen erlebnis hinter dem steuer ("oh gott, mein armes auto!"). doch wer stark durchs leben gehen will, muss auch den bedrohlichsten stier bei den hörnern packen, im idealfall mit der richtigen unterstützung. so gelang es mir nun endlich, das schwere trauma zu beseitigen, das seit meinem ersen fahrversuch auf mir lastete. mit dem heutigen tag lernte ich kurven fahren, die richtung wechseln, mit etwas glück im zweiten gang anfahren und vorwärts einparken (wenn kein anderes auto in meiner nähe und die parklücke so lang ist, dass ich etwa 30 zentimeter vor dem bordstein zum stehen kommen kann). dabei festgestellt: große, neue autos sind totaler mist. man muss doch fühlen, dass man da was lenkt, herrgottnochmal-kruzifixsacklzement. und siehe, nach etwa einer halben stunde gesetzeslosen, alle verkehrsanweisungen missachtenden kreisens auf dem parkplatz begann mir das autofahren tatsächlich spaß zu machen. mein sachkundiger fahrlehrer verhielt sich bemerkenswert ruhig, was aber auch am valium gelegen haben könnte, welches er sich zuvor eingeschmissen hatte, wie er später gestand.
anschließend sitzung zu dritt mit der netten psychologin. selbstkonzepte und die (männer)welt diskutiert, einen gekippt und hinterher auf dem fahrrad nach hause geschwankt. den lappen wegnehmen kann mir ja schließlich noch keiner.

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Freitag, 30. April 2010
rare & raw
ist ja auch eher selten, dass dir die fickgeschichte nach dem sex die hand hält.

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Dienstag, 27. April 2010
les petites choses
heute alles nur in embryonalstellung.

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müde. ein anderer auch. immer diese neuen leben. immer diese intensität.

ein mensch, der sein letztes erreicht hat, ein paar atemzüge noch, und dann ab- und übertritt in die stille.

in gedanken bin ich bei dir. durch meine wasserblauen augen siehst du diese welt, immer noch, auch danach. seit wochen nehme ich so abschied von dir. ich wünsche dir die letzte erlösung.

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am ende des tages doch noch tränen. vermutlich nur die erschöpfung. vermutlich nur dieser einzige, zynische satz, den ich sogar einem harry rowohlt gestern übel nahm.

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dankbarkeit gegenüber diesen zwei, drei, vier menschen, die im moment so sehr für mich da sind. es hilft. gegen die angst, gegen die einsamkeit, gegen das scheitern.

ich sage immer noch: eines tages. es fehlt gerade die kraft zu sagen: morgen.

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microbloggertreffen. hat mich sehr gefreut. es war belebend. and thank you for the music.

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Sonntag, 25. April 2010
und gleich: harry rowohlt
heute, 20 uhr, im polittbüro.

vielleicht sieht man sich ja.

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fünf bier und zwei cocktails
...und eine glücklich überstandene polzeikontrolle später sieht die welt schon wieder ganz anders aus.
(wie ein ruckelndes viedo mit lahmendem ton.) man könnte sich totlachen. so wie die polizisten eben.

auf der schnakcenburgallee.
polizist 1: "haben sie was getrunken?"
icke (auf dem fahrrad): "ich muss mal dringend pipi!!"
polizist 1: "das beantwortet die frage nicht!"
icke: "ehrlich, ich mach hier gleich in die hose!!"
polizist 2 (gröhlend): "sie haben aber einen rock an."
polizist 1: "einen sehr kurzen!"
kicherkicher.
icke: "wenn ich lache, muss ich noch viel doller."
polizist 2: "dann sehen sie mal zu, dass sie nach hause kommen! aber passen sie bitte auf sich auf... und auf die anderen, die ihren weg so kreuzen!"

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