Donnerstag, 10. Dezember 2009
number 5 alive
heute den ersten großauftrag rausgeballert. und dann habe ich auch noch gerade österreich erobert. wenn das so weitergeht, brauche ich personal. gott sei mir gnädig. und gott sende mir einen wirtschaftlich bewanderten korrekturleser für meinen businessplan.

am wochenende dann ein date mit peter spilles und eins mit harry rowohlt. das wird wieder teuer. aber konzerte und lesungen sind seelenfutter. ohne seelenfutter kein feuer, ohne feuer ein langer winter. und lange winter können sehr, sehr tödlich sein.

in zwei wochen heilig abend. wenn ich alle macht der welt hätte, würde ich dieses datum um einen monat nach hinten verschieben. die feiertage liegen wie ein klotz in meinem übervollen kalender und taugen zu so rein gar nichts.

und schließlich silvester. wo werde ich da wohl sein? allein auf dem dach des radisson hotel? ich werde sentimental. an silvester muss ich immer heulen, so ein bisschen. es ist ein fragiles datum. und ich habe es ganz offenbar zu häufig zu verzweifelt, zu alleine und in zu schlechter gesellschaft verbracht.

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Sonntag, 6. Dezember 2009
aus(v)ersehen
ein herzliches danke für gestern. die wärme (emotional wie heizkörperbedingt) war fantastisch. ich komme wieder, versprochen. es gibt ja noch eine million dinge zu entdecken.

bereits entdeckt: die frau mit den unheimlichen gemeinsamkeiten: exakt gleicher musikgeschmack, exakt gleiche form von agoraphobie, gleicher ring am gleichen finger ("das ist ein unikat!" - jaja), gleiche bandscheibenprobleme in verbindung mit einer zwangsunterbrechung des studiums, gleiche erlebnisse auf drogen, gleiche verzwickte gegenwärtige situation. bin gespannt, was wir herausfinden, wenn wir uns mal länger als drei stunden kennen.

gelernt: am richtigen ort findet man die richtigen leute, mit denen man sich blind versteht, mit denen man nicht konkurrieren und bei denen man nicht vor lauter ehrfurcht im sessel versinken muss. kein businessgequatsche, keine hochfliegenden träume, die dann doch im morast der klammheimlichen eigenen bürgerlichkeit steckenbleiben. menschen, die handeln, weil sie nichts zu verlieren haben - die schönste art von mut, weil der direkte gegenspieler verzweifelte lebensangst ist. daher zolle ich respekt - ihm, ihr, dir und mir selbst ebenfalls.

ach, und sehr viel später dann: der mann mit den kalten grünen augen und der atemberaubenden körperbeherrschung. der geschmeidig wie eine katze auf den tresen sprang, um zwei bier zu holen. eines der seltenen exemplare, die nicht reden müssen, sondern durch bloße körperlichkeit bezwingen. anyway: du hast den schönsten bauchnabel, den ich je gesehen habe.

p.s.: note to myself: nie wieder freitagnacht auf drogen leute mit anrufen belästigen und ihnen dinge sagen, an die man sich am nächsten tag nicht erinnern kann. ich fürchte, es war etwas, was ich nicht wieder wieder geradebiegen kann. und das ausgerechnet, wo mir mal etwas/jemand wichtig war.

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Dienstag, 1. Dezember 2009
unter null
das leben kann ein arschloch sein. aber da ist es ja in bester gesellschaft.

verdammt kalt heute.

anrufe in abwesenheit mit rufnummernunterdrückung machen mich panisch.

menschen, die mein geld wollen, auch.

ich bin ein widersprüchlicher mensch. angst, auf der straße angefahren zu werden. aber bei einfahrenden s-bahnen todessehnsucht entwickeln.

ich bin ein mensch, der im moment von allen seiten angreifbar ist. ich glaube, ich war nie nackter.

zu erheiterung des tages trugen folgende referrer bei:

- sex site blogger de
- wer leckt mich
- backlink-spam einer seite mit heiratsanzeigen für liebhaber von thai frauen

ich brauche keine 100. gib mir so 80, baby, oder wenigstens 50. alles unter 20 wird nämlich schwierig. dafür nehme ich nichts in den mund. nicht mal den satz: ja, ich will dich. nicht für weniger als 20 prozent. 20 prozent vertrauen.

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Montag, 30. November 2009
*

clint mansell/kronos quartet - requiem for a dream - lux aeterna

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Sonntag, 29. November 2009
11-88-s.o.s. - mach mich an!
das nachtleben hat mich wieder, als wäre es nie anders gewesen. meine schlafphasen reduzieren sich am wochenende auf vier bis sechs stunden, und so sehe ich dann auch aus. kellerbleich, aber strahlend. wer auf morbiden charme steht, fährt voll drauf ab.

gestern im club fragte mich mein zukünftiger wichtiger geschäftspartner, was sich frauen eigentlich so wünschen, als anmachespruch - also, wenn es gewissermaßen um die kaltakquise geht.
"meine netteste anmache ever ist eigentlich immer noch die, die vor 11 jahren zu meiner ersten langjährigen beziehung führte. der mensch kam plötzlich auf mich zu und sagte, er wolle mich nicht doof anmachen, er wünsche sich einfach nur, sich ein bisschen mit mir zu unterhalten."
"aha."
"was ich gut daran fand, ist, dass sich da jemand sehr wohl dessen bewusst war, dass man(n) furchtbare fehler beim ansprechen machen kann. und er hatte schiss, dass er bei mir einen machen würde. dafür bekam er bei mir sofort 100 respektpunkte. keine halbwegs kluge frau der welt hätte ihn für einen hirnamputierten aufschneider gehalten."
mein brandneuer geschäftspartner nickte, noch nicht ganz überzeugt. um ihm zum demonstieren, wie man es vielleicht besser nicht machen sollte, gab ich eine anekdote aus der jüngsten vergangenheit zum besten.

vor einigen stunden, als ich noch alleine rumstand, kam eine fürchterliche krücke auf mich zu. er sah aus wie beavis von beavis and butthead und war mir schon unangenehm aufgefallen, weil er sich ständig auf tuchfühlung bewegte und sein gesicht dabei immer in unmittelbarer nähe meines busens hatte.
"hey, du standest doch vorhin noch da drüben", grinste er mich zur begrüßung schief an.
"ähm, ja, korrekt", stammelte ich und wandte mich ab. er hierher, mit dem gesicht wieder schön meinen busen anpeilend.
"was machst du denn hier?"
spitzenfrage. was macht frau in der disco? ich suchte die beiden, mit denen ich verabredet war. diese realität gab mir eine gute vorlage für eine kleine lüge.
"ich suche meinen freund."
beavis sah kurzfristig aus, als hätte ich ihm in die eier getreten. dann grinste er wieder unverschämt sein hässliches grinsen.
"soll vorkommen. dann wünsch ich dir viel erfolg, hähähä!"
und weg war er. allerdings nicht für lange. ich hatte mich gerade in nähe der tanzfläche postiert, als er wieder angedackelt kam.
"na, haste deinen freund schon gefunden, hähähähä!"
was für eine spacke.
"der kommt später", sagte ich kurzangebunden.
"dann bin ich ja mal gespannt, hähähähähä!"
was bildete der sich eigentlich ein? ich drehte eine runde und stellte mich woanders hin, wo ich hoffte, dass mich beavis nicht finden würde. sonst würde er mich vielleicht wie die katze in die waschmaschine stecken? frau weiß ja nie.
dennoch gab auch dieses versteck - hinter zwei großen typen in einer dunklen ecke, wo nur noch zwei leere bierkästen standen - keine sicherheit her. beavis hatte mich schon wieder entdeckt.
"na, wo isser denn nun, dein freund! isser verschollen, hähähähähä!"
so, und nun reichte es mir, mein freundchen. ich trat ganz nah an beavis heran, senkte mein haupt auf höhe seiner visage, sodass er seine nase aus meinen brüsten nehmen musste, und zischte:
"sag mal, hast du IRGENDEIN PROBLEM?!" eigentlich wollte ich noch hinzufügen, ob er von meinem imaginären freund was in die fresse wolle, aber da war beavis schon verschwunden. zum glück tippte mir in diesem moment auch meine verabredung auf die schulter und führte mich zur bar, um mir meinen künftigen geschäftspartner vorzustellen.

"psycho", fand meiner neuer geschäftspartner. "das ist ja zum weglaufen."
"es gibt aber auch angenehme, ungewöhnliche anmachen, die zu nix führen", erwiderte ich und erinnerte mich an den dorf-hoschi vom vorabend.
der hatte mich angesprochen, als ich mich auf der treppe nach oben gerade über den zigarettenautomaten streckte, um einen flyer aus den kartenständer zu angeln. als ich spürte, dass jemand neben mir stand, drehte ich mich um. da war dorf-hoschi, 21 jahre, halblange blonde haare, blaues t-shirt, turnschuhe und verdammt unschuldig.
"kannst du mir mal erklären, was nu metal ist", hielt er mir unvermittelt einen flyer direkt unter die nase. ich nahm ihm den zettel aus der hand, kramte in meinem hirn nach meinem wissen aus der musikredaktion und versuchte mich in musikalischer zeitgeschichte. dorf-hoschi hing sichtlich an meinen lippen, steuerte den ein oder anderen netten und sogar klugen kommentar bei und platzte dennoch fast vor bewunderung. mich allerdings beschlichen beinahe mütterliche gefühle, vor allem, als ich hörte, wo er herkam, und ich bestand darauf, ihn zu seinem auto zu bringen, weil es kalt und finster war und sicherlich schreckliche schurken auf den straßen des kiez auf naive kleine dorf-hoschis lauerten. außerdem hatte ich ja auch noch den heavy-metal-jüngling im schlepptau, den ich bei seiner mama abgeben musste.

"aber ihr habt euch doch nett unterhalten", sagte mein zukünftiger wichtiger geschäftspartner.
"trotzdem, wenn du einer nicht musikalisch bewanderten frau eine solche frage stellst, stellst du in der regel nur ihre unkenntnis bloß. kaum eine wird dir auf anhieb sagen können, was nu metal oder postpunk oder french wave ist. und dann haut sie ab, weil sie dich für einen schrägen vogel hält, der sie verarschen will."
"dann weiß ich ja nun bescheid", sagte mein künftiger partner. "fehlt nur noch eins..."
"was denn?"
"man müsste eben auch die eier haben und mal eine ansprechen!"
"ich denke mal, die meisten frauen wissen schon, wie schwierig das ist. ich zolle jedem respekt, der mich anspricht, wenigstens ein kleines bisschen."
"auch beavis?!"
"ich habe ihm knapp, aber höflich geantwortet. ich hätte ihm auch meinen wein ins gesicht schütten, wild um mich schlagen und hysterisch zum türsteher rennen können."
"ich wäre wahrscheinlich an so eine tante geraten..."
"have a little faith. das sage ich jedem."
"du kannst das aber auch."
"was?"
"jemanden an der hand nehmen."
ich lächelte.
"ich bin auch bloß die mutti der nationen."

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