Sonntag, 29. November 2009
11-88-s.o.s. - mach mich an!
das nachtleben hat mich wieder, als wäre es nie anders gewesen. meine schlafphasen reduzieren sich am wochenende auf vier bis sechs stunden, und so sehe ich dann auch aus. kellerbleich, aber strahlend. wer auf morbiden charme steht, fährt voll drauf ab.

gestern im club fragte mich mein zukünftiger wichtiger geschäftspartner, was sich frauen eigentlich so wünschen, als anmachespruch - also, wenn es gewissermaßen um die kaltakquise geht.
"meine netteste anmache ever ist eigentlich immer noch die, die vor 11 jahren zu meiner ersten langjährigen beziehung führte. der mensch kam plötzlich auf mich zu und sagte, er wolle mich nicht doof anmachen, er wünsche sich einfach nur, sich ein bisschen mit mir zu unterhalten."
"aha."
"was ich gut daran fand, ist, dass sich da jemand sehr wohl dessen bewusst war, dass man(n) furchtbare fehler beim ansprechen machen kann. und er hatte schiss, dass er bei mir einen machen würde. dafür bekam er bei mir sofort 100 respektpunkte. keine halbwegs kluge frau der welt hätte ihn für einen hirnamputierten aufschneider gehalten."
mein brandneuer geschäftspartner nickte, noch nicht ganz überzeugt. um ihm zum demonstieren, wie man es vielleicht besser nicht machen sollte, gab ich eine anekdote aus der jüngsten vergangenheit zum besten.

vor einigen stunden, als ich noch alleine rumstand, kam eine fürchterliche krücke auf mich zu. er sah aus wie beavis von beavis and butthead und war mir schon unangenehm aufgefallen, weil er sich ständig auf tuchfühlung bewegte und sein gesicht dabei immer in unmittelbarer nähe meines busens hatte.
"hey, du standest doch vorhin noch da drüben", grinste er mich zur begrüßung schief an.
"ähm, ja, korrekt", stammelte ich und wandte mich ab. er hierher, mit dem gesicht wieder schön meinen busen anpeilend.
"was machst du denn hier?"
spitzenfrage. was macht frau in der disco? ich suchte die beiden, mit denen ich verabredet war. diese realität gab mir eine gute vorlage für eine kleine lüge.
"ich suche meinen freund."
beavis sah kurzfristig aus, als hätte ich ihm in die eier getreten. dann grinste er wieder unverschämt sein hässliches grinsen.
"soll vorkommen. dann wünsch ich dir viel erfolg, hähähä!"
und weg war er. allerdings nicht für lange. ich hatte mich gerade in nähe der tanzfläche postiert, als er wieder angedackelt kam.
"na, haste deinen freund schon gefunden, hähähähä!"
was für eine spacke.
"der kommt später", sagte ich kurzangebunden.
"dann bin ich ja mal gespannt, hähähähähä!"
was bildete der sich eigentlich ein? ich drehte eine runde und stellte mich woanders hin, wo ich hoffte, dass mich beavis nicht finden würde. sonst würde er mich vielleicht wie die katze in die waschmaschine stecken? frau weiß ja nie.
dennoch gab auch dieses versteck - hinter zwei großen typen in einer dunklen ecke, wo nur noch zwei leere bierkästen standen - keine sicherheit her. beavis hatte mich schon wieder entdeckt.
"na, wo isser denn nun, dein freund! isser verschollen, hähähähähä!"
so, und nun reichte es mir, mein freundchen. ich trat ganz nah an beavis heran, senkte mein haupt auf höhe seiner visage, sodass er seine nase aus meinen brüsten nehmen musste, und zischte:
"sag mal, hast du IRGENDEIN PROBLEM?!" eigentlich wollte ich noch hinzufügen, ob er von meinem imaginären freund was in die fresse wolle, aber da war beavis schon verschwunden. zum glück tippte mir in diesem moment auch meine verabredung auf die schulter und führte mich zur bar, um mir meinen künftigen geschäftspartner vorzustellen.

"psycho", fand meiner neuer geschäftspartner. "das ist ja zum weglaufen."
"es gibt aber auch angenehme, ungewöhnliche anmachen, die zu nix führen", erwiderte ich und erinnerte mich an den dorf-hoschi vom vorabend.
der hatte mich angesprochen, als ich mich auf der treppe nach oben gerade über den zigarettenautomaten streckte, um einen flyer aus den kartenständer zu angeln. als ich spürte, dass jemand neben mir stand, drehte ich mich um. da war dorf-hoschi, 21 jahre, halblange blonde haare, blaues t-shirt, turnschuhe und verdammt unschuldig.
"kannst du mir mal erklären, was nu metal ist", hielt er mir unvermittelt einen flyer direkt unter die nase. ich nahm ihm den zettel aus der hand, kramte in meinem hirn nach meinem wissen aus der musikredaktion und versuchte mich in musikalischer zeitgeschichte. dorf-hoschi hing sichtlich an meinen lippen, steuerte den ein oder anderen netten und sogar klugen kommentar bei und platzte dennoch fast vor bewunderung. mich allerdings beschlichen beinahe mütterliche gefühle, vor allem, als ich hörte, wo er herkam, und ich bestand darauf, ihn zu seinem auto zu bringen, weil es kalt und finster war und sicherlich schreckliche schurken auf den straßen des kiez auf naive kleine dorf-hoschis lauerten. außerdem hatte ich ja auch noch den heavy-metal-jüngling im schlepptau, den ich bei seiner mama abgeben musste.

"aber ihr habt euch doch nett unterhalten", sagte mein zukünftiger wichtiger geschäftspartner.
"trotzdem, wenn du einer nicht musikalisch bewanderten frau eine solche frage stellst, stellst du in der regel nur ihre unkenntnis bloß. kaum eine wird dir auf anhieb sagen können, was nu metal oder postpunk oder french wave ist. und dann haut sie ab, weil sie dich für einen schrägen vogel hält, der sie verarschen will."
"dann weiß ich ja nun bescheid", sagte mein künftiger partner. "fehlt nur noch eins..."
"was denn?"
"man müsste eben auch die eier haben und mal eine ansprechen!"
"ich denke mal, die meisten frauen wissen schon, wie schwierig das ist. ich zolle jedem respekt, der mich anspricht, wenigstens ein kleines bisschen."
"auch beavis?!"
"ich habe ihm knapp, aber höflich geantwortet. ich hätte ihm auch meinen wein ins gesicht schütten, wild um mich schlagen und hysterisch zum türsteher rennen können."
"ich wäre wahrscheinlich an so eine tante geraten..."
"have a little faith. das sage ich jedem."
"du kannst das aber auch."
"was?"
"jemanden an der hand nehmen."
ich lächelte.
"ich bin auch bloß die mutti der nationen."

... link


Sonntag, 29. November 2009
zahlengenie
die sache mit dem finanzteil im businessplan ist die größte katastrophe, die mir seit meinem examen begegnet ist. ich bin ehrlich ratlos. diese beknackte software ist unentschlüsselbar. mein lieblingsfeld heißt "sonstiges" und taucht unter jeder rubrik auf.

jetzt muss ich gleich los, in irgendjemands fremden armen weinen einen lieben bekannten treffen, den um rat fragen und mich seinem und vielleicht bald auch meinem neuen geschäftspartner vorstellen. das ganze dann heute hoffentlich bei etwas besserer musik.

vor meinem fenster lungern komische gestalten. geht ma weg da, bitte. sonst komme ich raus und ihr müsst zahlen.

... link


st.-pauli-nachrichten
der kiez wird mir wider willen zunehmend sympathischer.

natürlich war die party wieder scheiße, mit schrubbenden emo-kiddies und musik zum hämorrhoidenbluten. aber ich stelle fest: um-die-20-jährige finden mich offenbar sehr toll. gut, dass ich nicht lehrerin geworden bin.

sehr netten heavy-metal-jungen und sehr netten dorf-hoschi kennengelernt. mit der großzügigen vergabe von telefonnummern muss ich aber künftig vorsichtiger sein. obwohl, dank der hamburger unverbindlichkeit ruft ja eh keiner an. neulich habe ich schon überlegt, meine telefon-flat zu kündigen, weil ich die höchstens für meine mama brauche.

da ich eine verantwortungsbewusste endzwanzigerin bin, habe ich die buben eben noch nach hause gebracht. ordnung muss sein. mit reingegangen bin ich aber nicht, weil ich die mutti nicht wecken (und beunruhigen) wollte. ("kind, was hast du denn mit der alten frau da?!") außerdem stehe ich ja nur auf reife semester mit totalklatsche. kann ich auch nix gegen machen: hoffnungsloses ich, hoffnungsloser fall.

und jetzt? gehe ich mal diesen unglaublich smoothen sambuca-kiffe-mdma-radfahren-rausch auspennen.

morgen dann der finanzteil des businessplans. frau hat ja auch noch ein unternehmerleben.

... link


Mittwoch, 25. November 2009
why do the stars fall on me?
wer wohl im augenblick aus meinen mund spricht, fragte ich mich gestern erstaunt, während ich mir selbst zuhörte. der allmächtige selbst? und wen machte er aus mir? markinische löwin oder nietzsche (nietzische?)? aber vielleicht bin ich jetzt so. vielleicht wird man so, wenn man auch sonst ständig kämpft, um würde, um geld, ums überleben. man wird sehr pur und tritt seine ganz nutzlose geheimnisumwitterte aura, die man sich eine pubertät lang mühselig aufgebaut hat und auf die man so stolz war, wenn man erfolgreich mit ihr verführte, in die nächste öffentliche mülltonne, weil es schnickschnack ist, den man sich nicht mehr leistet.

wo der ernst aufhört, beginnt das spiel. sagte mozart, glaub ich, und klimperte dabei auf den tasten. so schön.

67840 - You've got my number


c´est pour toi. parce que c´est à toi de décider d´une rencontre. mais négliges pas: tu as seulement recu un cadeau sans aucune obligation. alors, c´est plus facile que tu penses.

... link


Montag, 23. November 2009
on fire - tag der idioten
wenn dummheit weh täte, wärt ihr jetzt alle am schreien, sagte einst weise meine chemielehrerin, die sie irgendwann fortbrachten, weil sie zuviel über die außerirdischen schwafelte, die uns holen kämen, wenn wir zuviel schwarze kaffee tränken. oder so ähnlich.
geschrien hat heute keiner, offenbar, weil auch die story mit den außerirdischen nicht so ganz gestimmt hatte. trotzdem war ich den ganzen tag von idioten umgeben.

idiotin nummer eins: die neue angestellte. ich gab ihr den auftrag, ein bestimmtes foto bei einem unternehmen anzufordern. ich sagte, es sei dringend, 17 uhr bräuchten wir das bild. fünf minuten vor 17 uhr kam sie zu mir und meinte, es täte ihr leid, sie habe den ganzen tag versucht, da anzurufen, habe aber keinen erreicht. da die tür den ganzen tag offenstand, wusste ich, dass sie in vier stunden maximal einmal den telefonhörer in die hand genommen hatte. ich hatte schon eine gemeinheit auf der zunge, als sie mit kleinmädchenkulleraugenrollen (was schlecht geht, wenn man so groß wie ich und dann auch noch 20 kilo schwerer ist) sagte: "kannst du das nicht machen?!" angesichts von soviel dummdreistigkeit wurde mir ganz leer im kopf und auch die schöne, ätzende gemeinheit war mir entfallen. "jetzt ist es zu spät", fauchte ich sie lediglich an.

idiot nummer zwei: der servicetechniker unseres stromanbieters im büro. der stellte zwecks reparaturen den strom ab, vergaß aber vorher darauf hinzuweisen, dass wir vielleicht vorher den server runterfahren sollten. wir, vier bürochicks mit angst vor allem, was nur aus nullen und einsen besteht, saßen daraufhin vor rechnern, die sich nicht mehr mit dem server verbinden ließen. outlook und internet waren auch tot. wir guckten dumm. dann der brilliante vorschlag meiner kollegin nummer eins: "wir könnten doch den it-heini anrufen!" die nächste griff schon zum hörer, da fiel ihr ein, dass sie ja gar nicht in den outlook-kontakten nach der nummer des it-heinis suchen konnte. große panik unter den mädels. ich sah weniger ein problem: "rufen wir halt einfach die auskunft an." oh, brilliante idee. "welche nummer hat denn die auskunft", fragte kollegin nummer zwei betreten. "ich habe elf packungen antifaltencreme gekauft, bin 88 euro ärmer und habe immer noch null männer. klickert´s?" hahahahihihi.

idiotin nummer drei: die tante von der auskunft. obwohl wir vor- und zunamen unseren it-heinis, den namen seines serviceunternehmens und den standort zusammenkriegten, konnte sie uns nicht weiterhelfen. "sie sagt, es gäbe keine eintragung", zuckte meine kollegin die schultern, nachdem sie aufgelegt hatte. ich: "das glaub ich nicht." "doch, sagte sie aber", beteuerte meine kollegin. "wie oft hat sie geguckt?" bohrte ich nach. "einmal", wisperte meine kollegin. "faule mistschlampe", sagte ich. alles muss man selber machen. ich ging ins nachbarbüro und bat darum, an einen rechner mit internetanschluss gelassen zu werden. und nun raten sie mal, wen ich bei telefonbuch.de nach drei sekunden fand? unseren it-heini.

so wurde irgendwann, stunden später zwar, aber immerhin, alles gut. der server lebte, wir konnten fertig arbeiten und ich schließlich nach hause. auf dem weg dorthin begegneten mir die idioten nummer vier und fünf.
idiot nummer vier war der fahrer eines kleinwagens, der sich durch eine enge, schlecht asphaltierte straße mit ca. fünf kmh vor mir herbewegte und dann unvermittelt zum stillstand kam. ich war schon reichlich genervt, sah aber dann, dass etwa 20 meter vor uns jemand ausparkte. der kleinwagenidiot war offenbar scharf auf die parklücke. was kein problem gewesen wäre, wenn der ausparkende idiot es mal geschafft hätte, auszuparken. gut, er hatte einen kombi. gut, die straße war eng und finster und es hatte geregnet. aber zwischen ihm und dem kleinwagenidioten befanden sich wie bereits erwähnt mindestens 20 meter luft. die reichten jedoch nicht. es ging vor und zurück und wieder vor. der kleinwagenidiot hupte wie eine tussi (so kurz und schrill und empört, sie wissen schon). das half dem idioten im kombi auch nicht. also beschloss der kleinwagenidiot mal ganz spontan, den rückwärtsgang einzulegen, um aus 20 eben 30 meter zu machen. wobei er aber vergaß, dass ich ja auch noch da war. es gelang mir gerade noch, mich mit meinem rad in die etwa 10 zentimeter winzige lücke zwischen zwei geparkte autos zu quetschen. ein glatter mordversuch. ich, zwischenzeitlich wutschäumend, machte mich schmal, hangelte mich an die seite des kleinwagens mit dem idioten darin und klopfte. als er das fenster herunterkurbelte, stieß ich ihm den ausgestreckten mittelfinger in die blöde fresse. dann sah ich zu, dass ich weg kam.
den idiot nummer sechs wollte ich nämlich lieber nicht mehr erleben.

... link


Sonntag, 22. November 2009
wind in die s/a(s)che
nach all den monaten im vakuum wieder wünsche, visionen, die auf vormals leere projektionsflächen klatschen, schwarzbunt und laut. nocturnal emissions, süßlich-alkoholisch im rauschenden nachgeschmack.

... link