Sonntag, 9. August 2009
surprise in sahnesauce
man(n) kocht für mich.

... link


ende des lebens
wenn man beruflich stark eigespannt ist, tendiert man dazu, nicht über sich nachzudenken.
wo will ich hin?
die frage hatte sich jahrelang für mich erübrigt. leben fand in der gegenwart statt und war wie von selbst mit einer recht hohen dosis glück angefüllt. zeit war ungefühlt, denn sie war immer da. auch sonst war alles da, nicht im überfluss, aber das notwendige. freunde, ab und an liebesglück, inspiration, sicherheit, ein platz an der sonne (ganz wörtlich).

heute gibt es keine zeit mehr, die gesundheit ist ein fragiles gut geworden. da, wo einst freunde waren, klafft ein großes loch mit einigen behelfsbrücken. dank der arbeit nimmt man das alles weniger stark war, denn auch müdigkeit ist eine droge, die, gepaart mit der kontinuierlichen ausschüttung einer hohen menge adrenalin zu bewusstseinsveränderungen führt. arbeiten, vor allem in der falschen firma, führt zu einer art fremdbestimmtem dämmer-angst-zustand, der einem die luft zum atmen abschnürt.

in meinem urlaub, der heute zu ende geht, hatte ich endlich wieder genügend zeit zum nachdenken, zum atmen und auch zum genießen. und schmerzfrei zu sein, keine medikamente zu brauchen. und festzustellen: leben findet woanders statt, nicht wannanders. ich befinde mich definitiv am falschen ort und unterm rad der falschen entscheider.

ab heute zählen wir die tage.

noch 264 tage bis zur theoretischen freiheit.

... link


Dienstag, 4. August 2009
6+7
argx.
gestern schlimm gesoffen. doppelt gesehen, eingeschränktes sprach- und denkvermögen.

nach sechs stunden schlaf aber wieder fit wie ein turnschuh gewesen. doch nach zwei wachen stunden wackelt der kreislauf heftigst.

später dann mal den restalkohol rauschwimmen. aber heute nur im omma-modus.

... link


Montag, 3. August 2009
cinque/anne clark in concert
mit zwei stück himbeertorte im bauch, einem kleinen schwips und hundertprozentig verpeilt vom verwandtschaftsgedusel zum anne-clark-konzert gewankt und fast zu spät gekommen. zwischen schätzungsweise mehreren tausend menschen sehe ich bekannte gesichter ohne ende. die freude ist groß, auch über den guten platz, den ich mir trotz des auflaufs noch ergattern konnte. vorne mitte, so wie ich es liebe. gute akustik und freie sicht.

nach vielen umarmungen und küsschen und einem kühlen nicken an eine gewisse persona non grata ging es dann auch schon los.
eine kleine, recht unscheinbare blond-graue dame in jeans und lederjacke betritt die bühne und mit ihr die band. kein zwei-gitarren-abend, wie ich ihn heimlich befürchtet hatte, sondern sound aus vollen kanonen, elektronisch und laut.
und schon das erste lied, mir bislang unbekannt, erfüllt den quantensprung zwischen hymne und dancetrack. trotz des jubels und des applauses am ende entschuldigt sich anne clark, we had some technical problems, sorry. es wird kurz gestöpselt, dann geht es weiter.
nach etwa fünf liedern ist es bewiesen: es gibt bands, deren livequalität kommt einfach nicht an die studioaufnahmen ran. in diesem fall jedoch deshalb nicht, weil anna clark live alles übertrifft, was ich bisher von platte kannte. auf der bühne zeigt die frau, dass jedes einzelne bandmitglied ein kleiner musikalischer kosmos ist. die musiker beherrschen ihre instrumente perfekt und bis zur freien variation. jeder einzelne genius kommt zur geltung. anna clark steht nicht im mittelpunkt. sie tritt immer wieder im kreis ihrer mannschaft zurück in die unausgeleuchtete mitte. einige stücke finden ganz ohne sie statt, sie geht sogar von der bühne und kommt erst im applaus zurück und stellt die solisten namentlich vor. so viel demokratie habe ich noch auf keiner bühne erlebt.

die musikauswahl ist gut getroffen. anne clark präsentiert ihr absolut empfehlenswertes neues album, mischt aber zahlreiche klassiker darunter, sleeper in metropolis, our darkness, night of the hunter und viele mehr. das publikum rast, tanzt, schreit. der applaus nimmt kein ende. nach einer stunde verabschiedet sich anne clark, wird aber noch zwei mal um zugaben gebeten. die lässt sie sich auch nicht nehmen. mit zurückhaltender freundlichkeit und der ihr innewohnenden intensität lässt sie aufspielen und bedankt sich dann mehrfach.
am ende treten die musiker vor das enthusiastische publikum und klatschen und verbeugen sich, was man durchaus nicht häufig erlebt.
dann sagt anne clark good night.

(full moon)

und auch ich sage: gute nacht, kleinbloggersdorf. es war ein wunderbarer abend. zum vollkommenen glück fehlte mir nur einer: der cabkater, der heute auch seine helle freude gehabt hätte.

... link


Sonntag, 2. August 2009
quattro
samstage waren einst frei- und freutage, genauso wie freitage. dieser war, trotz zähen verlaufs, ebenfalls einer.

nach stundenlanger langeweile am nachmittag, an dem ich versuchte, den informatischen fragen meines vaters zu entkommen, ohne ihn vor den kopf zu stoßen, gelang es mir endlich, eine alte freundin ans telefon zu kriegen und eine einladung zum grillen/party abzustauben. das war sehr nett, auch wenn die werdende mutter dank wasser in den füßen + umzugsstress dann gegen mitternacht schlapp machte. also machte ich das, was ich mal am besten konnte, nämlich alleine auf party gehen.

gegen halb eins am ziel angekommen war es dann nicht sehr voll - urlaubsleere wie auch in der innenstadt - und man hätte gut tanzen können, wenn mich nicht die kürzlichst erworbene verklemmtheit befallen hätte und mich mit einem paket ich-gehöre-nicht-dazu-ich-bin-bestimmt-lächerlich an den rand der tanzfläche verbannte. nach einer weile aber traf ich dann alte bekannte wieder, auch eine freundin, welch freude und den dj des abends, in herrlich betrunkenem zustand. führerscheinentzug hat eben auch was gutes und fördert alkoholkonsum bei der arbeit, sprich beim auflegen. was manchmal als dj auch nicht schlecht ist, denn hin und wieder leert sich so eine tanzfläche auch aus unerfindlichen gründen und da gerät man als entertainer dann schon ins schwitzen. ein, zwei oder auch fünf, sechs bierchen wirken entspannend.

lange rede, kurzer sinn, es war ein glückliches widersehen, trotz einiger nervensägender schmachter. kann doch nicht mehr mit dem ring drohen, der unglücksbringer ist ja abgelegt. keine fesseln für die liebe.
als eine gute abwehrwaffe gegen übergriffe erwiesen sich aber meine hohen schuhe. auch wenn ich damit als 1,85m-frau immer noch eine unerklärliche anziehungskraft auf südländische/nordbayrische männer unter 1,70m habe (tret mich, beiß mich, quäl mich?), kann man so doch luftliniengerade geflissentlich über deren köpfe hinwegsehen. als mich ein besonders kleiner mensch irgendwann ansprach, bekam ich dies eine ganze weile gar nicht mit, da er meinen ellenbogen bequasselte, auf dessen höhe sich etwa sein gesicht befand.
ein anderer bekannter um fünf ecken erwies sich an diesem abend ebenfalls als ausdauernder gesprächspartner. während ich versuchte, mich an seinen namen zu erinnern, erzählte er begeistert und eine halbe stunde lang, dass er demnächst nach hamburg käme, um sich ein boot zu kaufen. jep. is klar. ich sagte irgendwann sehr freundlich, das sei ja interessant, mein mann denke nämlich auch über den kauf einer yacht nach und ich würde ihm gerne einmal dessen telefonnummer geben, dann könne er sich ein paar tipps (= veilchen) abholen. "ähem, du bist verheiratet?!" fragte er mit einer kleinen gesichtsentgleisung. ich lächelte nur still und dachte an meinen kater, wie er jetzt wohl eingekuschelt im weißen bett lag, die decke über ein ohr gezogen, eingemummelt wie in einer kleinen höhle.
der bekannte entschloss sich dann, doch lieber kein boot zu kaufen. er brauche ja eigentlich auch viel dringender einen neuen cd-player fürs auto. praktisch, dass es blödiamarkt auch in nürnberg gibt.

der abend endetete mit der gefürchteten fast zweistündigen busfahrt über fränkische dörfer, die verträumt in ersten morgenlicht zwischen wald und wiese lagen, bis wir dann die stadt erreichten, vorbei am flughafen, hinein ins zentrum und weiter südwärts. um halb sechs lag ich dann endlich im bett und fiel in todesähnlichen schlaf.

heute abend dann anne clark live. auf der wunderschönen insel. ich freu mich.

... link


Freitag, 31. Juli 2009
due & tre
gestern kam die schwermut wieder über mich. fernseher und ein kartenspiel konnten mich nicht lange ablenken. irgendwann kriegten mich meine eltern tatsächlich zum quatschen.

und ich beichtete, dass ich keine glückliche hamburgerin bin. dass mich seit märz gefühle quälen, die ich zunächst nicht zuordnen konnte und die mich fast wahnsinnig machten, bis ich dann ostern mit meinem cousin im cabrio über die dörfer hier fuhr und mir angesichts der schönheit und der stille die tränen übers gesicht liefen. die komischen gefühle konnte ich als ausgeburt meines entwurzeltseins und meiner heimatlosigkeit festmachen.

dann erzählte ich von den zwei großen faktoren, die für mich zur lebensqualität dazugehören und die ich in hamburg so vermisse: offene, herzliche menschen und natur.
ich berichtet vom eingeperrtsein in die nicht enden wollenden häuserzeilen, die ja alle sehr hübsch und sehr hip seien, aber gnadenlos urban und ohne einen fleck, an dem man atem schöpfen kann. alles, was grün ist, ist in hamburg so überlaufen wie ein designer-outlet. man ist nie alleine, nicht mal in großen parks. morgens fährt man in pulks von fahrrädern zwischen millionen geistig behinderter porsche- und eierschaukelfahrern zur arbeit. abends dasselbe. am wochenende hat man dann schon gar keine lust, irgendwohin zu gehen, weil wieder 5000 menschen auf einem quadratmeter stehen und die veranstaltungen eh meistens todlangweilig und ein einziges schnösel-oder pseudo-künstler-show-up sind.
und dann die menschen, an die so schwer ranzukommen ist. meine steigende abneigung, allein in der disco bei lieblosen dj-sets rumzustehen und immer nur von landeiern begrabscht zu werden, die vor ihren frauen auf der flucht sind.
ich erzähle von meiner grenzenlosen langeweile, die sich zunehmend in passivität, menschenscheu und hass verwandelt und mich vor den fernseher und den pc bannt. auch, dass ich auch schon mit meiner hausärztin über meine "depressionen" sprach, mich auf schilddrüsenunterfunktion testen ließ und um die adresse eines psychotherapeuten mit kassenzulassung bat, lasse ich nicht aus.

nach der komplettbeichte bin ich merkwürdig ruhig und leicht. meine eltern schauen schockiert drein. ich hatte ein "haben wir dir doch gesagt, dass das wieder nichts wird" erwartet, aber sie sind ehrlich betroffen.

es gibt kein vor und kein zurück. mein leben ist ein ausschnitt aus "täglich grüßt das murmeltier". schlafen, arbeiten, feierabend, dumm schauen, wieder schlafen. ohne den kater hätte ich sicher schon den verstand verloren.
wie es nun weitergehen soll?
ich weiß es nicht.

... link