Sonntag, 1. März 2009
morphine sucht den superstar
wer oder was ist dein star, dein augenstern? und warum?

und eigentlich ist doch jeder ein star. und jeder hat seinen stern, seine sterne. guckt doch bloß mal. milliarden, billionen sind da draußen. unterscheiden sich nicht groß von den anderen auf den ersten blick. aber jeder von ihnen ist wunderschön.
lernt sie sehen, die schönen. besonders diejenigen, die sich nicht prostituieren und nach aufmerksamkeit geiern. die nicht prahlen und sich etwas einbilden auf ihr eigenes, im grunde bescheidenes licht.

nur alle sterne zusammen sind licht. ein einzelner ist nur ein einsamer punkt in der schwärze. die gesamtheit aber macht den zauber der schöpfung aus.
nehmt euch die zeit und lernt staunen und sammelt ehrfurcht vor den dingen, die größer sind als ihr selbst.

axo, ja, das war das wort zum sonntag.

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Mittwoch, 25. Februar 2009
wenn ex-manager betteln
auf dem weg zur u-bahn komme ich immer am cinemaxx-kino am dammtor-bahnhof vorbei. da laufen die ganzen mainstream-filme, die ich mir nie ansehe.
heute lehnte dort an einer stange ein fahrrad, welches mir trotz des hamburg-typischen, alles verhängenden nieselregenschleiers sofort auffiel. denn auf dem gepäckträger befand sich ein ordentlich zusammengefaltetes zelt, zwei drei weitere camping-artikel sowie eine thermo-isolierkanne - so eine teure aus edelstahl, wie ich sie auch einst einmal gerne haben wollte, bevor ich einen beruf ergriff und mich in den sozialen abstieg begab.
ich sah dieses fahrrad und dachte, wie komisch, da will einer vor dem kino kampieren. gutes wetter hat er sich ausgesucht.

fünf meter weiter entfernt stand ein mann. er trug einen wollpullover von guter qualität, darunter ein hemd und eine saubere stoffhose. das haar ordentlich zu seite gekämmt. er tigerte auf und ab, schaute linke und rechts. ich ging weiter.
dann passierte etwas, was mir in dieser schnösel-gegend nie passiert: ich wurde angesprochen. "entschuldigen sie bitte!"
ich drehte mich um und sah den mann an. "ja bitte?" was konnte der denn von mir wollen? uhrzeit? mist, ich habe ja keine armbanduhr. muss dann erst nach dem handy kramen. und das bei dem regen ohne schirm.
"entschuldigung, ich habe meine bahncard verloren. haben sie die vielleicht gesehen?"
nein, hatte ich nicht. ich schüttelte den kopf.
"naja, dann muss ich mir jetzt eine fahrkarte ohne bahncard kaufen."
ich nickte.
"wären sie in der lage, einen beitrag dazu zu leisten?!"
nun war ich aber baff. und verstand plötzlich den zusammenhang mit dem fahrrad. das zelt, die edelstahl-kanne, das sorgfältig verstaute gepäck. da wollte mich jemand aber gründlich verscheißern. und überhaupt, an was hatte der denn gedacht? beitrag zur fahrkarte - 20 euro? 50 euro?
"tut mir leid, ich habe nur noch fünf euro", sagte ich dann wahrheitsgemäß. "davon muss ich mir jetzt gleich selber ein ticket kaufen. und die verbleibenden 2,30€ helfen ihnen ja dann auch nicht weiter, wenn sie eine fahrkarte der deutschen bahn brauchen."
sprach´s aus, wandte mich um und ging meines weges. und dachte, schlimm, jetzt betteln schon manager. der ist bestimmt irgendwo aus so einem edelbüro hier in der gegend rausgeflogen. und dann so eine dämliche bahncard-masche. das ist doch sowas von durchschaubar. den typ hätte ich vermutlich auch gefeuert. gut, dass ich ihm nichts gegeben habe. immerhin ist monatsende. kann ich mir gar nicht leisten.

und überhaupt: du arsch, eine edelstahl-thermoskanne wollte ich auch schon immer.

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Dienstag, 24. Februar 2009
verbind mich
unglaublich, wie lange manche menschen an unverbindlichen affairen festhalten. manche gründen sogar eine familie auf diesem seil, das nicht einmal eines aus draht ist. allenfalls hanf, leichtes stroh, entflammbar.
meine affaire verbindet mich. die alten wunden, die ab und an bluten, die frischen narben gleich mit. es verbindet sich, findet sich. und wir? keine findelkinder mehr.

und dennoch, liebster, reichen 24 stunden deiner abwesenheit und ich fühle mich wie heimwund. ein schleichender, trockender schmerz, als ob ich ohne dich nirgendwo zugehörig wäre, nicht dieser stadt, nicht diesem land, nicht diesem leben.

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Samstag, 21. Februar 2009
bildung doesn´t make a man
inzwischen bin ich ja vorsichtige networkerin bei xing. gerade als ich frisch in die nordmetropole kam und mich verloren und hilflos fühlte, stieß ich über xing auf eine gruppe junger medienmacher, deren treffen ich auch heute ab und an immer noch beiwohne. man klagt sich das leid aus der branche und gibt einander tipps, wie man möglichst schnell den job wechseln kann. die treffen sind locker und nett und finden in der regel in einer kneipe statt.

aufgrund dieser postitiven erfahrungen schloss ich mich auf exklusive einladung einer weiteren vereinigung an: dem so genannten querdenker-club. der exotische name gefiel mir und ich sah mich schon mit ideenreichen, kultivierten menschen - also sowas wie ich bin ;) - im stuhlkreis sitzen und die welt revolutionieren. als ich die erste einladung erhielt, war ich wirklich neugierig. ich schickte ein "ja, ich nehme teil" zurück und merkte mir das datum vor.
einige tage vor den heiligen event bekam ich dann ein schreiben von einem anderen mitglied des geheimnisvollen clubs, das weniger freundlich und inspiriert klang. man erinnerte mich daran, dass ich noch meine zahlung zu leisten habe, wenn ich an dem termin teilnehmen wolle. ich nahm mir die einladung noch einmal vor und fand dort weiter unten, was ich zunächst überlesen hatte: der event fand in einem bonzen-schuppen von der klasse eines fünf-sterne-hotels statt und war verbunden mit einem vortrag von einem nichtssagenden schlipsträger. getränke und häppchen würden serviert. ohne übernachtung kostet die veranstaltung einen dreistelligen betrag, der etwa meinem monatsnettogehalt entsprach. ich überlegte. sollte ich gleich zurückschreiben "fickt euch, ihr elitepisser, die ihr jungen, gebildeten aber leider noch nicht so bonzenhaften menschen keine chance der inspiration geben wollt"? nein. da ich ja freundlich und höflich sein kann, verfasste ich eine etwas längere antwort, in der ich kurz branchenübliche gehälter erläuterte, die nichts mit beschränktheit oder mangelhafter kultivierung zu haben, sondern aus der marktsitution entspringen und deshalb entsprechend niedrig sind. ich fragte dann höflich, ob, wenn man schon leute wie mich in diesem club haben möchte, man nicht ein wenig rücksicht nehmen könnte, dass nicht jeder singletingel ohne verantwortung ist und omas millionen in der rückhand hat. sogar manager haben, wie ich genau weiß, sobald sie familie haben, nicht mehr den finanziellen spielraum, dass sie derart auf die kacke hauen und einem solchen event beiwohnen könnten. ich schrieb, ich sei mir sicher, dass ich im name vieler intelligenter akademiker mit weltveränderungwillen spreche und dass ich davon ausgehe, dass die köpfe des clubs ebensolche voller humanistischer ideen und sozialer verantwortung sind.

ich hatte fest mit einer antwort gerechnet. nicht unbedingt eine mit "okay, lasset die kindlein zu uns kommen", aber eine, die mir die strukturen und das denken dieses clubs erklären würde und damit dessen gründe für die wahl solcher exklusiven veranstaltungsorte. aber nichts kam. leicht enttäuscht verfasste ich eine zweite email, in der stand, dass ich schon damit gerechnet hatte, dass irgendjemand soviel charakter besäße, einmal kurz stellung zu beziehen.
bis heute habe ich aber nie eine antwort erhalten. ich gehe inzwischen davon aus, dass dieser club aus lauter reichen, einsamen, stereotypen volltrotteln wie unser bundespräsident besteht, die schon längst der realität entschwebt sind. zur zeit feile ich an einem bitterbösen schreiben, mit dem ich meinen rauswurf provozieren werde. vielleicht kann man die bonzen-roboter-menschen dort wenigstens beleidigen, wenn man sie schon nicht bekehren kann.

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zerebrale linienführung reloaded
beim austausch persönlicher habseligkeiten und körperflüssigkeiten ganz unten im koffer: ein stellvertretereintrag auf der cove-seite vom sommer 2007. wir wollen ja alles zurück. geteilt wird jetzt nur noch mit der affaire - das bett und das leid, und noch zwei, drei lebensnotwendige dinge.

liebe leserschaft,
nachdem der herr cabman diese woche f(r)u(r)chtbar beschäftigt sein wird, u.a. damit, mir luxusqueen mein dolce & gabbana in der 1,5-liter-pet-flasche vom flughafen mitzubringen, will ich kurz wichtige ergebnisse der gestrigen disputation über automobilisten und fahrtüchtigkeiten referieren.

die zerebrale linienführung:
die bahnbrechende theorie der automobilisten-wissenschaftlerin mademoiselle morphine: "autofahrendende menschen besitzen je nach gen-ausstattung und iq-entwicklung unterschiedlich viele für das autofahren lebensnotwendige hirnströme." die sind z.b. verantwortlich für sowas wie "schnell fahren" oder "kurven fahren". im idealfall sind sie optimal miteinander verknüpft - aus dem vorhergegangenen beispiel ergäbe sich unter idealer konnexion der beiden komponenten "schnell kurven fahren können" - das, womit auch michael schuhmacher seine punkte macht.

der optimal ausgestattete automobilist besitzt polylineare zerebrale auto-fahr-könn-ströme. der herr cabman ist z.b. so einer. der macht das wie schumi, und in den kurven hängt morphine aufgrund der zentrifugalkräfte mit plattgedrückter nase und verrutschtem dekolltee, aber vor begeisterung seibernd am seitenfenster. herr cabman kann GLEICHZEITIG schnell fahren, kurven und steigungen bewältigen, dabei eine rauchen, heidi-klum-gummibärchen essen, seiner frau die brüste im bh wieder zurechtrücken und seinen stuhlgang kontrollieren.
[die zerebrale polylinearität hat unter umständen auswirkungen auf andere lebensbereiche, in denen man sich dann weniger aufmerksam verhält - z.b. vergisst man, beim aussteigen aus dem auto die hose wieder zuzuknöpfen, was man dann hektisch unter den interessierten bis frappierten blicken anderer raststättenbesucher vornehmen muss.]

diejenigen automobilisten, die etwas weniger zerebrale linien besitzen, erkennt man daran, dass sie unter umständen zwar schnell fahren können, aber in den kurven bammel kriegen. ein weiterer neuralgischer punkt sind z.b. aufgrund von baustellen verengte fahrbahnen. da schuppert man ängstlich mit 60 kmhs dahin, kann aber noch gleichzeitig mit seiner frau streiten, den tobenden kindern auf dem rücksitz eine cola an den kopp knallen und den stuhlgang kontrollieren.

automobilisten mit sehr wenigen zerebralen linien zeigen sich als begeisterte auf-der-linken-spur-kleber, sprich, als geschwindigkeits-überschätzer. steigungen und kurven sind ihnen ein horror. beim spurwechsel blinken oder auch nur über die schulter blicken scheint sie vollends zu überfordern. bei baustellen haben sie - vor allem die weiblichen automobilisten unter ihnen - vielfach ein einsehen und bleiben brav rechts. sie können jedoch ebenfalls noch alle den stuhlgang kontrollieren.

automobilisten mit einlinigem zerebralen strom zeichnen sich dadurch aus, dass sie die geschwindigkeitsbegrenzungen dauerhaft unterschreiten. man erkennt den zerebral-monolinearen fahrer bereits an seiner fahrhaltung, einem zwei-millimeter-hinterm-lenkrad-klemmen und einem so weit vorgeschobenen sitz, dass sie die knie über ihre ohren hängen können. sie gucken weder links noch rechts, die sichtweite geht nicht über die augenwinkel hinaus. beim spurwechsel fragen sie lieber den beifahrer: "trude, ist da drüben wer?"
verlangt die verkehrssituation, dass sie beschleunigen sollen oder geraten sie in todesgefahr (baustelle, kurve, steigung, irgendwelche schilder am straßenrand mit was rotem drauf), verlieren sie die kontrolle über den schließmuskel. "ah... ah... uch!... trude, was riecht denn hier so? und so warm is dat auf einmal am po..."

als abschließende bemerkung muss man anfügen, dass die polizei einäugig justiz betreibt und die zerebral-monolinearen automobilisten zu stark fördert, indem sie nicht eingreift, wenn diese 200 km lang mit 60 kmh auf der linken spur hängen oder plötzlich und unerwartet ausscheren und den mit 240 sachen dahinfliegenden cabman abrupt ausbremsen. zerebral-polylineare automobilisten sind aufgrund ihrer offensichtlichen multitasking-fähigkeit und ihrer geistigen und fahrerischen wendigkeit dem staat ein dorn im auge. die polizei hat ganz offenkundig die anweisung, diese scheinbar subversiven elemente mit vehemenz von den deutschen autobahnen zu ekeln. heimtückische fallen und ein undurchsichtiges strafsystem unterstützen sie dabei.

die forderung des verbands der zerebral-polylinearen automobilisten lautet: "geschwindigkeitsgebote statt -begrenzungen! wer unter 180 fährt, hat links nicht verloren! wer nicht mindestens 120 schafft, muss landstraßen und radwege benutzen!"

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Mittwoch, 18. Februar 2009
murhpys law entwischt
normalerweise trifft mich das schicksal hart und unerwartet. eine vermeintlich harmlose mandelentzündung entpuppt sich als pfeiffersches drüsenfieber, rückenschmerz als schwerer bandscheibenvorfall, ein bisschen kurzsichtigkeit als sehnervschaden und ein unscheinbarer pickel als fibrom, welches gleich operiert und auf bösartigkeit geprüft werden musste.
2009 hat sich meine welt verändert. zum guten, wie mir scheint. heute war ich wegen massiver nacken-schulter-verspannungen beim nettesten arzt der welt. ich war innerlich schon auf den nächsten vorfall oder wenigstens multiple blockaden eingestellt, doch der liebe herr dr. k. erklärte mir, dass meine kopfschmerzverursachenden verspannungen rein muskulär seien.
"sie sind rechtshänderin und arbeiten viel mit der maus?"
"nee, mit dem kleinen blauen elefanten", kicherte ich und er verstand und lachte.
"und sie telefonieren viel?"
"quasi den ganzen tag."
"sie sollten ein headset haben!"
"ich richte das aus. rechnung geht dann an die krankenkasse."
ich bekam eine spritze in drei dosen direkt in den verspannten muskel, das war dreimal halleluja und ich konnte ein wimmern nicht unterdrücken. doch das zeug hatte es in sich und mit einem zarten kribbeln löste sich der schmerz innerhalb von sekunden.
"gut?"
"sehr gut."
nachdem der schmerz verschwand, wurde auch mein nase, die in letzter zeit ständig verstopft war, frei. ich atmete tief durch und schwang mich auf mein rad. und herrlich, ich konnte den kopf drehen und erstmals seit tagen wieder den verkehr mit den augen wahrnehmen, wo ich vorher immer nur lauschen konnte, ob von rechts einer kommt. vor lauter euphorie wäre ich fast mit einem polizisten zusammengestoßen, der dort stand, wo ich eigentlich gar nicht hätte fahren dürfte, aber der grinste nur, als hätte er ebenfalls einen guten tag oder vielleicht sogar ein gutes jahr.

ja, ich weiß, das glück der anderen kotzt euch jetzt wieder an. ;)

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