Freitag, 16. Mai 2008
smells like unterhosen-sp(i)rit
immer wieder unglaublich finde ich menschen (?), die die straße entlang gehen und sogar bei mittelstarken wind in der luft dieser straße eine derartige stinkelinie ihrer bloßen anwesenheit in form vom unrasiertheit, schweißigkeit, fetthaarigkeit und arschwasser hinterlassen können, dass man die noch zehn minuten später riecht.
haben sie schon einmal ihre nase in einen zwei wochen alten haufen durchgeschwitzter, von menstruationsblut und dem letzten durchfall gezeichneter wäsche gesteckt? genau so ist das.
und dann sehen sie ganz am ende der straße diesen inkarnierten gestank in einen fetten bmw steigen. und sie können nicht entscheiden: hartzIV-ler, der heimlich in einer öffentlichen toilette wohnt? unterhaltsschmarotzer, der seinen expartner per hygieneverweigerung aus der wohnung geekelt hat? glücklicher erbe, der seine familie aus versehen durch eigengeruch vergast hat?

sie werden es nie erfahren. sie wollen es auch gar nicht wissen. ehrlich.

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Mittwoch, 14. Mai 2008
operation hope
mit den ersten sonnenstrahlen steigt der reiter der morgenröte auf seinem weißen pferd über den horizont. mit silberhufen stürmt er die tränenschwere erde, in mähne und schweif weht hoffnung, dass der zauber des lebens eines tages auch diejenigen trifft, die im schlagschatten ihrer eigenen gabe stehen.
gestern abend ging ich in die knie, damit die gnade, die mich streifte, vielleicht doch noch auf mich fällt.


zwei stunden später kommt der rote reiter des tages und setzt das land in flammen. und alles knien hilft nicht angesichts der längst gekannten leeren himmel.

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nix los ohne moz(illa)
ich hab mozilla abgeschossen. ja, ich geb´s zu, ich war bei meinem über-proxy-anonym-surfen-experiment nicht so ganz expertenmäßig am werk. also, um offen zu sein, ein echtes greenhorn, das bin ich. jetzt ist mozilla tot bzw. verlangt benutzernamen/passwort, welches ich gar nicht habe. und der internet explorer macht keinen spaß. alles ist langsam und macht "klack", wenn was poppuppt.
ich glaube, ich schreibe bald wieder ne opera.
oder was meint ihr?

p.s.: das sind die wahren probleme! ja, endlich hab ich auch so eins!

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Sonntag, 11. Mai 2008
frauen und männersport - gedanken zur em 2008
die traditionelle rolle der frau beim fußballgucken entspricht in etwa der des balljungen beim tennis: während der mann so wenigstens an den denkwürdigen spieltagen vorm fernseher im sessel sitzend seine alphatier-rolle ausüben kann, rennt frau von der küche ins wohnzimmer und von dort in den keller und dann wieder zurück, um in der urzeitlichen wurzelsammlerinnen-geste ihrem ruhenden mammutjäger chips und bier zu apportieren. während der balljunge so zu seinem taschengeld kommt, verdient sich frau so ein zustimmendes grunzen oder ein liebevolles "geh aus dem bild, so klein ist dein arsch leider nicht".
da wir aber mittlerweile alice schwarzer, die 68er und eine bundeskanzlerin hinter uns haben, kam es, wie es der lauf der zeit so wollte, zu einer erosion der alten kultur. frau von heute guckt meist genauso gerne fußball wie mann von gestern, wenn auch nicht zwangsweise biergurgelnd und gröhlend, sondern gegebenfalls andächtig dreinschauend und nägel feilend, für die pause die "brigitte" auf dem schoß. aber sie gucken, die frauen, das alleine zählt, und sie gucken vor allem ganz anders als männer.

mein erstens fußballerlebnis, bei dem es so richtig um die wurst ging, war die wm 1990. deutschland siegte nach dem elfmeterschießen gegen die braune-würstchen-esser, und ich, damals neunjährig, saß auf dem boden und hatte flusen im mund vom angespannt-innen-teppich-beißen (später nahm ich dann ein kissen, wegen der hygiene). ich war ein stilles kind und traute mich nicht wie meine mutter auf der couch hüpfen und "lauter, mach doch mal lauter" schreien - als ob die davon noch mehr tore machten! aber ich konnte somit auf eine positive fußball-sozialisation zurückblicken und hatte von jeher ein ungezwungenes verhältnis zu muskulösen männern in kurzen hosen aufgebaut.
einige jahre später bemerkte sogar ich als spätzünderin endlich, dass fußball nicht einfach ein spiel ist. denn nicht mal in einem hollywood-schinken bekommt frau soviel ästhetische erotik und geballte emotion zu sehen. dieses schwitzen unter den fliegenden haaren! diese angespannten gesichter mit dem urzeit-jägerinstinkt in den augen, die so spontan und ungezügelt freude signalisieren konnten! dieses entzückende engagement, das so versöhnlich die übliche lethargie, mit der mann sonst alle viere von sich streckend auf das sofa sinkt, kontrastierte! und gleich zweiundzwanzig mal männeroberkörper in der klassischen dreiecksform, wie sie in meinem biobuch der sechsten klasse aufgemalt war, darunter sehnige, braungebrannte (außer bei den rothaarigen engländern) beine. etwa vierzehnjährig schaute ich erstmals gebannt dem trikottausch am ende des spiels zu und versuchte für mich die frage zu erörtern, die mtv ihrer weiblichen zuschauerschaft zu diesem zeitpunkt gerade stellte: hair or bare? bevorzugen sie die behaarte oder die unbehaarte männerbrust? da ich noch nicht soviel erfahrung mit männern hatte, die meinen kopf auf ihren brustkorb drückten und "leck mir die titten, baby" stöhnten, war dies eher eine theoretische geistesleistung denn eine geschmacksfrage und nur mit viel anschauungsmaterial und fantasie zu bewältigen.
mein absoluter lieblingsspieler wurde francesco totti, weil ich in meiner jugend total auf hellhäutige italiener stand, und weil totti laut fankärtchenauskunft wenigstens 1,80m groß war. ich stritt mich leidenschaftlich mit meiner freundin d., die totti optisch als den "tod von venedig" abstempelte und ihre begeisterung eher auf die dunkle und kurzbeinige variante richtete, wahrscheinlich, weil sie meine vorgängerin und exfreundin meines damaligen freundes war, der lang, blass und dürr und für jede menge schlechter erfahrungen ihrerseits verantwortlich war.
ich hielt totti jedoch nicht ewig die treue, sondern wechselte irgendwann zu bixente lizarazu und ein wenig später zu luis figo über, die für mich den reifen mann verkörperten. während lizarazu leider für meine fantasie etwas zu kleinwüchsig geraten war, näherte sich figo eher meinem idealbild - der erfahrene typ mit dem kräftigen körper und markanten gesichtszügen. es war die zeit, in der ich auch für den u2-sänger bono eine heimliche vorliebe hegte, die aber nur anhielt, solange er sonnenbrillen sowie etwas längeres haar trug und sich auf der bühne NICHT auszog.

die meisten frauen, fand ich heraus, haben so gewisse lieblingsspieler, die sie hin und wieder spontan heiraten oder wenigstens mal für einen abend mit nach hause nehmen würden. wer dabei aber glaubt, die selektion richte sich nach rein optischen kriterien, der irrt sich gewaltig. frauen erkennen durchaus so etwas wie läuferischen eifer, den vorteil einer ausgeprägten wadenmuskulatur und sinn für technische feinheiten. außerdem muss er natürlich ein sieger sein. im gegensatz zum beziehungsleben erwarten frauen im fußball keine rückzieher, trägheiten oder eigentore. je nach intensität der jeweiligen spielerbindung kann frau zwar schon einmal verzeihen, wird sich die fehler aber merken und gegebenfalls einen neuen aus der einundzwanzigköpfigen konkurrenz wählen. die verfügbarkeit des überoptimalen angebots verhindert ängste vor dem verlassen-sein, und notfalls kann sich frau - vor allem, wenn sie auf randgruppen steht - auch noch für den linienrichter entscheiden. linienrichter oder auch schiedsrichter garantieren eine gewisse beständigkeit, weil sie keine roten karten kassieren und auch selten verletzt vom schauplatz getragen werden müssen, jedoch sind sie eher typen für nur ein spiel. ältere frauen schwärmen manchmal auch für den mannschaftstrainer, was aber eine generationenfrage und an selige erinnerungen gekoppelt ist. "achja, damals, der junge beckenbauer!"

lassen wir also die dinge ins rollen kommen. ich jedenfalls sag nur eins: der sommer wird heiß.

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Donnerstag, 8. Mai 2008
paare, en passant
a. und k. feiern ihren ersten beziehungsjahrestag, es gibt käse und wein, nüsse und kuchen, hinterher ein paar kurze. irgendwann erhebe ich mich, um ins badezimmer zu gehen, als mir a. hinterherschleicht und anklopft.
"komm rein", sagte ich.
a. drückt sich mit gebückter haltung durch den türspalt.
"sag mal", stupst er mich an, "ich hab da mal eine frage, die musst du mir beantworten."
ich wasche mir gerade die hände und nicke.
"also... es ist so: das hier ist mein haus, obwohl ich da ja schon mit einer anderen frau hier zusammen gewohnt habe. es ist mein stil, alles, was da an den wänden hängt, was an möbeln da ist, das haben ich und meine ex ausgesucht, so wie es uns und wie es eben mir gefällt. wir hatten da ähnliche vorstellungen. nun will k. zu mir ziehen, was ich ja unter umständen sogar gut finde, weil sie eine tolle frau ist..."
"und wo ist das problem?"
"k. ist eifersüchtig auf meine ex. sie sagt, alles, so wie es hier ist, erinnere sie stets daran, dass es mein zuhause und das zuhause einer anderen frau ist. sie verlangt, wenn sie jetzt einzieht, dass ich alles neu streiche und neue möbel kaufe."
"wieviel zahlt sie denn, wenn sie hier wohnt?"
"ja, nichts eigentlich. sie ist ja arbeitslos und wohnt hier auf entgegenkommendes verhalten, sprich, sie zahlt die lebensmittel und hilft im haushalt."
"dann kann sie das ja auch nicht verlangen, das ist doch ganz einfach. ich kann das schon verstehen, dass man, wenn man zusammenzieht, vielleicht ein paar möbel mitbringen will. weil man sich sonst so zu gast fühlt und nicht wirklich im eigenen zuhause. vielleicht hast du ja ein zimmer, das sie mit ihren sachen einrichten könnte, damit sie einen ort hat, wohin sie sich mal zurückziehen kann."
"es ist kein zimmer so als ganzes übrig, weil ich überall die wände herausbrechen habe lassen. es sind hier sehr große, aber wenige räume. und ihre möbel gehen einfach überhaupt nicht mit meinen zusammen. sie kann gerne ihr sofa mitbringen, das ist das einzige, was hier reinpassen würde. aber das reicht ihr natürlich nicht."
"ich finde das ehrlich gesagt ziemlich dreist. für lau ins gemachte nest und dann meckern und alles, aber auch alles grundlegend auf kosten des anderen umgestalten wollen. das würde dich tausende von euro kosten und wahrscheinlich die kompletten sommerferien."
"hm. ich sagte auch, dass ich das nicht mache. trotzdem möchte ich gerne, dass sie sich wohlfühlt..."
"eifersucht ist unheilbar. ich wette, wenn du das haus nach ihren vorstellungen umgestalten würdest, käme bald das nächste. dann würde sie wahrscheinlich flappe ziehen, wenn du wieder öfter in dein fitness-studio gehst, weil da könntest du ja auch deiner ex oder einer anderen begegnen. und dann lässt du das auch irgendwann, weil du dir nicht jedes mal das gezeter anhören willst - und danach fällt ihr wieder was neues ein, vielleicht, dass du zuviel zeit in deiner schule verbringst und zu oft mit deinen kolleginnen schnackst."
"das halte ich für möglich. das würde in ihr verhaltensrepertoire passen."
"du kannst dich nicht assimilieren, sonst macht sie dich platt. du kannst ihr entgegenkommen und vertrauen schaffen, mehr nicht."
"die frage ist nur wie."
"das ist immer die frage. ich glaube auch nicht, dass es eine lösung gibt. man kann nur immer wieder von neuem arrangements treffen, die dem einen sicherheit gewähren und dir selber einen fest abgesteckten freiraum."
"am wohlsten habe ich mich damals im krankenhaus gefühlt, als sie nicht da war und ich die wochen für mich hatte. nur ruhe, keine szenen."
"du meinst, du willst eigentlich gar nicht mir ihr zusammenwohnen?"
"ich weiß es nicht. manchmal gar nicht und dann denke ich doch wieder, das wäre ganz toll."
"versuchs einfach. wäre schade, wenn man das beste verpasst, weil man in alten gewohnheiten klettet."
a. nickt andächtig, dann gehen wir zurück ins wohnzimmer. da sitzt k. und strahlt wie aurora, dann strahlt auch a. - und eigentlich ist in diesem moment alles so wunderschön wie klar.

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Dienstag, 6. Mai 2008
selfish letters to yourself
ich bin immer noch die, die ende 2005 feststellte, dass sie nicht wirklich da ist.
sie ist eine projektion, ein produkt, eine maschine. sie fühlt diffus. sie fühlt, dass sie nichts fühlt. es ist ein vakuum.
sie freut sich nicht. sie hat kaum mut. sie fasst dennoch fremde hände, vertraut aber nicht, will sich losreißen, wenn es zu spät ist.
sie hat angst vor dem morgen. sie kommuniziert diese angst aber nicht. niemand würde die annehmen, teilen, verscheuchen.
sie hat keine illusionen, keine träume. sie brennt ohne zu wärmen. sie verbrennt und hinterlässt nichts.
sie glaubt nichts mehr.
sie hört auf zu lieben.

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